Die Drückjagd ist eine Bewegungsjagd, bei welcher etliche Treiber mit ihren Hunden das Wild aufscheuchen und den Hobby-Jägern vor die Büchsen „drücken“. Ziel ist es, möglichst viele Tiere zu töten.
Durch den Einsatz von Treibern und von Hunden flüchtet das Wild häufig in Panik. Gezielte, wohlüberlegte und tödliche Schüsse sind oft nicht möglich. Nicht nur, weil die Tiere hoch flüchtig sind, sondern auch weil viele der oft mehreren Dutzend Hobby-Jäger keine ausreichende Schiesspraxis haben. Das Reh kann aufgrund seiner arttypischen Bogensprünge in der Bewegung nicht sicher getroffen werden, moniert der Wildtierschutz Deutschland.
Wenn die Jagdevents dann auch noch kommerzialisiert und an Hobby-Jäger aus allen Teilen des Landes und dem grenznahen Ausland verkauft werden, kommt es zwangsläufig zu wenig waidmännischen Szenen.
Bei Drückjagden werden nur etwa ein Drittel der Tiere sofort durch Blattschuss getötet. Viele Tiere weisen Bauchschüsse, Rückenverletzungen, Schüsse in Gliedmassen auf oder werden erst gar nicht gefunden. Rehwild wies in einer Untersuchung der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz bei etwa 30 % der männlichen und 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf.
Analog einer Fachuntersuchung, die im Jahr 2008 im Sonderdruck «Wildbrethygiene» beim Deutschen Landwirtschaftsverlag veröffentlicht wurde, ist belegt, dass bei Bewegungsjagden nur 25–30 % der Tiere durch direkten Schuss (Blattschuss) sofort getötet werden. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass 70–75 % bei Bewegungsjagden durch sogenannte «schlechte Schüsse» verletzt oder verstümmelt werden und daraufhin oftmals qualvoll sterben.
Nicht selten werden bei diesen Events Jungtieren, insbesondere Frischlingen, ihre Eltern weggeschossen. Durch das dichte Fell und die schnell zu treffende Entscheidung zum Schuss wird immer wieder nicht erkannt, dass es sich um ein Muttertier oder gar das Leittier handelt.
Weniger wissenschaftlich, aber nicht weniger deutlich sind die Kommentare von Wildbretvermarktern: Die berichten, dass bei Drückjagden nicht selten bei zehn Rehen – ein erwachsenes Tier wiegt 20 bis 30 kg – insgesamt nur 20 kg des Wildbrets verwertet werden können, der Rest ist zerschossen oder aufgrund des Leids der Tiere und des damit verbundenen Ausstosses von Stresshormonen verdorben. Wer das Fleisch dennoch verwertet, veräussert es meist als Wildgulasch.
Kritiker dieser Art zu jagen, darunter zunehmend aus den Reihen der Hobby-Jäger, vertreten, dass Drückjagden bzw. Bewegungsjagden weder waidgerecht noch tierschutzrechtlich tragbar sind. In Jägerkreisen heissen solche Jagden auch Jagdevents oder Kill-for-Cash-Partys – eine Schande.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.








