Tierpark Bern: 82 Prozent für den Ausbau, Tierschützer warnen vor dem Wettrüsten der Zoos
Das Stadtberner Stimmvolk ebnet den Weg für einen neuen Familien-Zoo, während Tierrechtsstimmen die Wachstumslogik der Zoos hinterfragen.
In der Stadt Bern ist eine Vorentscheidung über die Zukunft des Tierparks Dählhölzli gefallen.
Am 14. Juni 2026 hat die Stimmbevölkerung der Aufzonung des Dählhölzli-Areals mit 82 Prozent Ja-Stimmen deutlich zugestimmt, bei 44 243 Ja- gegen 9722 Nein-Stimmen und einer hohen Stimmbeteiligung von 68,6 Prozent. Damit dürfen künftig 60 Prozent des Geländes bebaut werden, heute sind es rund zehn Prozent.
Konkret soll das alte Ökonomiegebäude beim heutigen Kinderzoo ersetzt werden. Dazu kommt ein neues Haupteingangsgebäude an der Aare. Zwischen den Bauten soll ab 2030 ein neuer Familien-Zoo anstelle des bisherigen Kinderzoos entstehen. Konkrete Bauprojekte liegen allerdings bisher nicht vor, die Abstimmung betraf allein die planungsrechtliche Grundlage.
Die Stadt und die Tierparkleitung begründen das Vorhaben mit besseren Bedingungen für Tiere, Gäste und Mitarbeitende sowie mit Barrierefreiheit. Rund 90 Jahre nach der Eröffnung brauche der Park mehr Raum und eine zeitgemässe Infrastruktur.
Die kritische Gegenstimme
Gegen die Vorlage stellte sich der Tierrechtsverein Tier im Fokus. Tobias Sennhauser, Berner Stadtrat und Präsident von Tier im Fokus, bezeichnete den Ausbau als Ausdruck eines Wettrüstens unter den Zoos: Wenn eine Einrichtung ausbaue, müsse die andere nachziehen. Tier im Fokus hatte für die Abstimmung die Nein-Parole gefasst und kritisiert, dass mit dem geplanten FamilienZoo neue Tierhaltungen entstehen, darunter ein grosses Aquarium, über dessen künftige Bewohner bislang nichts bekannt sei.
Der Einwand trifft einen Kernpunkt der Zoo-Debatte: Die Frage, ob bauliche Modernisierung den Tieren tatsächlich zugutekommt oder ob sie vor allem die Attraktivität für das Publikum steigert. Aus Sicht des Wildtier- und Tierschutzes bleibt entscheidend, ob sich die Haltung an den Bedürfnissen der Tiere orientiert oder die Tiere an die Logik der Anlage angepasst werden.
Einordnung
Der Berner Entscheid steht für ein Spannungsfeld, das weit über eine einzelne Stadt hinausreicht. Zoos verstehen sich heute als Einrichtungen für Bildung und Artenschutz, geraten aber zunehmend unter Druck, weil die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft grundsätzlich hinterfragt wird. Dass eine Modernisierung mit überwältigender Mehrheit angenommen wird, zeigt zugleich, wie breit die gesellschaftliche Zustimmung zu Zoos als Institution nach wie vor ist.
Der Streit um den Ausbau steht in einem grösseren Zusammenhang. Bereits im Februar 2026 hatte der Tierpark angekündigt, künftig häufiger ältere Tiere zu töten, um Platz für Nachwuchs zu schaffen. Tierarzt Stefan Hoby begründete dies gegenüber dem «Bund» mit einer Studie der Universität Zürich, wonach überalterte Populationen den langfristigen Artenschutz in Zoos gefährden. Bemerkenswert ist seine eigene Parallele: Hoby verglich diese Praxis mit der Regulation von Reh und Hirsch durch die Jagd. Tier im Fokus kritisierte das Vorgehen als rechtlich und ethisch problematisch und reichte im Stadtrat eine Interpellation zu Alternativen ein. Vor diesem Hintergrund ist die Skepsis gegenüber dem Ausbau zu verstehen: Mehr Anlagen bedeuten mehr Zucht, und mehr Zucht wirft die Frage auf, was mit den Tieren geschieht, für die später kein Platz ist.
Für die kritische Begleitung bedeutet das: Der eigentliche Prüfstein ist nicht die Aufzonung, sondern die konkrete Ausgestaltung der künftigen Anlagen. Daran wird sich zeigen, ob der Anspruch einer tiergerechten Haltung eingelöst wird.
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