2. April 2026, 15:00

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Kantonale Volksinitiative – Kanton Waadt

«Pour une gestion professionnelle de la faune sauvage» / «Für professionellen Wildtierschutz»

Initiative constitutionnelle rédigée de toutes pièces / Verfassungsinitiative in der Form des ausgearbeiteten Entwurfs

Gestützt auf Art. 79 der Verfassung des Kantons Waadt vom 14. April 2003 und auf das Gesetz über die Ausübung der politischen Rechte

Eingereicht durch das Initiativkomitee [Datum der Einreichung]

Hinweis: Der Kanton Waadt ist französischsprachig. Für die Einreichung muss der Initiativtext in französischer Sprache vorliegen. Die vorliegende deutsche Fassung dient der Übersicht und der strategischen Planung.

Initiativtext

Die unterzeichnenden, im Kanton Waadt stimmberechtigten Personen reichen folgende Verfassungsinitiative ein:

Die Verfassung des Kantons Waadt vom 14. April 2003 wird um folgende Artikel ergänzt:

Art. [neu] Professioneller Wildtierschutz

1 Die Ausübung der Jagd durch private Personen (Patentjagd, Hobby-Jagd) ist auf dem gesamten Gebiet des Kantons Waadt untersagt.

2 Der Schutz, die Pflege und, soweit erforderlich, die Regulierung wildlebender Tiere obliegen ausschliesslich fachlich ausgebildeten Wildtiermanagerinnen und Wildtiermanagern im Dienst des Kantons.

3 Der Abschuss von Wildtieren ist nur als letzte Massnahme zulässig, wenn alle anderen geeigneten Massnahmen zur Schadensverhütung oder Gefahrenabwehr ausgeschöpft oder ungenügend sind. Er bedarf der vorgängigen Genehmigung der Wildtierkommission.

4 Der Kanton richtet eine unabhängige Wildtierkommission ein, die sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Tier- und Naturschutzverbände, der Wissenschaft sowie der betroffenen Behörden zusammensetzt. Die Kommission beaufsichtigt das Wildtiermanagement und entscheidet über Regulierungsmassnahmen.

5 Der Kanton fördert die natürliche Regulierung der Wildtierbestände, die Vernetzung von Lebensräumen und die Koexistenz von Mensch und Wildtier.

6 Das Nähere regelt das Gesetz.

Art. [neu] Schutz bedrohter und geschützter Wildtierarten

1 Der Kanton verzichtet auf Gesuche zur präventiven Bestandsregulierung geschützter Wildtierarten nach dem Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel, insbesondere von Wolf, Luchs, Bär, Biber, Fischotter, Goldschakal, Steinadler, Gänsesäger und weiteren nach Bundesrecht geschützten Arten.

2 Er setzt auf die Förderung der Koexistenz von Mensch und Wildtier, passive Schadensverhütung, die ökologische Aufwertung von Lebensräumen und die wissenschaftliche Begleitung der Wildtierpräsenz.

3 Massnahmen gegen einzelne Wildtiere, die eine unmittelbare und erhebliche Gefährdung von Menschen darstellen, bleiben vorbehalten. Sie sind auf das Minimum zu beschränken und durch die zuständige Fachstelle des Kantons durchzuführen.

4 Der Kanton setzt sich im Rahmen der interkantonalen Zusammenarbeit und gegenüber dem Bund aktiv für den Schutz und die Erhaltung bedrohter Wildtierarten ein.

Übergangsbestimmung

1 Der Staatsrat erlässt die erforderlichen Ausführungsbestimmungen innert zwei Jahren nach Annahme dieser Verfassungsänderung.

2 Bestehende Jagdpatente erlöschen mit dem Inkrafttreten der Ausführungsbestimmungen. Bereits bezahlte Patentgebühren für die laufende Jagdsaison werden anteilig rückerstattet.

3 Der Staatsrat stellt die Kontinuität des Wildtiermanagements während der Übergangsphase sicher.

Erläuterungen

1. Ausgangslage

Im Kanton Waadt, dem drittgrössten Kanton der Schweiz mit rund 815’000 Einwohnerinnen und Einwohnern auf 3’212 km² Fläche, ist die heutige Hobby-Jagd ein System, das weder dem Artenschutz noch einem zeitgemässen Wildtiermanagement dient. Sie ist die Ausübung eines blutigen Freizeitvergnügens auf Kosten empfindungsfähiger Lebewesen, legitimiert durch veraltete Narrative, die einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhalten. Die Behauptung, ohne Hobby-Jagd breche das ökologische Gleichgewicht zusammen, wird durch das Genfer Modell seit über 50 Jahren empirisch widerlegt (vgl. das umfassende Dossier zum Genfer Jagdverbot auf wildbeimwild.com).

Die Hobby-Jagd wird in der Waadt als Patentjagd organisiert. Privatpersonen lösen ein kantonales Patent und jagen ohne feste Revierverantwortung (vgl. die Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Waadt sowie die kritische Analyse der Jagdausbildung auf wildbeimwild.com).

Parallel dazu geraten auf Bundesebene immer mehr geschützte Wildtierarten unter Druck. Mit der Revision des Jagdgesetzes im Dezember 2022 wurde die präventive Regulierung des Wolfes eingeführt. Der Biber darf seit Februar 2025 auf kantonales Gesuch hin abgeschossen werden. Der Kanton Waadt ist von der Wolfsrückkehr unmittelbar betroffen: Mehrere Wolfsrudel sind im Waadtländer Jura und in den Waadtländer Alpen dokumentiert. Der Luchs ist im Jura und in den Voralpen seit Jahrzehnten heimisch. Der Biber besiedelt zahlreiche Gewässer. Der Steinadler brütet in den Waadtländer Alpen. Das Genfersee-Nordufer ist eines der wichtigsten Wasservogelgebiete der Schweiz (vgl. die Analyse der Jagdpolitik auf wildbeimwild.com und die Wolfspolitik auf wildbeimwild.com).

Der Kanton Waadt hat die Möglichkeit, hier ein klares Zeichen zu setzen: nicht nur für professionellen Wildtierschutz statt Hobby-Jagd, sondern auch für den konsequenten Schutz bedrohter Wildtierarten auf kantonaler Ebene. Als Nachbarkanton von Genf kann die Waadt direkt auf die erfolgreiche Erfahrung ihres Nachbarn zurückgreifen.

2. Das Vorbild: Kanton Genf

Am 19. Mai 1974 stimmten rund zwei Drittel der Abstimmenden im Kanton Genf für die Abschaffung der Miliz-Hobby-Jagd. Vor dem Verbot war das Grosswild im Kanton praktisch ausgerottet: Hirsche und Wildschweine waren seit Jahrzehnten verschwunden, vom Reh lebten nur noch wenige Dutzend Exemplare. Rund 300 Hobby-Jäger setzten massiv Fasane, Rebhühner und Hasen für die Hobby-Jagd aus.

Die Erfahrungen seit dem Hobby-Jagd-Verbot sind eindeutig:

– Die Biodiversität hat markant zugenommen. Die Zahl überwinternder Wasservögel hat sich von einigen hundert auf rund 30’000 vervielfacht. Genf beherbergt heute die grösste Feldhasenpopulation und eine der letzten Rebhuhnpopulationen der Schweiz.

– Der Rehbestand hat sich auf ein gesundes Niveau eingependelt, bei einem jährlichen Spezialabschuss durch professionelle Wildhüter von lediglich 20 bis 36 Tieren.

– 2005 sprachen sich in einer erneuten Volksabstimmung 90 Prozent der Genfer Stimmbevölkerung für die Beibehaltung des Hobby-Jagd-Verbots aus. 2009 wurde im Kantonsparlament ein Antrag auf Wiedereinführung mit 70 zu 7 Stimmen abgelehnt.

– Die Gesamtkosten des professionellen Wildtiermanagements in Genf belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Franken jährlich, aufgeteilt in rund 600’000 Franken für Personal (ca. drei Vollzeitstellen, aufgeteilt auf rund ein Dutzend Umweltbeauftragte), 250’000 Franken für Prävention und 350’000 Franken für Schadensvergütung. Das entspricht rund 2.40 Franken pro Einwohner und Jahr.

Der Genfer Faunainspektor Gottlieb Dandliker, seit 2001 verantwortlich für das Wildtiermanagement, bezeichnet das Hobby-Jagd-Verbot als die finanziell günstigste Alternative für den Kanton. Eine ausführliche Darstellung findet sich im Dossier «Genf und das Jagdverbot» auf wildbeimwild.com. Für den Kanton Waadt ist die Genfer Erfahrung nicht nur ein theoretisches Vorbild, sondern gelebte Nachbarschaft: Die Waadt teilt mit Genf das Genfersee-Ufer, die gleiche Sprache und die gleiche politische Kultur.

Die Effizienz des Genfer Modells zeigt sich im direkten Vergleich: Ein professioneller Wildhüter in Genf braucht für einen sanitarischen Abschuss eines Wildschweins durchschnittlich 8 Stunden und maximal 2 Patronen. Ein Hobby-Jäger im Kanton Zürich braucht dafür 60 bis 80 Stunden und bis zu 15 Patronen. Die Feldhasendichte in Genf beträgt 17,7 Tiere pro 100 Hektaren (höchste der Schweiz), im Kanton Zürich nur 1,0 pro 100 Hektaren (vgl. Faktencheck Regierungsrat Zürich).

3. Das Konzept: Professionelle Wildhut statt Hobby-Jagd

Die Initiative ersetzt die Hobby-Jagd nicht durch ein Vakuum, sondern durch ein professionelles Wildtiermanagement nach dem Wildhüter-Modell. Dieses Modell basiert auf folgenden Grundsätzen:

Fachkompetenz statt Freizeitvergnügen. Professionelle Wildtiermanagerinnen und Wildtiermanager handeln auf wissenschaftlicher Grundlage (vgl. die kritische Analyse der Jagdausbildung auf wildbeimwild.com).

Ultima-Ratio-Prinzip. Ein Abschuss ist nur zulässig, wenn alle nicht-letalen Massnahmen ausgeschöpft sind.

Demokratische Kontrolle durch eine Wildtierkommission. Die unabhängige Kommission verhindert, dass politischer Druck das Wildtiermanagement verwässert.

Natürliche Selbstregulation als Leitprinzip. Die Erfahrung aus Genf, aus Nationalparks und aus zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt: Wildtierpopulationen regulieren sich in den meisten Fällen selbstständig.

4. Warum die Waadt?

Der Kanton Waadt eignet sich aus mehreren Gründen besonders für die Einführung eines professionellen Wildtierschutzes:

Nachbarkanton von Genf. Die Waadt ist der unmittelbare Nachbar des Kantons Genf. Die Genfer Erfahrung ist nicht abstrakt, sondern greifbar. Die Waadtländer Bevölkerung kennt Genf. Die Wasservögel, die in Genf überwintern, sind dieselben, die am Genfersee-Nordufer zu sehen sind. Die Wildtierkorridore überschreiten die Kantonsgrenze. Ein professionelles Wildtiermanagement in der Waadt würde die Genfer Erfahrung auf das gesamte Genfersee-Becken ausdehnen.

Grösster französischsprachiger Kanton der Schweiz. Die Waadt ist mit 815’000 Einwohnern der grösste Romandie-Kanton. Ein Erfolg hier hätte eine Signalwirkung für die gesamte Westschweiz (FR, NE, JU, VS). Die Kernbotschaften funktionieren auf Französisch: «Genève le fait depuis 50 ans. Ce qui fonctionne là-bas fonctionne aussi ici.»

Wolfspolitik im Jura und in den Alpen. Mehrere Wolfsrudel sind im Waadtländer Jura und in den Waadtländer Alpen (Pays-d’Enhaut, Gruyère waadtländisch) dokumentiert. Die kontroversen Wolfsabschüsse haben die Debatte politisiert. Die Initiative bietet eine verfassungsmässige Antwort (vgl. die Wolfspolitik auf wildbeimwild.com).

Luchs im Waadtländer Jura. Der Luchs ist im Waadtländer Jura seit Jahrzehnten heimisch und reguliert auf natürliche Weise den Rehbestand. Professionelles Wildtiermanagement schützt den Luchs und nutzt seine ökologische Funktion.

Genfersee-Nordufer: Wasservogelgebiet von nationaler Bedeutung. Das Genfersee-Nordufer gehört zu den wichtigsten Wasservogelgebieten der Schweiz. Die Genfer Erfahrung zeigt, was passiert, wenn die Hobby-Jagd auf Wasservögel aufhört: Die Zahl überwinternder Wasservögel vervielfachte sich von hundert auf 30’000. Die Waadt könnte ein ähnliches Ergebnis für das Nordufer erzielen.

12’000 Unterschriften. Bei 815’000 Einwohnern sind 12’000 Unterschriften 1.5 Prozent der Bevölkerung. In Lausanne, Yverdon-les-Bains, Montreux, Nyon, Vevey und Morges lässt sich effizient sammeln (vgl. wildbeimwild.com zu Wildtieren im Siedlungsgebiet).

Patentjagd = einfacher Systemwechsel. Keine Pachtverträge, keine Gemeindeentschädigung.

Universität Lausanne (UNIL) und EPFL. Lausanne ist ein Wissenschaftsstandort. Das evidenzbasierte Argument des professionellen Wildtiermanagements findet hier ein akademisch geprägtes Publikum.

5. Zum Initiativtext

Absatz 1 – Verbot der Hobby-Jagd

Das Verbot der Patentjagd durch Privatpersonen entspricht dem Genfer Modell. Die kantonale Kompetenz ist unbestritten: Art. 3 Abs. 1 JSG. Die drei Jagdsysteme sind gleichwertig. Genf seit 1974 bundesrechtskonform.

Absatz 2 – Professionelles Wildtiermanagement

Anstelle von Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jägern übernehmen fachlich ausgebildete Wildtiermanagerinnen und Wildtiermanager im kantonalen Dienst sämtliche Aufgaben. In Genf bewährt sich dieses System seit über 50 Jahren.

Absatz 3 – Abschuss als Ultima Ratio

Ein Abschuss ist die Ausnahme, nicht die Regel. Passive Massnahmen haben Vorrang.

Absatz 4 – Wildtierkommission

Die unabhängige Wildtierkommission ist dem Genfer Modell nachempfunden. Sie verhindert, dass der Staatsrat eigenständig Ausnahmen bewilligt (vgl. wildbeimwild.com/jagd-fakten).

Absatz 5 – Natürliche Regulierung und Koexistenz

Die Förderung der Koexistenz umfasst in der Waadt insbesondere die Vernetzung des Genfersee-Nordufers mit dem Jura und den Alpen, die Sicherung der Wildtierkorridore und die Aufklärung der Bevölkerung (vgl. wildbeimwild.com zu Wildtieren im Siedlungsgebiet).

Übergangsbestimmungen

Die Frist von zwei Jahren gibt dem Staatsrat genügend Zeit. Das bestehende kantonale Jagdinspektorat (Inspection de la faune) kann als institutionelle Basis dienen.

6. Zum zweiten Artikel: Schutz bedrohter und geschützter Wildtierarten

Der zweite Artikel ist für die Waadt besonders relevant. Mehrere Wolfsrudel sind im Jura und in den Alpen dokumentiert. Der Luchs ist im Jura seit Jahrzehnten heimisch. Der Biber besiedelt zahlreiche Gewässer. Das Genfersee-Nordufer ist ein Wasservogelgebiet von nationaler Bedeutung. Die «insbesondere»-Formulierung schützt auch künftige Rückkehrer, insbesondere den Fischotter (vgl. die Wolfspolitik auf wildbeimwild.com).

7. Kostenfolgen: Konkretes Budget für die Waadt

Das Genfer Referenzbudget

In Genf, dem direkten Nachbarkanton mit 282 km² und rund 500’000 Einwohnern, belaufen sich die Gesamtkosten des professionellen Wildtiermanagements auf rund 1,2 Millionen Franken jährlich.

Konservative Hochrechnung für die Waadt

Für die Waadt mit 3’212 km² Fläche und rund 820’000 Einwohnern ergibt sich folgende bewusst konservative Kostenschätzung. Diese rechnet grosszügig und berücksichtigt die Waadtländer Alpen, den Herdenschutz-Aufbau und das Rothirsch-Übergangsmanagement:

Personalkosten: 1’440’000 bis 2’380’000 Franken jährlich. Erforderlich sind 12 bis 17 Vollzeitstellen. Die Waadt ist elfmal grösser als Genf und topographisch vielfältig: Genfersee-Ufer und Mittelland im Westen, Jura im Norden, Waadtländer Alpen im Osten (Diablerets, Pays-d’Enhaut, Château-d’Oex). Der Wolf ist im Kanton dokumentiert. Hinzu kommt das Rothirsch-Übergangsmanagement in den Alpen.

Sachkosten: 300’000 bis 500’000 Franken jährlich. Alpine Ausrüstung, Fahrzeuge, Monitoring-Infrastruktur, Herdenschutzmaterial und Öffentlichkeitsarbeit.

Schadensvergütung: 150’000 bis 350’000 Franken jährlich.

Herdenschutz-Startinvestition: 500’000 bis 900’000 Franken. Einmalige Investition in die Herdenschutz-Infrastruktur für die Waadtländer Alpen (Diablerets, Pays-d’Enhaut) über drei bis fünf Jahre: Herdenschutzhunde-Programme, mobile Zäune, Nachtpferche, Ausbildung von Hirten. Im Waadtländer Mittelland und am Genfersee nicht nötig.

Gesamtkosten: 1’890’000 bis 3’230’000 Franken jährlich (brutto). Das entspricht rund 2.30 bis 3.95 Franken pro Einwohner und Jahr.

Rothirsch-Übergangsmanagement

Der Rothirsch ist in den Waadtländer Alpen präsent. Die kompensatorische Reproduktion – die durch Jagddruck künstlich erhöhte Fortpflanzungsrate – verhindert eine nachhaltige Reduktion. Nach dem Systemwechsel braucht es ein gezieltes Übergangsmanagement in den ersten drei bis fünf Jahren, das in den höheren Stellenzahlen eingerechnet ist (vgl. Studien auf wildbeimwild.com).

Einsparungen und Gegenfinanzierung

Dem stehen erhebliche Einsparungen gegenüber: Keine Jagdprüfungen, keine Patentverwaltung, keine Abschussplanung, keine Jagdaufsicht. Ein einziger sinnlos getöteter Wolf kostet die Öffentlichkeit rund 35’000 Franken. Die Waadt hat als Nachbarkanton von Genf den kürzesten Argumentationsweg: Was in Genf seit 50 Jahren funktioniert, funktioniert auch in der Waadt.

Wegfallende Einnahmen

Mit der Abschaffung der Hobby-Jagd entfallen die Patentgebühren von geschätzt 1.5 bis 2 Millionen Franken jährlich. Dem stehen jedoch die nie bilanzierten externen Kosten der Milizjagd gegenüber – Wildunfälle, jagdbedingte Verbissschäden im Schutzwald, Verwaltungsaufwand, Polizei- und Gerichtseinsätze –, die ein Vielfaches dieser Einnahmen betragen. Im Kanton Genf entfallen diese Einnahmen seit 1974 – ohne finanzielle Probleme: Vor dem Jagdverbot waren über 400 Hobby-Jäger aktiv, heute machen drei Vollzeitstellen die gleiche Arbeit besser. Sanitarische und therapeutische Abschüsse durch professionelle Wildhüter sind nicht das Gleiche wie eine regulatorische Bejagung anhand des Jägerlateins oder falsch verstandener «Naturerfahrung» der Hobby-Jäger. Eine Vollkostenrechnung zeigt: Die Milizjagd kostet den Steuerzahler deutlich mehr, als sie einbringt (vgl. «Was die Hobby-Jagd die Schweiz wirklich kostet» auf wildbeimwild.com).

Hobby-Jäger in der Politik stimmen gegen Naturschutz. Die Hobby-Jagdlobby bekämpft systematisch Biodiversitäts- und Artenschutzanliegen. 2024 bekämpfte sie die Biodiversitätsinitiative (63 Prozent Nein). 2020 scheiterte das von ihr mitgestaltete Jagdgesetz an der Urne (51,9 Prozent Nein). 2016 torpedierte der Tessiner Jägerverband den Nationalpark Parc Adula. In der Legislaturperiode 2015 bis 2019 politisierten Hobby-Jäger im Parlament mehrheitlich gegen Umweltanliegen. Wer behauptet, Hobby-Jäger seien Naturschützer, ignoriert ihr Abstimmungsverhalten (vgl. Tessiner Jägerverband: 30 Jahre Unfug und Kosten-Dossier).

Die Nettomehrkosten dürften bei 1’000’000 bis 2’200’000 Franken jährlich liegen, was rund 1.20 bis 2.70 Franken pro Einwohner entspricht. Selbst grosszügig gerechnet: Das sind weniger als ein Kaffee pro Person und Jahr. Für einen Kanton mit einem Gesamtbudget von rund 12.7 Milliarden Franken (Staatsrechnung 2024, EFV) sind das weniger als 0.02 Prozent (vgl. Jagdmythen-Faktencheck auf wildbeimwild.com).

8. Vereinbarkeit mit übergeordnetem Recht

Erster Artikel: Abschaffung der Hobby-Jagd

Bundesrechtskonform. Art. 3 Abs. 1 JSG. Drei gleichwertige Jagdsysteme. Genf seit 1974 unbeanstandet.

Zweiter Artikel: Schutz geschützter Arten

Art. 7a JSG ermöglicht die präventive Regulierung, verpflichtet aber nicht dazu. Der Verzicht verstösst weder gegen Bundesrecht noch gegen die Berner Konvention.

Einheit der Materie

Gewahrt, da sich sämtliche Bestimmungen auf das kantonale Wildtiermanagement und den Schutz wildlebender Tiere beziehen.

9. Vorwegnahme absehbarer Einwände

«Die Waadt ist elfmal grösser als Genf – das System funktioniert hier nicht»

Die Fakten: Grössere Fläche, aber auch grössere Bevölkerung (815’000 vs. 500’000). Die Pro-Kopf-Kosten liegen unter dem Genfer Niveau: 1.20 bis 2.70 Franken vs. 2.40 Franken. Das Waadtländer Mittelland (Broye, Gros-de-Vaud) ist die gleiche Landschaft wie Genf. Der Jura und die Alpen sind dünner besiedelt mit weniger Konfliktzonen (vgl. die Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Waadt).

Kommunikative Kurzformel: «Le Plateau vaudois est le même paysage que Genève. Et les coûts par habitant sont inférieurs à ceux de Genève.» / «Das Waadtländer Mittelland ist die gleiche Landschaft wie Genf. Und die Pro-Kopf-Kosten sind tiefer als in Genf.»

«Der Wolf braucht die Hobby-Jagd»

Die Fakten: Der Wolf reguliert. Die Hobby-Jagd stört. Genf beweist es seit 50 Jahren.

Kommunikative Kurzformel: «Le loup régule. La chasse de loisir perturbe. Genève le prouve depuis 50 ans.»

«Die Kosten sind zu hoch»

Die Fakten: 1.20 bis 2.70 Franken pro Einwohner und Jahr. Unter dem Genfer Niveau. Genf macht es seit 50 Jahren, und 90 Prozent der Bevölkerung wollen es behalten.

Kommunikative Kurzformel: «Moins de 2.20 francs par habitant et par an. Moins qu’à Genève. Et 90% des Genevois veulent garder le système.»

10. Zusammenfassung

Diese Initiative gibt der Waadtländer Bevölkerung die Möglichkeit, sich für ein modernes, evidenzbasiertes Wildtiermanagement und einen umfassenden Schutz bedrohter Wildtierarten auszusprechen. Der erste Artikel folgt dem seit über 50 Jahren bewährten Genfer Modell. Der zweite Artikel schützt insbesondere die Wolfsrudel im Jura und in den Alpen, den Luchs im Jura und die Wasservögel am Genfersee. Als Nachbarkanton von Genf und grösster französischsprachiger Kanton der Schweiz hätte ein Erfolg in der Waadt eine Signalwirkung für die gesamte Romandie.

Initiativkomitee «Pour une gestion professionnelle de la faune sauvage» / «Für professionellen Wildtierschutz»

[Name 1], [Name 2], [Name 3] …

(Komiteemitglieder gemäss kantonalem Recht, mit Wohnsitz im Kanton Waadt)

Kontaktadresse: [Adresse des Komitees]

Anhang: Weiterführende Dokumentation

Genfer Modell im Detail: wildbeimwild.com/dossiers/genf-und-das-jagdverbot – Umfassende Darstellung des Genfer Wildtiermanagements seit 1974.

Wissenschaftliche Studien: wildbeimwild.com/studien

Jagd in der Schweiz: wildbeimwild.com/jagd-in-der-schweiz

Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Waadt: wildbeimwild.com – Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton VD

Psychologie der Hobby-Jagd: wildbeimwild.com/category/psychologie-jagd

Wolf-Dossier: wildbeimwild.com/category/wolf

Beutegreifer: wildbeimwild.com/category/raubtiere

Nationalparks und Schutzgebiete: wildbeimwild.com/category/nationalpark

Wildtiere im Siedlungsgebiet: wildbeimwild.com/category/wildtiere-im-siedlungsgebiet

Jagdmythen: wildbeimwild.com/dossiers/jagdmythen

Kantonale Volksinitiative Basel-Stadt: Mustertext der Initiative im Kanton Basel-Stadt

Hinweis zum Verfahren

Das Initiativkomitee reicht den Initiativtext in französischer Sprache vor Beginn der Unterschriftensammlung der Staatskanzlei des Kantons Waadt zur Vorprüfung ein. Für das Zustandekommen der Initiative sind 12’000 gültige Unterschriften erforderlich. Die Sammelfrist beträgt 4 Monate ab Veröffentlichung im Amtsblatt. Die Einreichungsmodalitäten richten sich nach dem Gesetz über die Ausübung der politischen Rechte.

Strategisches Briefing für Aktivistinnen und Aktivisten

Volksinitiative «Pour une gestion professionnelle de la faune sauvage» – Kanton Waadt Internes Arbeitsdokument – Stand März 2026

Zusammenfassung

Die Waadt ist der strategisch wichtigste Romandie-Kanton der Serie. Als Nachbar von Genf, grösster französischsprachiger Kanton und Sitz der Universität Lausanne vereint die Waadt alle Voraussetzungen. Die Pro-Kopf-Kosten liegen unter dem Genfer Niveau. 12’000 Unterschriften in 4 Monaten sind anspruchsvoll, aber bei 815’000 Einwohnern machbar (1.5 Prozent). Wolf, Luchs, Wasservögel und Biber sind im Kanton präsent.

1. Warum ausgerechnet die Waadt?

Nachbarkanton von Genf. Gelebte Nachbarschaft. Gleiche Sprache, gleiche politische Kultur.

Grösster Romandie-Kanton. Signalwirkung für die gesamte Westschweiz.

Wolfspolitik. Wolfsrudel im Jura und in den Alpen. Artenschutz-Paragraph mobilisiert.

Genfersee-Nordufer. Wasservogelgebiet von nationaler Bedeutung.

12’000 Unterschriften. 1.5 Prozent. Anspruchsvoll, aber machbar.

Patentjagd = einfacher Systemwechsel. Keine Pachtverträge.

2. Die Lehren aus Zürich: Was wir anders machen

Positiver Titel. «Pour une gestion professionnelle de la faune sauvage».

Genfer Nachbarschaft. «Genève le fait depuis 50 ans» ist hier keine abstrakte Referenz, sondern gelebte Nachbarschaft.

Konkrete Budgetrechnung. Unter 2.20 Franken pro Kopf. Unter Genfer Niveau.

3. Gegneranalyse und vorbereitete Antworten

Gegenargument 1: «Die Waadt ist zu gross»

Kommunikative Kurzformel: «Le Plateau vaudois est Genève. Les coûts par habitant sont inférieurs.»

Gegenargument 2: «Der Wolf braucht die Hobby-Jagd»

Kommunikative Kurzformel: «Le loup régule. La chasse de loisir perturbe.»

Gegenargument 3: «Die Kosten sind zu hoch»

Kommunikative Kurzformel: «Moins de 2.20 francs par habitant. Moins qu’à Genève.»

4. Kommunikationsstrategie: Die drei Kernbotschaften

«Genève le fait depuis 50 ans. Ce qui fonctionne là-bas fonctionne aussi ici.»

«Professionnel au lieu de loisir.» / «Professionell statt Hobby.»

«Moins de 2.20 francs par personne et par an.»

5. Zeitplan und nächste Schritte

PhaseInhaltZeitrahmen
Komiteebildung & TextvorprüfungJuristin/Jurist beiziehen; Französische Fassung erstellen; Komiteemitglieder mit VD-WohnsitzMonat 1–4
Einreichung zur VorprüfungStaatskanzlei Waadt (französischer Text)Monat 4–5
Veröffentlichung & Sammelstart4-Monatsfrist; Ziel: 15’000+ Unterschriften als Puffer; professionelle SammelorganisationMonat 5
Parteienkontakte & KoalitionsaufbauPS, Verts, Vert’libéraux; Pro Natura Vaud; BirdLife Vaud; WWF Vaud; Fondation Franz WeberMonat 1–12
Einreichung der UnterschriftenStaatskanzlei, amtliche ÜberprüfungMonat 9–11
Grand-Conseil-DebatteParlamentarische Verankerung; MedienarbeitFolgemonate
AbstimmungskampagneGenfer Nachbarschaft, Wolf-Argument, Genfersee-WasservögelVor Abstimmung

6. Kampagnenmaterial

  • Das Genf-Dossier auf wildbeimwild.com als zentrales Argumentarium.
  • Die Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Waadt als Hintergrundmaterial.
  • Lokale Medien: 24 heures, Le Temps, La Région, La Côte, Riviera-Chablais, RTS (Radio Télévision Suisse).
  • Infografik: Karte Genf–Waadt als Genfersee-Becken. Wasservögel am Genfersee. Wolf im Jura. Kostenvergleich VD vs. GE.
  • Sämtliches Kampagnenmaterial auf Französisch.

7. Weiterführende Quellen

Dieses Dokument ist ein Mustertext der IG Wild beim Wild. Er kann von Aktivistinnen und Aktivisten, Organisationen oder Initiativkomitees frei verwendet und an die Verhältnisse im Kanton Waadt angepasst werden.

Faktencheck: Die Behauptungen der Hobby-Jagd-Lobby

Die Broschüre «Die Jagd in der Schweiz schützt und nützt» von JagdSchweiz liest sich wie ein Werbeprospekt – doch die zentralen Behauptungen halten einem Faktencheck nicht stand. Zehn Narrative auf dem Prüfstand, von «staatlicher Aufgabe» über «Artenvielfalt» bis «80 % Zustimmung»: Dossier: Faktencheck JagdSchweiz-Broschüre →