Mustertext: Biodiversitätsprüfung vor Abschussbewilligungen
1. Motion
Der Regierungsrat wird beauftragt, dem Kantonsparlament eine Vorlage zur Änderung des Gesetzes über Jagd und Wildtierschutz (… Gesetzesbezeichnung …) sowie der Jagdverordnung (… Verordnungsbezeichnung …) zu unterbreiten, mit der im Kanton (…) vor jeder Erteilung von Abschussbewilligungen eine verbindliche, unabhängige Biodiversitätsprüfung vorgeschrieben wird. Die Gesetzesrevision hat insbesondere sicherzustellen, dass
- Abschussbewilligungen für alle Wildtierarten künftig nur erteilt werden dürfen, wenn vorgängig durch eine von der Jägerschaft unabhängige Fachstelle geprüft wurde, welche Auswirkungen die geplanten Abschüsse auf die lokale und regionale Biodiversität haben
- die Biodiversitätsprüfung insbesondere die Auswirkungen auf Nahrungsnetze und trophische Kaskaden, auf die genetische Vielfalt der betroffenen Wildtierpopulation, auf die Bestände geschützter und gefährdeter Arten sowie auf die ökologische Funktion der betroffenen Art im Gesamtökosystem umfasst
- Abschussbewilligungen verweigert werden müssen, wenn die Prüfung ergibt, dass die geplanten Entnahmen die Biodiversität beeinträchtigen
- die Ergebnisse öffentlich einsehbar und anfechtbar sind
Insbesondere ist gesetzlich zu regeln, dass
- die Prüfung durch Fachpersonen der Ökologie und Naturschutzbiologie durchgeführt wird, die von der Jagdverwaltung und den Jagdverbänden unabhängig sind
- die Kosten aus den Erträgen der Jagdpatente finanziert werden
- bei der Beurteilung von «Wildschäden» die Ursachen (Lebensraumverlust, Fragmentierung) mitberücksichtigt werden
- der Regierungsrat alle drei Jahre einen Bericht über die Ergebnisse vorlegt
2. Kurze Begründung
In der Schweiz werden jährlich Zehntausende Wildtiere im Rahmen der Hobby-Jagd getötet – ohne dass vorgängig systematisch geprüft wird, welche Auswirkungen diese Entnahmen auf die Biodiversität haben. Die Abschussplanung basiert in der Regel auf Zählungen, die von der Jägerschaft selbst durchgeführt werden.
Die wissenschaftliche Forschungslage zeigt, dass die Entnahme von Wildtieren weitreichende Auswirkungen auf Ökosysteme haben kann. Die Entfernung von Beutegreifen wie dem Wolf verändert Nahrungsnetze und kann zu Kaskadeneffekten führen. Die selektive Entnahme der grössten Individuen kann die genetische Vielfalt verringern.
Die Schweiz hat sich mit der Biodiversitätsstrategie 2030 verpflichtet, den Biodiversitätsverlust zu stoppen. Es wäre widersprüchlich, dieses Ziel zu verfolgen und gleichzeitig zuzulassen, dass die Hobby-Jagd ohne jede unabhängige Prüfung in Ökosysteme eingreift.
- Dossier Jagd und Biodiversität: Link
- Dossier Jagdmythen
- Dossier Alternativen: Link
