2. April 2026, 07:44

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Mustertext: Hobby-Jagd und Wildtierkrankheiten

1. Motion

Der Regierungsrat wird beauftragt, dem Kantonsparlament einen Bericht vorzulegen, der die Rolle der Hobby-Jagd bei der Verbreitung von Wildtierkrankheiten und Zoonosen im Kanton (…) unabhängig und wissenschaftlich fundiert prüft. Gestützt auf die Ergebnisse dieses Berichts ist dem Kantonsparlament eine Vorlage zur Änderung des Gesetzes über Jagd und Wildtierschutz (… Gesetzesbezeichnung …) sowie der Jagdverordnung (… Verordnungsbezeichnung …) zu unterbreiten, die insbesondere sicherstellt, dass

  • der Kanton eine unabhängige, von der Jägerschaft personell und organisatorisch getrennte Fachstelle beauftragt, die Auswirkungen der Hobby-Jagd auf die Ausbreitung und Eindämmung von Wildtierkrankheiten systematisch zu untersuchen
  • die Untersuchung insbesondere prüft, ob jagdliche Praktiken (Aufbrechen im Feld, Transport erlegter Tiere, Kirrung, Fütterung, Bewegungsjagden) die Verbreitung von Erregern begünstigen statt eindämmen
  • die Ergebnisse dem Kantonsparlament und der Öffentlichkeit vollständig und transparent zugänglich gemacht werden

Insbesondere ist gesetzlich zu regeln, dass

  • jagdliche Massnahmen zur angeblichen «Seuchenprävention» künftig nur angeordnet werden dürfen, wenn ihre Wirksamkeit durch unabhängige veterinär-epidemiologische Fachstellen bestätigt ist
  • Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger werden verpflichtet, alle erlegten Tiere einer systematischen Gesundheitskontrolle zuzuführen
  • die Hygienevorschriften für den Umgang mit erlegten Wildtieren im Feld verschärft und deren Einhaltung durch unabhängige Kontrollen überprüft werden
  • die Kirrung (Anfütterung) von Wildtieren zu jagdlichen Zwecken verboten oder streng reguliert wird, da Kirrstellen nachweislich Kontakthäufigkeiten zwischen Wildtieren erhöhen und die Übertragung von Erregern begünstigen können
  • der Regierungsrat dem Parlament regelmässig Bericht erstattet über den Gesundheitsstatus der kantonalen Wildtierpopulationen

2. Kurze Begründung

Die Hobby-Jagd-Lobby rechtfertigt Abschüsse regelmässig mit dem Argument der Seuchenprävention. Insbesondere bei Diskussionen um die Afrikanische Schweinepest, den Fuchsbandwurm oder die Tuberkulose bei Wildtieren wird die Hobby-Jagd als unverzichtbares Instrument der Krankheitsbekämpfung dargestellt. Die veterinärepidemiologische Fachliteratur zeigt jedoch, dass diese Darstellung in wesentlichen Punkten selektiv ist.

Jagdliche Praktiken können die Verbreitung von Wildtierkrankheiten begünstigen: Bewegungsjagden scheuchen Wildtiere in seuchenfreie Zonen. Kirrung schafft künstliche Konzentrationspunkte. Das Aufbrechen erlegter Tiere im Feld kann Erreger in die Umwelt freisetzen.

Die Erfahrungen aus Regionen ohne Hobby-Fuchsjagd (Genf, Luxemburg) zeigen, dass der Verzicht auf grossflächige Bejagung weder zu einer Ausbreitung des Fuchsbandwurms noch zu anderen Seuchenlagen geführt hat. In Luxemburg ist die Befallsrate nach dem Jagdverbot 2015 sogar gesunken. Effektive Seuchenprävention basiert auf Monitoring, Hygiene und gezielten Massnahmen – nicht auf flächendeckender Bejagung.

Der Kanton (…) hat ein berechtigtes Interesse daran, die tatsächliche Rolle der Hobby-Jagd unabhängig prüfen zu lassen – und nicht auf Behauptungen zu vertrauen, die von der Jägerschaft selbst vorgebracht werden.

  • Dossier Jagd und Wildtierkrankheiten: Link
  • Dossier Afrikanische Schweinepest: Link
  • Dossier Wildfleisch in der Schweiz: Link