2. April 2026, 10:07

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Tierrechte

Thun: Pelz und Trophäen 2026, ein Rückschritt

Thun bleibt ein Symbol für eine Jagdkultur, die tote Wildtiere ausstellt, prämiert und vermarktet. Am Freitag und Samstag, 30. und 31. Januar 2026, findet im Thun-Expo-Areal erneut die kantonal bernische Trophäenausstellung mit Pelz- und Fellmarkt statt.

Redaktion Wild beim Wild — 10. Januar 2026

Update 2026: Dieser Beitrag wurde ursprünglich am 12.02.2017 veröffentlicht und für 2026 vollständig neu geschrieben.

Anlass und Daten wurden auf den aktuellen Pelz- und Fellmarkt sowie die Trophäenausstellung in Thun (30. und 31. Januar 2026) aktualisiert. Was als «Tradition» verkauft wird, ist in der Wirkung ein Prestige- und Handelsformat, bei dem Tierkörperteile zu Objekten werden und die Hobby-Jagd als gesellschaftlich akzeptierte Normalität inszeniert wird.

Der ursprüngliche Beitrag bezog sich auf den 11. Februar 2017: Damals wurde die «Bernische Trophäenausstellung Pelz- und Fellmarkt» in Thun zum 83. Mal durchgeführt. Schon 2017 war sichtbar, worum es im Kern geht: um ein Hobby-Jägertreffen, das «Erfolge» über Trophäen sichtbar macht und die Opfer der Hobby-Jagd zur Kulisse degradiert.

2026 ist wichtig, das klar zu trennen: Der Anlass ist nicht bloss eine historische Episode, sondern findet weiterhin statt und wurde organisatorisch modernisiert, nicht ethisch.

Was heute passiert: Trophäen, Prämierungen, Marktlogik

Im Programm sind Trophäenausstellung, Aussteller, Prämierungen sowie Pelz- und Fellhandel aufgeführt. Diese Mischung aus Ausstellung, Wettbewerb und Markt ist der entscheidende Punkt: Wildtiere erscheinen nicht als fühlende Individuen, sondern als Messobjekte, Dekoration und Rohstoff.

Freitag, 30. Januar 2026: Trophäenausstellung (19:00 bis 21:30, Halle 7), Aussteller (17:00 bis 22:00, Halle 0), offizieller Teil mit Auszeichnungen (19:30, Reithalle).

Die IG Wild beim Wild kritisiert, dass damit ein Umgang normalisiert wird, der den Erwartungen an Tierethik klar widerspricht: Tausende getötete Wildtiere im Kanton Bern laut Jagdstatistik stehen im Mittelpunkt, Körperteile werden vermessen, benotet und prämiert.

Warum das Argument «Hege» hier nicht trägt

Die Organisatoren rahmen solche Formate oft als «Hege» oder «Zustandsanalyse». Doch seriöses Monitoring braucht keine Trophäenwand, sondern wissenschaftliche Instrumente und transparente Daten, nicht die Selbstdarstellung über Geweih und Hörner. Zudem bleibt systematisch unsichtbar, was zur Jagdrealität gehört: Fehlschüsse, verletzte Tiere, Nachsuchen, Leidenswege.

Fuchs als Zielscheibe: Stigma statt Ökologie

Der Fuchs wird im jagdlichen Sprachgebrauch bis heute oft abgewertet. Dabei ist er als Beutegreifer ein stabilisierender Teil des Ökosystems. Schon der Originaltext betonte: Hobby-Jagd ist bei Füchsen kein sinnvoller «Regulator», sondern ein Störfaktor, der durch Reproduktion kompensiert wird.

Kinder, Publikum, Gewöhnungseffekt

Besonders problematisch ist, dass solche Anlässe gesellschaftlich als «harmloses Brauchtum» erscheinen können. Aus Tierschutzsicht ist es bedenklich, wenn Kinder und Jugendliche in ein Setting eingeführt werden, das Gewalt romantisiert und tote Wildtiere als Statussymbole präsentiert.

Was wir fordern

Thun muss sich fragen lassen, welchen öffentlichen Rahmen die Stadt solchen Formaten geben will. Die IG Wild beim Wild fordert eine Abkehr von Trophäenwettbewerben und Pelzhandel als «Event», hin zu einem zeitgemässen, respektvollen Umgang mit Wildtieren.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

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