Die Jagd im Kanton (………) soll transparenter werden. Abschüsse, Nachsuchen, Fehlabschüsse und Kollateralschäden sind jährlich systematisch zu erfassen und in verständlicher Form der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
1. Motion
Der Regierungsrat wird beauftragt, dem Grossen Rat eine Vorlage zur Änderung des Gesetzes über Jagd und Wildtierschutz (………) sowie der Jagdverordnung (…………) zu unterbreiten, mit der im Kanton (………) eine umfassende, öffentlich zugängliche Jagdstatistik gesetzlich verankert wird. Die Gesetzesrevision hat insbesondere sicherzustellen:
- dass der Kanton jährlich eine standardisierte Jagdstatistik veröffentlicht, die mindestens folgende Angaben enthält:
- Anzahl der Abschüsse pro Wildart, nach Geschlecht und Altersklasse
- Anzahl beschossener, aber nicht sofort erlegter Tiere (Nachsuchen)
- Anzahl Fehlabschüsse und beschossener, aber nicht aufgefundener Tiere
- Anzahl versehentlich getöteter oder verletzter Nichtzielarten (zum Beispiel geschützte Arten, Haustiere).
- dass die Jagdstatistik nach Jagdgebieten oder Regionen gegliedert wird, sodass Entwicklungen im Raum nachvollziehbar werden, ohne personenbezogene Daten offenzulegen.
- dass alle Jagdausübenden verpflichtet werden, ihre Abschüsse, Nachsuchen, Fehlabschüsse und Kollateralschäden vollständig, wahrheitsgemäss und fristgerecht in einem vom Kanton vorgegebenen System zu melden.
- dass die Wildhut und weitere Vollzugsorgane die gemeldeten Daten stichprobenartig überprüfen und bei Unstimmigkeiten oder Verdachtsfällen geeignete Abklärungen treffen.
- dass bei Verletzung der Meldepflicht oder vorsätzlich falschen Angaben im Jagd- und allenfalls Strafrecht ausdrücklich vorgesehene Sanktionen greifen.
- dass die erhobenen Daten vom Kanton so aufbereitet werden, dass sie:
- für Parlament, Behörden und Fachpersonen zur Beurteilung der Jagdpraxis und des Wildtiermanagements dienen
- für Medien und interessierte Öffentlichkeit barrierefrei zugänglich sind, zum Beispiel in Form eines jährlich aktualisierten Online-Dashboards.
- dass in einem zusätzlichen Berichtsteil qualitative Informationen aufgenommen werden, namentlich:
- besondere Vorkommnisse im Zusammenhang mit Jagdausübung
- dokumentierte Konflikte mit Erholungssuchenden, Landwirten oder Tierschutz
- relevante Unfälle mit Sach- oder Personenschaden im Kontext der Jagd.
- dass der Regierungsrat in seiner Botschaft aufzeigt:
- welche Daten heute bereits erhoben werden und wo Lücken bestehen
- welche Anpassungen von Abläufen, IT-Systemen und Zuständigkeiten nötig sind
- mit welchen Mehrkosten zu rechnen ist und wie diese finanziert werden sollen.
Der Regierungsrat trägt bei der Ausarbeitung der Vorlage dem Datenschutz Rechnung. Personenbezogene Daten der Jagdausübenden sind zu schützen. Die Öffentlichkeit soll jedoch in der Lage sein, Umfang, Qualität und Auswirkungen der Jagdpraxis im Kanton (………) sachlich nachzuvollziehen.
2. Kurze Begründung
Die Jagd ist ein staatlich geregelter Eingriff in das Leben wildlebender Tiere und in natürliche Lebensräume. Sie wird mit Gründen wie Wildschadensverhütung, Bestandsregulierung oder Seuchenprävention legitimiert. Ob diese Ziele tatsächlich erreicht werden und ob die Jagdpraxis tierschutzkonform ist, lässt sich nur beurteilen, wenn die relevanten Daten vollständig und transparent vorliegen.
Heute beschränkt sich die öffentliche Information oft auf grobe Abschusszahlen nach Art. Wichtige Aspekte wie Nachsuchen, Fehlabschüsse, verletzte und nicht aufgefundene Tiere oder getroffene Nichtzielarten werden meist nicht systematisch erfasst oder bleiben in Schubladen. Auch die Häufigkeit von Konflikten mit Erholungssuchenden und Unfällen im Kontext der Jagd wird selten offengelegt.
Aus Sicht von Tierschutz, Umweltrecht und demokratischer Kontrolle ist diese Intransparenz problematisch. Die Bevölkerung trägt die ökologischen und ethischen Folgen der Jagd mit, hat aber kaum Einblick in die tatsächliche Praxis. Parlament und Behörden entscheiden über Jagdgesetze und -verordnungen, ohne eine solide, öffentlich überprüfbare Datengrundlage zu haben.
Eine konsequente Jagdstatistik mit klaren Meldepflichten und jährlicher Publikation schafft hier Abhilfe. Sie ermöglicht:
- eine faktenbasierte Diskussion über Sinn, Umfang und Formen der Jagd
- die frühzeitige Erkennung von Fehlentwicklungen, etwa überhöhten Abschusszahlen oder gehäuften Fehlabschüssen
- eine bessere Kontrolle, ob tierschutzrechtliche Vorgaben eingehalten werden
- eine ehrliche Information der Öffentlichkeit statt geschönter Jagdpropaganda.
Der zusätzliche Aufwand ist im Vergleich zum Nutzen überschaubar, zumal viele Daten bereits heute zumindest teilweise erfasst werden. Mit der vorliegenden Motion wird der Regierungsrat beauftragt, diesen Bereich zu ordnen, zu vereinheitlichen und die Transparenz gesetzlich abzusichern.
Wer behauptet, im Namen von Natur und Allgemeinheit zu schiessen, sollte keine Angst vor Zahlen haben. Transparenz ist die Mindestanforderung an eine moderne, verantwortbare Jagdpolitik.