STS kündigt Vertrag mit Ex-Miss Lolita Morena
Der Schweizerische Tierschutz (STS) hat bedeutende Veränderungen beschlossen. In diesem Zuge wurde auch der Filmvertrag mit der ehemaligen Schönheitskönigin Lolita Morena über 200’000 Franken beendet.
Bei einer langen Vorstandssitzung Ende August gab es heftige Diskussionen.
Der Grund waren die überhöhten Zahlungen an Morena, die seit über 16 Jahren im Vorstand ist. Sie hatte in dieser Zeit rund 40 Videos über Tierheime und verlassene Haustiere produziert und dafür 200’000 Franken im Jahr verlangt, ohne dass im Vertrag klare Leistungen festgelegt waren. Zudem erhielt sie für jede Anreise zu Vorstandsitzungen 700 Franken Spesen, obwohl sie selbst mit dem Auto anreiste, anstatt wie im Reglement vorgesehen öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, schreibt die Aargauer Zeitung.
Der neue Vorstand, der zur Hälfte aus neu gewählten Mitgliedern besteht, wollte so nicht weitermachen. Noch am selben Tag wurde ein neues Geschäftsreglement beschlossen, das dafür sorgen soll, dass Vorstandsmitglieder sich keine eigenen Aufträge zuschustern können. Zudem sorgt es für klare Regeln zwischen strategischen und operativen Aufgaben. Dieses Reglement trat bereits Anfang September in Kraft.
Kontrolle der Spesen der Führung
Peter V. Kunz, ein Professor für Wirtschaftsrecht, entdeckte nach seiner Wahl in den Vorstand Unstimmigkeiten und leitet nun eine Gruppe zur Überprüfung aller Gehälter und Ausgaben der Vorstandsmitglieder. Kunz möchte nicht viel in den Medien sagen, betont aber, dass der STS nicht mehr wie ein Familienbetrieb geführt werden kann.
Der neue Geschäftsführer Marco Mettler erkannte schnell, wie ernst die Situation ist. Er forderte einen Kulturwandel innerhalb der Organisation, mit mehr Transparenz und klaren Richtlinien zu Interessenskonflikten. Zwei Wochen nach Inkrafttreten des neuen Reglements kündigte er den Vertrag mit Morena zum Ende des Jahres. Zukünftige Videoaufträge sollen klar geregelt werden, sodass Morenas Arbeiten wahrscheinlich keine Chance mehr haben.
Der Fall Morena zeigt, dass beim STS endlich aufgeräumt wird. Eine interne Gruppe untersucht die letzten acht bis zehn Jahre, einschliesslich der Zeit der früheren Vorstandsfrauen Nicole Ruch und dem Ehepaar Lienhard.
Es kursieren viele Gerüchte über deren Umgang mit vermieteten Immobilien und die überhöhten Spesen anderer Vorstandsmitglieder. Die Ermittlungen könnten zu weiteren Strafanzeigen führen. In Basel läuft bereits eine Strafuntersuchung gegen den ehemaligen Vorstand.
Zusätzlich kümmert sich eine Reformgruppe um die zukünftige Ausrichtung. Eine Umfrage, an der 71 % der Sektionen teilnahmen, ergab, dass es grossen Reformbedarf gibt. Über 90 % der Sektionen fordern transparente Finanzberichte und eine externe Überprüfung der alten Vorgänge. Ausserdem wünschen sich 72 % eine Zewo-Zertifizierung.
Das gibt den abgesetzten Vorstandsmitgliedern Martina Munz und Michel Roux Hoffnung, die lange auf diese Veränderungen gewartet haben.
Aufräumarbeiten im grossen Stil
Die Umfrage zeigt, dass die Reformer Rückhalt aus den Sektionen haben, die unter den Konflikten im Vorstand gelitten haben. Viele ihrer Vorschläge finden sich in einem neuen Statutenentwurf, der bereits überarbeitet wurde. So wurde das Geschäftsjahr 2023 erstmals vollständig geprüft.
Das neue Geschäftsreglement könnte dazu führen, dass der STS von der schwarzen Zewo-Liste entfernt wird. Mettler und die neue Finanzchefin bereiten bereits alles vor, um die Jahresrechnung künftig nach den Standards für Non-Profit-Organisationen zu erstellen.
Am Samstag wird der Vorstand auf einer Konferenz über die nächsten Schritte informieren. Die Sektionen können sich bis Mitte November zum Statutenentwurf äussern, und Anfang 2025 soll dieser verabschiedet werden. Ein Punkt im Entwurf ist eine Amtszeitbegrenzung von zwölf Jahren, die alte Verbindungen aus der Ära Lienhard/Ruch beenden könnte. Es ist jedoch noch nichts entschieden.
Für Morena wird es kompliziert: Sie hat ihr Haus in Lens VS verkauft und ist nach Italien gezogen, wo sie einen Bauernhof in ihrem Geburtsort und eine Pension für Menschen und Tiere bauen will. Eine Stellungnahme von ihr war diese Woche nicht möglich.
Auch der neue Präsident Piero Mazzoleni könnte bald Probleme haben. Er wurde im Januar interimistisch gewählt, hat aber versäumt, eine Nachfolgekommission zu bilden. Seine Rolle wird ebenfalls überprüft, besonders beim Verkauf eines geerbten Grundstücks im Tessin.
Zusätzlich könnte seine enge Verbindung zu Morena ein Problem sein. Er hatte sie zu seiner Stellvertreterin gemacht und einen neuen Vertrag für die Videos unterzeichnet, ohne den Vorstand zu informieren.
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