2. April 2026, 19:48

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Tierrechte

Wie wird man Jagdgegner?

Es kann kein schönes Gefühl für Wildtiere sein, in Todesangst von Jägern gehetzt zu werden und so ihr Leben zu verbringen. Nicht nur die Wildtieropfer der Jäger sind angeblich alt und krank, sondern auch viele Täter.

Redaktion Wild beim Wild — 24. Mai 2015

C.S. machte im Jahr 2008 einen Aufenthalt in Tersnaus im Kanton Graubünden/Schweiz.

Eines Morgens im Oktober hörte ich im Haus langes und andauerndes Hundegebell im nahen Wald. Mit meinem Hund Mobi machte ich mich auf den Weg, um nachzuschauen, ob jemand Hilfe braucht.

Wir sind rechts vom Dorf den Berg hochgewandert und kamen hinab, dort, wo die Laute herkamen. Dabei entdeckten wir zwei Hunde, alleine und frei im Wald bei einer Kiesgrube herumstreunten.

Der jüngere Hund begleitete uns anschliessend freiwillig auf dem Weg nach Hause, nachdem weit und breit kein Mensch zu sehen war und ich keine unmittelbare Notsituation vorgefunden hatte. Komisch war das Ganze schon, und ich dachte, ich werde im Dorf fragen, wem die Hunde gehören. Bis zu diesem Moment wusste ich nicht, dass dies Jagdhunde sind.

Etwa 500 Meter weiter unten in einer Kurve sahen wir dann einen Hobby-Jäger, hinterlistig im Wald sitzend. Er fragte mich sofort, ob ich seinen anderen Hund gesehen hätte, worauf ich ihm erklärte, wo er sich befinde. Anschliessend eröffnete sich ein kurzes, freundliches Gespräch über dies und das. Dabei erzählte er von sich sowie seinen Hunden und auch Seltsames wie: sähe ich einen Luchs, gäbe es bei mir einen schönen Bettvorleger, hätte hier schon 8 Feldhasen (stehen auf der Roten Liste der Arten) geschossen usw. Am Schluss meinte ich: Sehen Sie, das ist der Grund, weshalb mir Hobby-Jäger eigentlich nicht so sympathisch sind. Dann kippte die Stimmung.

Bis dato kannte ich mich mit der Hobby-Jagd nicht aus, wusste aber instinktiv, dass hier etwas nicht stimmt, und dass Luchse in der Schweiz geschützt sind, war mir auch bekannt. Für mich ging die Präsenz dieses Hobby-Jägers im Wald in Richtung Wilderei.

Ich wollte beim Abschied ein Foto machen, worauf der «Naturfreund» mich sofort verbal angriff und aufstand, um sich der Kamera zu bemächtigen. Ich musste wegrennen, weil er anfing, mir nachzuhetzen. Er war nicht so fit und schnell ausser Atem. Auch der kleine Jagdhund Fino folgte rennend und verstand die Welt nicht mehr.

Darauf telefonierte Hobby-Jäger 1, wie ich beim Rückwärtsschauen sah, mit seinem Freund Hobby-Jäger 2, der weiter unten auf dem Waldweg in Lauerstellung war. Diesem begegnete ich kurz darauf in der Kurve des Weges und machte ebenfalls ein Foto von ihm zur Identifizierung für die Polizei. Eine Reflexaktion von mir, denn dies lasse ich mir nicht bieten, hier stimme wirklich etwas nicht, ging mir durch den Kopf. Die Wegkurve eng geschnitten, konnte ich an ihm vorbeirennen.

Sofort kam er mit dem Gewehr auf mich los und ich musste mich über Kuhweiden hinweg in Sicherheit bringen.

Hobby-Jäger 2 kam ziemlich nahe heran. Einmal war er nicht sicher, ob er schiessen sollte. Ich war at Gunpoint. Darauf drehte er seine Waffe und holte mit dem Kolben zum Schlag aus.

Währenddessen kam Hobby-Jäger 1 von oben die Abkürzung durch den Wald zu Hobby-Jäger 2 und beide schauten zu, wie Mobi und ich vor der Gewalt in Tersnaus flüchteten.

Die feinen Herren des edlen Weidwerks gaben anschliessend einen Schuss ab und riefen hinterher: «Dich kriegen wir schon noch … blödi Zürischnorre …» usw.

Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viel Adrenalin verspürt und Todesangst. Als ich den Schuss hörte, schaute ich zuerst mich an und der nächste Gedanke war: Sie haben meinen Hund hinter mir erschossen. Immer noch rennend, hielt ich an, konnte aber sehen, dass Mobi mit herunter gefalteten Ohren immer noch folgte. Auch die Kühe wurden unruhig auf der Wiese.

Kurze Zeit darauf war ich wieder in Tersnaus. Wir wohnten im Dorfzentrum neben dem Mountainbike Champion Nino Schurter. Seine Mutter war gerade auf dem Weg zur Arbeit in Vals und wollte ins Auto steigen, als ich ankam. Ich erzählte ihr, was vorgefallen sei, und sie habe den Schuss auch gehört.

Wieder in der Wohnung telefonierte ich der zuständigen Polizei in Ilanz und bekam gleich am Nachmittag einen Termin. Ich erzählte dem aufnehmenden Polizisten, was vorgefallen ist, und gab ihm die Fotos. Er warnte mich am Schluss, eine Anzeige zu machen, da die Hobby-Jäger sonst eine Gegenanzeige machen würden, weil ich sie unerlaubterweise fotografiert habe. Viele Polizisten in Graubünden sind auch Hobby-Jäger. Er versprach mir aber, die «Kollegen» ausfindig zu machen und ihnen die Leviten zu lesen.

Ein paar Tage zuvor, am 18.10.2008 gab es beim Dorfbrunnen in Tersnaus schon einen Vorfall der negativen Art, als ein Auto mit der KFZ-NR: GR 35308 anhielt. Grölende und alkoholisierte Hobby-Jäger machten Radau, während sie sich am Wasser bedienten. Inhaber des Fahrzeuges war ein Herr Buchli-Mehli Franz Heinrich, Polenweg 1, 7405 Rothenbrunnen. Diese Informationen übermittelte ich der Polizei auch.

Eine Woche später rief ich den Gesetzeshüter an, um mich zu erkundigen, wie der neueste Stand ihrer Arbeit sei. «Die Hobby-Jäger sind bis jetzt nicht ausgeforscht», bekam ich zu hören. Ich rief eine Woche später erneut an und zwei Wochen später bin ich noch einmal unangemeldet auf dem Polizeiposten in Ilanz erschienen. An der Tür wurde mir gesagt, dass der zuständige Polizist nach Chur versetzt wurde und sie nichts mehr machen können.

Von diesem Tag an wurde ich Jagdgegner und kehrte dem Tourismuskanton Graubünden den Rücken zu.

Ein Jagdgewehr dient nur zur Hobby-Jagd: Wird eine Person mit einem Jagdgewehr bedroht, ist dies nach Ansicht eines Gerichts ein missbräuchlicher Gebrauch der Waffe. Der Entzug der Jagderlaubnis und des Waffenscheins sei daher nicht zu beanstanden.


Verwandte Dossiers und Beiträge:

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden