2. April 2026, 09:04

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Wildwechsel: Mehr Gefahr nach der Zeitumstellung

Wenn die Uhren Ende Oktober zurückgestellt werden, hat das nicht nur Einfluss auf unseren Schlafrhythmus – auch auf den Strassen steigt die Gefahr.

Denn plötzlich fällt der Berufsverkehr wieder in die Dämmerung, genau zu jener Zeit, in der Wildtiere besonders aktiv sind.

Allein im Jahr 2022 kamen in der Schweiz fast 9’900 Rehe, Hirsche, Gämsen und Wildschweine im Strassenverkehr ums Leben. Besonders in ländlichen Regionen wie Graubünden, Appenzell Innerrhoden oder dem Jura müssen Autofahrer mit Wildwechsel rechnen. Doch auch kleinere Tiere wie Igel, Marder oder Vögel sind häufig Opfer.

Ein Reh wird zum „Nashorn“

Die Folgen einer Kollision sind gravierend: Schon ein 20 Kilogramm schweres Reh entwickelt bei einem Aufprall mit Tempo 100 die Wucht von fast einer halben Tonne. „Ein Reh wird da zum Nashorn und ein Wildschwein zum Elefanten“, heisst es bei der AXA Unfallforschung. Für das Tier bedeutet das meist den Tod – für den Fahrer im schlimmsten Fall schwere Verletzungen.

Warum gerade jetzt?

Im Herbst suchen Rehe und Hirsche nach abgegrasten Feldern neue Futterplätze. Oft überqueren sie dabei Strassen. Hinzu kommt: Salzreste am Strassenrand locken Wildtiere zusätzlich an. Dass der Berufsverkehr nun häufiger in Dunkelheit und Nebel stattfindet, verschärft die Situation.

Tipps für Autofahrer

Unfallforscherin Bettina Zahnd von AXA Winterthur empfiehlt deshalb:

  • Tempo reduzieren – vor allem auf Landstrassen und in Waldgebieten auf 60–80 km/h.
  • Bremsbereit sein und Wald- sowie Feldränder im Blick behalten.
  • Bei Wildsichtung sofort abblenden, hupen, vorsichtig bremsen.
  • Keine riskanten Ausweichmanöver: Geradeaus fahren, Lenkrad festhalten.

Dank ABS ist eine Vollbremsung heute die beste Lösung – so kann Energie abgebaut und die Kollision abgemildert werden.

Was tun bei einem Unfall?

Kommt es doch zum Zusammenstoss, gilt: Ruhe bewahren, Unfallstelle sichern und sofort die Polizei (Tel. 117) alarmieren. Wer ein verletztes Tier einfach zurücklässt, verstösst gegen das Tierschutzgesetz. Bei Haustieren muss zudem ein Tierarzt oder eine Tierklinik kontaktiert werden – diese sind verpflichtet, rund um die Uhr Hilfe zu leisten.

Streit um die Zeitumstellung

Die jährliche Zeitumstellung steht seit Jahren in der Kritik. Der erhoffte Energiespareffekt bleibt aus, wie das deutsche Umweltbundesamt gezeigt hat. Immer mehr Länder – etwa Russland oder die Türkei – haben die Umstellung abgeschafft. Fachleute fordern, dauerhaft bei der Winterzeit zu bleiben, da sich die innere Uhr vieler Menschen nie vollständig an die Sommerzeit anpasst.

Ob Lerche oder Eule – für Menschen bringt die Zeitumstellung Umgewöhnung. Für Wildtiere kann sie jedoch tödlich enden. Wer im Herbst mit offenen Augen und angepasstem Tempo fährt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Natur.