Wie der kantonal bernische Anlass Tradition, Kommerz und Tierleid verbindet. Kritik an der Trophäenschau in Thun vom Freitag und Samstag, 30. und 31. Januar 2026, im Thuner Expo-Areal.
Wildtiere sind keine Ware für Unterhaltung, Prestige und Kommerz.
Die IG Wild beim Wild kritisiert die kantonal bernische Trophäenausstellung und den Pelz- und Fellmarkt in Thun aufs Schärfste. Der Anlass präsentiert Jahr für Jahr getötete Wildtiere als Trophäen, Dekorationsobjekte und Handelsware. Damit wird ein Umgang mit Wildtieren normalisiert, der nicht mehr zeitgemäss ist und den gesellschaftlichen Erwartungen an Tierethik und Respekt vor Mitgeschöpfen klar widerspricht.
Die Organisatoren verkaufen die Ausstellung als Traditionspflege und als Beitrag zur sogenannten Hege. In Wirklichkeit stehen Tausende getötete Wildtiere im Mittelpunkt, deren Körperteile vermessen, benotet und prämiert werden. Dieser Wettbewerb fördert eine veraltete Trophäenkultur, in der nicht das Tier als fühlendes Individuum zählt, sondern die Jagdleistung und die Grösse des Geweihs oder der Hörner.
Besonders stossend ist, dass der Anlass zusätzlich als Marktplatz für den Handel mit Fellen dient. Dabei werden Fuchsfelle und andere Häute abgekauft. Dieser Handel blendet das Leid aus, das hinter jedem einzelnen Fell steht, und trägt dazu bei, Wildtiere als Rohstoff zu betrachten. Während Politik und Gesellschaft klare Schritte in Richtung Einschränkung des Pelzhandels unternehmen, feiert man in Thun weiterhin eine kommerzialisierte Form der Hobby-Jagd, die ethisch kaum vertretbar ist.
Während Bundesrat und Parlament rechtlich in Richtung Einschränkung der Pelzprodukte gehen, wird in Thun weiterhin ein traditioneller Pelzmarkt gefeiert, bei dem Fuchsfelle prämiert und verlost werden und Fellhändler Felle zu Stückpreisen von etwa 8 Franken für Fuchs und 15 Franken für Marder einkaufen.
Die IG Wild beim Wild weist zudem darauf hin, dass die dargestellte Jagdpraxis oft ein geschöntes Bild vermittelt. In der Realität gehören Fehlschüsse, verletzte Tiere und lange Leidenswege zum Alltag der Hobby-Jagd. Diese Aspekte werden weder auf der Ausstellung thematisiert noch von den Verantwortlichen offen kommuniziert. Die Behauptung, die Trophäenschau diene der Zustandsanalyse der Wildbestände, ist kaum haltbar. Wissenschaftlich abgestützte Monitoringinstrumente benötigen keine ausgestellten Schädel und Geweihe, die primär der Selbstdarstellung dienen. Die in Thun präsentierten Trophäen sind ein materieller Ausdruck von tausenden getöteten Wildtieren, deren Abschussqualität, Nachsuche und Leiden im offiziellen Bild kaum vorkommen.
Aus Sicht des Tierschutzes ist es zudem bedenklich, dass Kinder und Jugendliche an solchen Anlässen herangeführt werden, ohne dass ihnen ein respektvoller und zeitgemässer Umgang mit Wildtieren vermittelt wird. Statt Wissensvermittlung steht ein Spektakel im Vordergrund, das Gewalt verharmlost und eine romantisierte Jagdwelt propagiert.
Waffenhändler, Optikhersteller, Jagdzubehör, Jagdreisen, Verlosungen von Jagdabschüssen im Ausland: Es entsteht ein jagdindustrielles Gewaltsystem, in dem Abschüsse und Tierkörper Teil eines Vermarktungssystems sind.
Wer sinnlos tötet, schützt nicht, und der zivilisierten Gesellschaft nützt es nichts. Hobby-Jäger sorgen somit nicht für gesunde oder natürliche Wildbestände, insbesondere nicht mit ihrer abscheulichen Fuchsjagd. Die Stadt Thun musste sich bereits im Stadtrat Fragen zum Pelz- und Fellmarkt gefallen lassen, etwa zu ethischen Aspekten, Bewilligungspraxis und zur Öffentlichkeitswirkung.
Die IG Wild beim Wild fordert die Verantwortlichen der Stadt Thun auf, den Anlass grundlegend zu überdenken. Eine zivilisierte Gesellschaft benötigt keine Wettbewerbe, bei denen tote Wildtiere als Erfolge präsentiert werden, und sie benötigt keinen Markt, auf dem Felle wie beliebige Handelsgüter verschoben werden. Notwendig sind stattdessen ein respektvolles Verständnis von Wildtieren, eine fachlich fundierte Wildtierökologie und eine Abkehr von der Hobby-Jagd.