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Tierwelt

Graubünden: Die höchstgelegene Biberfamilie Europas im Engadin

Auf rund 1'700 Metern über dem Meer hat sich im Oberengadin ein bemerkenswertes Naturereignis ereignet: Mittlerweile beheimatet die Region die höchstgelegene Biberfamilie Europas.

Redaktion Wild beim Wild — 22. August 2025

Möglich wurde dies durch einen überraschenden, aber glücklichen Zufall – den Ausgangspunkt eines kleinen Wunders in der hochalpinen Wildnis.

Im Jahr 2017 liess sich ein einzelnes Bibermännchen im Gebiet nahe Samedan nieder. Dieser besonders hoch gelegene Lebensraum war denkbar ungewöhnlich – nicht gerade der Ort, an dem ein Weibchen vorbeischneit. Doch die Ausdauer des einsamen Baumeisters sollte sich lohnen: Nach acht Jahren – im Februar 2025 – traf tatsächlich ein Weibchen ein, und bereits wenige Monate später gab es Nachwuchs. Drei Jungen erblickten im Juni 2025 das Licht der Welt.

Typischerweise bringen Biber nach einer rund 100-tägigen Tragzeit ein bis vier Junge zur Welt, die etwa einen Monat in der Höhle gesäugt werden –, bevor sie sich aufmachen, die Welt zu erkunden und Nahrung zu suchen. Die Jungtiere bleiben bis zu zwei Jahre bei ihren Eltern, bevor sie ihre eigenen Reviere gründen können.

Spannend bleibt der Blick in die Zukunft: Sollte es 2026 erneut Nachwuchs geben, könnten gleichzeitig zwei Generationen junger Biber in derselben Familie im Engadin leben – eine Ausnahme in Europa.

Ein Tier kehrt zurück – Geschichte und Schutz des Bibers in der Schweiz

Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Biber in der Schweiz fast vollständig ausgerottet – nicht etwa aus modischen Gründen, sondern weil sein Fleisch, Fell und insbesondere das Castoreum (eine ölartige Substanz) in der Küche, Parfümerie und Medizin gefragt waren.

Der Umschwung kam mit der Wiederansiedlung: 1956 wurden acht Biber im Wald von Versoix (Genf) freigelassen – von ihnen überlebte die Hälfte. In der Folgezeit wurden zwischen 1956 und 1978 über 141 Biber an rund 30 Standorten wieder angesiedelt – erneut mit mässigem Erfolg. 1962 erfolgte die rechtliche Unterschutzstellung des Bibers. Heute leben schätzungsweise rund 3’500 Exemplare in der Schweiz.

Warum ist dieser Fall so besonders?

  • Unerwartete Höhenrekorde: Eine Biberfamilie auf 1’700 Metern ist in Europa einzigartig. In der Regel findet man Biber in tieferen, bewaldeten Uferlandschaften.
  • Symbol für langsame, aber nachhaltige Veränderungen: Acht Jahre allein – das zeigt, wie resilient Tiere und Ökosysteme auf klimatische und menschliche Veränderungen reagieren.
  • Eine Geschichte mit Zukunft: Die Aussicht auf zwei Generationen junger Biber im selben Umfeld macht das Ereignis historisch.

In den stillen Bergtälern des Engadins schreibt die Natur derzeit eine leise, aber bedeutende Geschichte: Eine Biberfamilie, hoch oben, weit weg vom üblichen Lebensraum, baut an einem neuen Kapitel für Artenvielfalt in den Alpen. Mehr als eine Kuriosität – ein Symbol der Rückkehr und des Lebenswillens – mitten in der hochalpinen Idylle.

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