2. April 2026, 06:03

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Glossar: Jagd- und Wildtierbegriffe in der Schweiz

40 Begriffe zu Jagd, Wildtieren und Naturschutz in der Schweiz – mit jagdkritischer Einordnung.

Patentjagd

Definition: System, bei dem der Staat befristete Abschusslizenzen («Patente») für bestimmte Tierarten und Mengen an zugelassene Jägerinnen und Jäger verkauft. Patentjagd wird in mehreren Deutschschweizer Bergkantonen praktiziert (u.a. Graubünden, Wallis, Tessin, Glarus).

Jagdkritische Einordnung: Die Patentjagd ist staatlich stärker kontrolliert als die Revierjagd, legitimiert aber weiterhin die Hobby-Jagd als Freizeitbeschäftigung. Die ökologische Notwendigkeit der Abschussquoten wird selten unabhängig überprüft.

Revierjagd

Definition: System, bei dem Einzelpersonen oder Jagdgesellschaften ein Jagdrevier von Grundeigentümern oder Gemeinden pachten und darin das exklusive Jagdrecht besitzen. Vorherrschend in der Romandie, im Mittelland und in vielen anderen Kantonen.

Jagdkritische Einordnung: Die Revierjagd schafft wirtschaftliche Anreize für hohe Wildbestände im Revier – was ökologischen Regulierungsinteressen widerspricht. Pächter haben ein finanzielles Interesse am Revier, nicht primär an einem funktionierenden Ökosystem.

Baujagd

Definition: Jagdmethode, bei der speziell ausgebildete Erdhunde in unterirdische Fuchs- oder Dachsbauten geschickt werden, um die Tiere herauszudrängen, damit sie abgeschossen werden können.

Jagdkritische Einordnung: Die Baujagd ist eine der tierschutzrechtlich umstrittensten Jagdmethoden. Ein Gutachten im Auftrag des Schweizer Tierschutz STS hält fest, dass sie mehrfach den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen kann. Die Kantone Zürich, Bern und Waadt haben sie verboten; auf Bundesebene läuft die Motion 23.3303 für ein schweizweites Verbot.

Treibjagd

Definition: Jagdform, bei der Treiber (Menschen oder Hunde) Wildtiere durch Lärm, Bewegung und Druck auf wartende Jägerinnen und Jäger zutreiben. Wird vor allem zur Regulation von Wildschweinbeständen eingesetzt.

Jagdkritische Einordnung: Treibjagden verursachen akuten Massenstress bei Wildtieren. Durch Lärm und Verfolgung werden ganze Populationen aufgescheucht. Mehrere Kantone haben Treibjagden eingeschränkt; die ökologische Wirksamkeit zur Bestandsregulation ist wissenschaftlich umstritten.

Drückjagd

Definition: Spezialform der Treibjagd, bei der Treiber langsam und leise durch das Revier gehen («drücken»), um Wildtiere gemächlich zu bewegen, damit sie nicht flüchten, sondern langsam auf Schusslinien zulaufen.

Jagdkritische Einordnung: Auch wenn die Drückjagd weniger spektakulär als die klassische Treibjagd ist, verursacht sie Störung und Stress im Wildtierlebensraum. Die niedrigere Fluchtintensität schützt Wildtiere nicht vor Jagddruck, sondern ändert nur dessen Form.

Ansitzjagd

Definition: Jagdform, bei der Jägerinnen und Jäger von einem festen Standort (Hochsitz, Kanzel) aus auf Wildtiere warten, die in ihr Schussfeld treten. Oft in der Nähe von Wildwechseln, Futterstellen (Kirrungen) oder Wildäckern.

Jagdkritische Einordnung: Kirrungen (Anlockfütterungen) an Ansitzen erhöhen künstlich die Wilddichte und schaffen den Regulierungsbedarf, den JäHobby-ger dann als Rechtfertigung nutzen. Zudem werden Fütterungen häufig zur Konditionierung von Wildtieren genutzt – eine Praxis, die das natürliche Verhalten verändert.

Pirsch

Definition: Jagdmethode, bei der Jägerinnen und Jäger aktiv und leise durch das Gelände streifen, um Wildtiere zu suchen und in Schussweite anzuschleichen. Als besonders «waidgerechte» Methode gilt die Pirsch in der Jägerkultur als edelstes Handwerk.

Jagdkritische Einordnung: Auch die Pirsch endet mit dem Töten eines Tieres. Die romantische Verklärung der Pirsch als «Naturverbindung» kaschiert, dass das Ziel die Tötung eines lebenden Wesens ist.

Nachsuche

Definition: Suche nach einem angeschossenen, aber nicht sofort getöteten Wildtier («Anschuss»). Dafür werden speziell ausgebildete Schweisshunde eingesetzt, die der Blutspur folgen.

Jagdkritische Einordnung: Die Notwendigkeit der Nachsuche zeigt, dass Schüsse regelmässig nicht zum sofortigen Tod führen. Das angeschossene Tier leidet bis zur Nachsuche, die Stunden dauern kann. Wie häufig Nachsuchen scheitern oder wie lange Tiere verletzt umherirren, wird statistisch kaum erfasst.

Beutegreifer

Definition: Wildtierarten, die andere Tiere als Nahrung aktiv erjagen. In der Schweiz zählen dazu Wolf, Luchs, Braunbär sowie kleinere Arten wie Fuchs, Dachs, Iltis, Marder und Greifvögel.

Jagdkritische Einordnung: Beutegreifer sind ökologisch essenziell: Sie regulieren Wildtierbestände natürlich, selektieren schwache Tiere und fördern die Biodiversität. Die Jagdlobby bezeichnet sie als Konkurrenz und Bedrohung; die Naturwissenschaft sieht sie als Schlüsselart für gesunde Ökosysteme.

Herdenschutz

Definition: Gesamtheit der Massnahmen zum Schutz von Nutztieren vor Beutegreifern. Umfasst Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Nachtpferche und Hirtenbegleitung.

Jagdkritische Einordnung: Wissenschaftliche Studien belegen: Herdenschutz ist wirksamer als Wolfsabschüsse. Korrekt installierte Elektrozäune reduzieren Risse um 58–100 Prozent. Die Schweiz subventioniert Herdenschutz, setzt aber gleichzeitig auf Wolfsabschüsse – eine widersprüchliche Politik.

Herdenschutzhund

Definition: Speziell für den Herdenschutz ausgebildete Hunderasse, die Nutztierherden vor Beutegreifern bewacht. In der Schweiz verbreitete Rassen sind Patou (Pyreänenberghund), Kangal und Maremmano-Abruzzese.

Jagdkritische Einordnung: Herdenschutzhunde sind eine wirksame, nicht-tödliche Schutzmassnahme. Der Einsatz senkt Nutztierrisse im Schnitt um 76 Prozent. Konflikte entstehen, wenn Wandernde oder Hunde der Öffentlichkeit auf Alpen mit ungeführten Herdenschutzhunden treffen – ein Managementproblem, kein Argument gegen die Methode.

Wildhüter

Definition: Staatlich angestellte Fachperson, die Wildtiere und deren Lebensräume überwacht, Wildtierschäden aufnimmt, Wilderei verfolgt und behördlich angeordnete Regulierungsabschüsse vornimmt.

Jagdkritische Einordnung: Wildhüter sind professionell ausgebildete Fachleute ohne wirtschaftliches Eigeninteresse an der Jagd. Das Genfer Modell zeigt, wie staatliches Wildtiermanagement durch Wildhüter ohne private Hobby-Jagd funktioniert – mit positivem Ergebnis für Biodiversität und Wildtierpopulationen.

Leittier

Definition: Erfahrenes Tier, das eine Gruppe oder Herde anführt und deren Verhalten, Wanderrouten und Sozialstruktur prägt. Bei Hirschen ist es oft eine erfahrene Hirschkuh, bei Wildschweinen die Leitbache.

Jagdkritische Einordnung: Der Abschuss von Leittieren zerstört soziale Strukturen und führt bei Wildschweinen nachweislich zu erhöhter Reproduktion – das Gegenteil des beabsichtigten Regulierungseffekts. Der gezielte Abschuss von Leitbachen ist in vielen Kantonen dennoch übliche Praxis.

Leitbache

Definition: Die dominante, erfahrene Wildschweinbache (weibliches Wildschwein), die eine Rotte anführt. Sie gibt Wanderrouten, Sozialstrukturen und Wissen über Lebensräume weiter.

Jagdkritische Einordnung: Der Abschuss von Leitbachen gilt in der Jagd als «strategisch», hat aber oft den gegenteiligen Effekt: Der Zusammenbruch der Sozialstruktur führt zu mehr Streuung, höherer Reproduktionsrate und damit zu mehr Wildschweinen statt weniger.

Abschussplanung

Definition: Festlegung der jährlichen Abschusszahlen für jagdbare Tierarten nach Art, Alter und Geschlecht durch Jagdbehörden und Jagdvereine. Dient der Bestandsregulation.

Jagdkritische Einordnung: Abschusspläne werden oft von Behörden in Zusammenarbeit mit Jagdverbänden erstellt – ein Interessenkonflikt. Unabhängige wissenschaftliche Kontrolle ist die Ausnahme. Die Grenze zwischen ökologisch notwendiger Regulierung und jagdwirtschaftlichem Interesse ist häufig unscharf.

Jagdpatent

Definition: Staatlich ausgestellte Jagdlizenz, die zum Abschuss bestimmter Wildtierarten in einem definierten Gebiet und Zeitraum berechtigt. Voraussetzung ist eine bestandene Jägerprüfung.

Jagdkritische Einordnung: Das Jagdpatent ist die formale Legitimation der Hobby-Jagd. Die Prüfungsanforderungen variieren stark zwischen den Kantonen; eine einheitliche, strenge Mindeststandard-Regelung fehlt.

Jagdgesetz

Definition: Das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (JSG) regelt auf nationaler Ebene, welche Tierarten jagdbar und welche geschützt sind. Das revidierte JSG trat am 1. Februar 2025 in Kraft.

Jagdkritische Einordnung: Die Revision von 2025 erleichtert die präventive Wolfsregulation – also Abschüsse vor Entstehung konkreter Schäden. Naturschutzorganisationen kritisieren dies als unverhältnismässigen Eingriff in eine sich erholende Population.

Schonzeit

Definition: Gesetzlich festgelegte Zeiträume, in denen bestimmte Tierarten nicht bejagt werden dürfen – in der Regel während der Fortpflanzungs- und Aufzuchtzeit.

Jagdkritische Einordnung: Schonzeiten schützen Jungtiere und tragende Weibchen. In der Praxis wird kritisiert, dass Schonzeiten häufig politisch verhandelt werden und nicht ausschliesslich nach biologischen Kriterien festgelegt sind.

Waidgerechtigkeit

Definition: Aus dem Mittelhochdeutschen stammender Jagdbegriff, der eine Gesamtheit von Regeln, Traditionen und ethischen Grundsätzen beschreibt, die Jägerinnen und Jäger im Umgang mit Wildtieren befolgen sollen.

Jagdkritische Einordnung: «Waidgerechtigkeit» ist ein von der Jagdlobby gepflegter Begriff, der Hobby-Jagd ethisch legitimieren soll. Er ist im geltenden Tierschutzrecht nicht verbindlich definiert und dient oft als Gegenbegriff zu gesetzlich geregelten Tierschutzstandards.

Hochwild

Definition: Traditioneller Jagdbegriff für grössere, jagdlich begehrte Wildtierarten wie Rothirsch, Damhirsch, Elch, Wildschwein, Gemse, Steinbock und Wolf.

Jagdkritische Einordnung: Der Begriff «Hochwild» stammt aus einer feudalen Jagdtradition und spiegelt eine hierarchische Wertung von Wildtieren nach jagdlichem Prestige wider, nicht nach ökologischer Bedeutung.

Niederwild

Definition: Jagdbegriff für kleinere Wildtierarten wie Hase, Fuchs, Dachs, Fasan, Rebhuhn, Waldschnepfe und andere.

Jagdkritische Einordnung: Viele Niederwildarten sind in der Schweiz stark im Rückgang begriffen. Das Rebhuhn steht seit 1988 unter Jagdmoratorium. Dass Jagddruck zum Rückgang von Niederwildarten beiträgt, wird von der Jagdlobby selten eingestanden.

Trophäenjagd

Definition: Jagd mit dem primären Ziel, besondere Körperteile erlegter Tiere (Geweih, Hörner, Fell, Schädel) als Sammelstücke oder Statussymbole zu behalten.

Jagdkritische Einordnung: Trophäenjagd wird auch von Teilen der Jägerschaft kritisiert, weil sie die Jagd von Fleischgewinnung oder Regulierung entkoppelt und das Töten als Selbstzweck sichtbar macht. Psychologische Studien sehen Zusammenhänge zwischen Trophäenjagd, Statuspräsentation und Dominanzmotiven.

Fallenjagd

Definition: Einsatz von Fallen (Lebendfallen, Totschlagfallen) zum Fang oder Töten von Wildtieren. In der Schweiz ist der Einsatz von Fallen gesetzlich reguliert, viele Fallentypen sind verboten.

Jagdkritische Einordnung: Fallen sind unselektiv – sie können auch Nichtzielarten, Haustiere und geschützte Tiere fangen. Fallenopfer können stundenlang leiden, bevor sie gefunden werden. Der Tierschutz fordert konsequentere Kontrollen und ein breiteres Fallenverbot.

Nachtsichtgerät

Definition: Optisches Hilfsmittel, das Wärme- oder Restlichtsignale verstärkt und Jagd bei Nacht oder schlechten Sichtbedingungen ermöglicht. Umfasst Wärmebildkameras und Restlichtverstärker.

Jagdkritische Einordnung: Der Einsatz von Nachtsichtgeräten in der Jagd ist in der Schweiz reguliert, in manchen Kantonen verboten. Der Einsatz erhöht das Sicherheitsrisiko, da die Identifikation von Zielobjekten erschwert wird – ein Faktor bei tödlichen Jagdunfällen.

Bleimunition

Definition: Jagdmunition mit Geschossen aus Blei oder bleihaltigem Material. In der Schweiz und vielen europäischen Ländern zunehmend eingeschränkt oder verboten, weil abgegebene Bleisplitter in Wildtierfleisch und die Umwelt gelangen.

Jagdkritische Einordnung: Bleimunition vergiftet Aasfresser (Adler, Milane, Raben), die in erlegten Tieren verbliebene Bleisplitter aufnehmen. Studien zeigen: In Wildbret aus Bleibeschuss können bedenkliche Bleirückstände in der Nahrungskette verbleiben.

Bleischrot

Definition: Kleine Bleikugeln in Schrotpatronen, die für die Vogeljagd und Niederwildjagd eingesetzt werden. In Europa für die Jagd auf Gewässern und in Feuchtgebieten verboten wegen Vergiftungsgefahr für Wasservögel.

Jagdkritische Einordnung: Wasservögel nehmen Bleischrot vom Gewässergrund als Magensteine auf und vergiften sich. Das Verbot von Bleischrot auf Gewässern ist ein erster Schritt – Tierschutzorganisationen fordern ein vollständiges Verbot in der Jagd.

Wildwechsel

Definition: Regelmässig genutzte Wanderrouten von Wildtieren zwischen Einstandsgebieten, Nahrungsquellen und Wasserstellen. Erkennbar an Trampelpfaden, Haarspuren und Kotmarkierungen.

Jagdkritische Einordnung: Wildwechsel werden von Jägerinnen und Jägern systematisch für Ansitzjagd und Fallen genutzt. Das Wissen über Wildwechsel dient primär der Jagd, nicht dem Schutz der Tiere. Wo Wildwechsel durch Infrastruktur unterbrochen wird, entstehen Todesfallen.

Wildkorridor

Definition: Vernetzter Lebensraumkorridor, der Wildtieren die Wanderung zwischen isolierten Habitaten ermöglicht. Schützt genetische Vielfalt und ermöglicht Ausbreitung von Populationen.

Jagdkritische Einordnung: Wildkorridore sind essenziell für die Artenerhaltung. Das revidierte Jagdgesetz von 2025 stärkt nominell Wildtierkorridore – doch gleichzeitig werden mehr Wölfe abgeschossen, die ebenfalls Korridore für die Ausbreitung nutzen.

Wildbrücke

Definition: Speziell gestaltete Über- oder Unterführung für Wildtiere an Strassen und anderen Infrastrukturbarrieren. Stellt Wildkorridore wieder her und reduziert Wildunfälle im Strassenverkehr.

Jagdkritische Einordnung: Wildbrücken zeigen: Wenn Gesellschaft und Politik wollen, kann Wildtierschutz konkret umgesetzt werden. Gleichzeitig werden Wildbrücken manchmal auch jagdlich genutzt – ein Widerspruch zu ihrem Schutzgedanken.

KORA

Definition: Stiftung «Raubtierökologie und Wildtiermanagement», vom Bund beauftragt mit dem Monitoring von Wolf, Luchs, Braunbär und Goldschakal in der Schweiz. Erstellt wissenschaftliche Grundlagen für Managemententscheide.

Jagdkritische Einordnung: KORA liefert die wissenschaftlichen Daten, auf deren Basis Abschussentscheide getroffen werden. Die politische Nutzung dieser Daten durch Jagdbehörden entspricht nicht immer den wissenschaftlichen Empfehlungen.

BAFU

Definition: Bundesamt für Umwelt, zuständig für Vollzug des Jagdgesetzes auf Bundesebene, Genehmigung von Wolfsabschüssen und Förderung des Herdenschutzes. Dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) unterstellt.

Jagdkritische Einordnung: Das BAFU steht unter starkem politischem Druck von Jagd- und Landwirtschaftslobby. Kritik von Naturschutzorganisationen: Das BAFU genehmigt Wolfsabschüsse in einem Ausmass, das mit seinem gesetzlichen Auftrag zum Artenschutz schwer vereinbar ist.

BLW

Definition: Bundesamt für Landwirtschaft, zuständig für Agrarpolitik, Direktzahlungen und Tierhaltungsvorschriften. Koordiniert Subventionen für Herdenschutzmassnahmen gemeinsam mit dem BAFU.

Jagdkritische Einordnung: Das BLW vertritt primär landwirtschaftliche Interessen. Im Konflikt Wolf vs. Nutztierhalter steht es oft auf der Seite der Abschussbefürworter, auch wenn Herdenschutzdaten zeigen, dass Prävention wirksamer wäre.

Jagd Schweiz (Verband)

Definition: Dachverband der Schweizer Hobby-Jägerinnen und Jäger (offizieller Name: «JagdSchweiz»), der die Interessen seiner rund 30’000 Mitglieder gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit vertritt.

Jagdkritische Einordnung: JagdSchweiz ist ein einflussreicher Lobbyverband, der politischen Einfluss auf Jagdgesetzgebung, Wolfspolitik und öffentliche Kommunikation nimmt. Er definiert Jagd als «nachhaltiges Wildtiermanagement» – eine Rahmung, die wissenschaftlich kritisch hinterfragt werden muss.

Sonderjagd

Definition: Behördlich angeordnete Jagd ausserhalb der ordentlichen Jagdzeiten, z. B. zur Bekämpfung von Wildschäden in der Landwirtschaft, zur Bestandsregulation oder zur Entnahme von Problemtieren.

Jagdkritische Einordnung: Sonderjagden können von Kantonen flexibel angeordnet werden und entziehen sich damit der öffentlichen Kontrolle, die reguläre Jagdperioden begleitet. Naturschutzorganisationen fordern mehr Transparenz bei Sonderjagdbewilligungen.

Nachjagd

Definition: Nachsaison-Jagd auf bestimmte Tierarten nach Abschluss der Hauptjagdzeit. Dient meist der Erfüllung offener Abschussquoten oder der Regulation von Tierarten mit erhöhtem Vorkommen.

Jagdkritische Einordnung: Die Nachjagd verlängert die Jagdbelastung für Wildtiere in Jahreszeiten, in denen viele Arten bereits mit Winterstress oder beginnender Trächtigkeit belastet sind.

Hochjagd

Definition: Hauptjagdsaison in den Bergkantonen, in denen Patentjagd praktiziert wird. In Graubünden beginnt die Hochjagd Anfang September und sie dauert rund drei Wochen. Sie ist für viele Hobby-Jägerinnen und Jäger das Jahresereignis.

Jagdkritische Einordnung: Die Hochjagd in Graubünden mobilisiert jährlich Tausende Hobby-Jäger aus der ganzen Schweiz. Der Jagddruck auf Berggebiete ist in dieser Zeit extrem – mit nachweislichen Effekten auf Wildtierverhalten und Stresshormone.

Regulierung

Definition: Im Jagd- und Wildtiermanagement verwendeter Begriff für behördlich angeordnete oder genehmigte Eingriffe in Wildtierpopulationen durch Abschuss. Ersetzt zunehmend den Begriff «Jagd» in der offiziellen Kommunikation.

Jagdkritische Einordnung: «Regulierung» ist ein Euphemismus, der das Töten von Wildtieren durch bürokratisch-neutrale Sprache entpolitisiert. Der Begriff suggeriert wissenschaftliche Notwendigkeit, obwohl die ökologische Grundlage vieler «Regulierungen» schwach belegt ist.

Wilderei

Definition: Illegale Jagd ohne Berechtigung, in verbotenen Zeiten oder auf geschützte Tierarten. In der Schweiz strafbar nach Jagdgesetz und Strafgesetzbuch.

Jagdkritische Einordnung: Wilderei ist in der Schweiz ein reales Problem, wird aber statistisch kaum vollständig erfasst. Illegale Wolfsabschüsse werden selten entdeckt; die Strafverfolgung ist lückenhaft. Wilderei durch Hobby-Jäger (z.B. Abschuss ausserhalb der Saison) ist von mutwilliger Wilderei durch Kriminelle zu unterscheiden.

Jagdunfall

Definition: Unfall, der im Zusammenhang mit Jagdtätigkeiten passiert – durch Schusswaffen, Stürze, Abstürze oder andere Verletzungen. In der Schweiz jährlich rund 300 UVG-anerkannte Fälle, mit rund einem Todesfall pro Jahr (UVG-Statistik, erfasst nur Erwerbstätige).

Jagdkritische Einordnung: Die offiziellen Zahlen unterschätzen die reale Häufigkeit, weil pensionierte Hobby-Jäger, Selbstständige und andere nicht obligatorisch Versicherte nicht erfasst werden. Eine vollständige, öffentlich zugängliche Statistik aller jagdbezogenen Todesfälle und Verletzungen fehlt bis heute.

Waffengesetz

Definition: Das Schweizer Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition (WG) regelt Besitz, Erwerb, Handel und Einfuhr von Schusswaffen. Es wurde mehrfach revidiert, zuletzt im Zuge der Angleichung an EU-Recht.

Jagdkritische Einordnung: Hobby-Jäger erhalten durch ihre Jagdberechtigung privilegierten Zugang zu halbautomatischen Waffen und Munition. Tierschutz- und Sicherheitsorganisationen fordern eine konsequentere Überprüfung der psychischen Eignung von Waffenbesitzenden, auch und gerade bei Hobby-Jägern.