Wissenschaft

Wolf, Luchs und Bär würden Europa wählen!

WWF veröffentlicht Bericht zur Koexistenz mit grossen Beutegreifern.

WWF Deutschland und seine Projektpartner veröffentlichten die „European Perspectives on Coexistence with Large Carnivores“. Der Bericht zeigt Perspektiven von Menschen aus ganz Europa, deckt Chancen und Herausforderungen im Umgang mit großen Wildtieren auf und gibt Lösungsvorschläge für damit einhergehende Konflikte. 

Als Grundlage für den Bericht sind im Rahmen des EU LIFE-Projekts EuroLargeCarnivores von Juni bis Dezember 2018 Runde Tische und Interviews mit Landwirten, Forstwirten, Jägern, Naturschützern, Forschern, Vertretern von Behörden und Politikern in 14 Europäischen Ländern durchgeführt und zusammengefasst worden. Die Vertreter der wichtigsten Interessengruppen, die mit grossen Beutegreifern wie Bär, Luchs, und Wolf arbeiten und leben, formulieren klare Forderungen an Politik, Medien und Verbände: Umfangreiche und unbürokratische Unterstützung beim Schutz von Nutztieren vor Angriffen durch grosse Beutegreifer; praxistaugliche Kompensationsmechanismen im Schadensfall und umfangreiche, ehrliche, aktuelle und sachliche Information und verbesserte Kommunikationswege. Außerdem könnten regionale Plattformen zum besseren Austausch zwischen den verschiedenen Interessensgruppen beitragen und die Verständigung zu erfolgreichen  Ansätzen und Instrumenten zur Verhütung und Entschärfung von Konflikten verbessern.

„Wir hören ständig davon, dass weltweit jede Woche Arten verschwinden. Dank strenger Schutzbestimmungen kehren einstmals zurückgedrängte, teils vom Aussterben bedrohte Arten nach Europa zurück. Ich bin davon überzeugt, dass ein Zusammenleben funktionieren kann. Entscheidend für die Entschärfung von Mensch-Wildtier-Konflikten ist eine bessere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Interessengruppen, ein Blick über ideologische und nationale Grenzen hinaus.“

Moritz Klose, WWF-Referent für Wildtiere

Der WWF Deutschland fordert dazu – auch in Hinblick auf die anstehenden EU-Wahlen weiterhin ein klares Bekenntnis zu den europäischen Naturschutzrichtlinien und dem strengen Schutz grosser Beutegreifer: Sie sind Teil der europäischen Identität und bereichern unsere Ökosysteme. Ausserdem brauche es laut WWF eine Vereinfachung von Förder-Regularien: Zwar gäbe es die Möglichkeiten für die Mitgliedsstaaten und Bundesländer Herdenschutzmaßnahmen über EU-Mittel zu fördern, jedoch gäbe es hier zum Teil hohe bürokratische Hürden wie komplizierte Förderanträge- und Fristen oder Deckelung der Förderungssumme für einzelne Betriebe.

Hintergrund

Über Jahrhunderte waren grosse Beutegreifer in vielen Ländern Europas fast ausgestorben, doch insbesondere dank europäischer Naturschutzrichtlinien, kehren sie vielerorts zurück. Dort, wo sie sich (wieder) ausbreiten, werden schnell Rufe nach Obergrenzen, Schutzzonen und Abschüssen laut. Nach Schätzungen der Large Carnivore Initiative for Europe leben in der EU rund 14.000 Wölfe, 16.000 Bären, 9.000 Luchse und 800 Vielfraße, die sich über Ländergrenzen hinweg ausbreiten. Für Deutschland waren im letzten Jahr 75 Wolfsrudel, 30 Paare und 3 Einzeltiere bestätigt. Beim Luchs geht der WWF von rund 80 erwachsenen Tieren in Deutschland aus.

Informationen zum Projekt

In einigen europäischen Gegenden leben sie seit Jahrhunderten, in andere Länder kehren sie derzeit zurück: geschützte Beutegreifer wie Braunbär, Wolf, Luchs und Vielfrass. Das von der EU geförderte Projekt LIFE EuroLargeCarnivores setzt sich dafür ein, die gemeinsamen Lebensräume von Wildtieren und Menschen unter Berücksichtigung aller Interessen zu gestalten. Dafür vernetzen sich mehr als 16 Länder, bündeln das vorhandene Wissen und tauschen sich grenzübergreifend aus. 16 Partner unter Koordinierung des WWF Deutschland kooperieren mit zahlreichen Verbänden, Organisationen und Institutionen, um Konflikte in verschiedenen Regionen zu reduzieren und bestehende Ansätze europaweit bekannt zu machen.

Über den Bericht 

Der Bericht „European Perspectives on Coexistence with Large Carnivores“ (Englisch) hält die Perspektiven der verschiedenen Stakeholder, deren Beziehungen und die Heraus-forderungen sowie Lösungen, die sie identifiziert haben, fest. Dafür wurde ein Prozess mit weitreichender Stakeholder-Beteiligung entwickelt, der Befragungen und Workshops aus 14 Ländern und vier Schwerpunktgebieten beinhaltet: die Alpenregion (Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweiz, Slowenien, Kroatien), die Zentraleuropäische Region (Deutschland, Polen), die Region der Karpaten (Rumänien, Slowakei, Ukraine, Ungarn), die Iberische Region (Portugal, Spain). Der Bericht stellt erste Erkenntnisse der Zusammenarbeit vor und fasst regionale Perspektiven zum Management grosser Beutegreifer zusammen. Es beschreibt Herausforderungen und Lösungen auf dem regionalen Level um den Bestandsschutz zu verbessern und das Potential ökonomischer Verluste zu verringern. Ziel ist, diese Erkenntnisse zu nutzen, um die Koexistenz von Mensch und grossen Beutegreifern in Europa zu verbessern.

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