Wissenschaft

Was Hasen Bauchweh macht

Jüngste Forschungen in der Human- und Veterinärmedizin haben gezeigt, wie sehr das Mikrobiom, also die Zusammensetzung aller Mikrobiota im Darm, die Gesundheit ihres Wirtstieres beeinflussen. So ist beispielsweise bekannt, dass eine Vielzahl spezifischer Faktoren wie Alter, Geschlecht, Körperzustand, Genetik und Wirtsphylogenie die Mikrobiota in einem Individuum prägen.

Immer häufiger werden beim Europäischen Feldhasen Erkrankungen des Verdauungstrakts festgestellt. Der Grund sind oftmals Veränderungen der aus Mikroorganismen bestehenden Darmflora, dem sogenannten Mikrobiom. Über die Ursachen dafür war bisher wenig bekannt. Eine soeben erschienene Studie der Vetmeduni Vienna zeigt nun erstmals, dass für die Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien lebensraumbedingte Umweltfaktoren verantwortlich sein könnten.

Das Forschungsteam der Vetmeduni Vienna, welches aus Forschern des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie besteht, untersuchte im Rahmen der Studie Mikrobiota von drei verschiedenen Hasenpopulationen, die an unterschiedlichen Orten leben.

Umweltfaktoren beeinflussen die Darmflora von Hasen

Wie die Ergebnisse zeigen, haben die geographische Lage und damit potentiell verbundene Umweltfaktoren einen erheblich grösseren Einfluss auf die Zusammensetzung der Mikrobiota als Wirtsfaktoren. Dazu Studienleiterin Gabrielle Stalder: „Die vorliegende Pilotstudie ist von grosser wissenschaftlicher Bedeutung, da sich aus den Ergebnissen neue Hypothesen ableiten lassen, welche eine Erklärung dafür geben, welche Populationsschwankungen die Darmgesundheit bei Feldhasen zur Folge haben kann. Unser Ziel war es, eine breite Basis zu schaffen, um Hypothesen an der Schnittstelle von Darmgesundheit und Landnutzung in Bezug auf den Europäischen Feldhasen und potentiell anderer Arten zu generieren, die von einer schnellen Änderung oder intensiven Nutzung ihres Lebensraums betroffen sind. Dabei handelt es sich um Informationen, die bisher fehlten, aber sehr wichtig sind, um zu verstehen, wie sich Umweltfaktoren auf das Mikrobiom und damit auf die Gesundheit von Europäischen Feldhasen und generell von Wildtieren auswirken können.

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Der Europäische Feldhase – weit verbreitet, aber regional bedroht

Der Europäische Feldhase (Lepus europaeus) ist eine weit verbreitete und wichtige Wildtierart in ganz Europa. Trotz der Einstufung ihres Populationsstatus als „am wenigsten besorgniserregend“ durch die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN, International Union for Conservation of Nature) wurde in den letzten 50 bis 60 Jahren ein mancherorts signifikanter Populationsrückgang festgestellt, der zu einem „nahezu bedrohten“ oder „bedrohten“ Status auf nationalen Roten Listen führte. Eine Reihe von Faktoren wie ungünstige klimatische Bedingungen, Fressfeinde sowie mehrere Krankheitsepidemien haben zu dieser unerfreulichen Entwicklung beigetragen. Die wahrscheinlich grösste Bedrohung für diese Art ist jedoch die intensive moderne Landwirtschaft, gefolgt von der Jagd.

Die Fragmentierung von Lebensräumen, die Mechanisierung der Landwirtschaft, Monokulturen, die unvorhersehbare Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln sowie die Verwendung von Pestiziden und Düngemitteln könnten sich auf Arten wie den Europäischen Feldhasen besonders stark auswirken, da sie sich bei der Auswahl ihrer Nahrung auf wenige, sehr energiereiche Pflanzenarten beschränken. Darüber hinaus ist bekannt, dass Hasen sehr empfindlich auf Futterveränderungen und -ungleichgewichte reagieren, was eine Störung der Darmflora und Magen-Darm-Erkrankungen zur Folge hat, die sogar zum Tod führen können“, so Gabrielle Stalder.

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