Im heutigen Aleppo in Syrien haben Forscher Knochen einer aussergewöhnlichen Eselart ausgegraben.

Schon bevor domestizierte Pferde vor rund 4’000 Jahren in Mesopotamien eingeführt wurden, züchteten die Menschen dort Huftiere, die sie vor Kriegswagen und Pflüge spannten und für diplomatische und zeremonielle Zwecke einsetzten: sogenannte Kungas.

Im Laufe der Geschichte haben Pferde und weitere Equiden eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von Kulturen, aber auch der Kriegsführung gespielt. Ein rund 4’500 Jahre altes sumerisches Mosaik belegt, dass die Sumerer bereits zu dieser Zeit Kriegswagen auf dem Schlachtfeld nutzten, die von pferdeartigen Tieren gezogen wurden. Hauspferde wurden allerdings erst rund 500 Jahre später in dieser Region eingeführt. 

Genetische Untersuchungen zeigen, dass die 4500 Jahre alten Fossilien das bisher älteste bekannte Beispiel einer gezielten Tierzüchtung durch Menschen sind.

Die Archäologen vermuten, dass es sich dabei um die sagenumwobenen „Kungas“ handelt, eine seltene Eselart, wie sie in der Fachzeitschrift „Science Advances“ berichten. In Keilschrifttafeln aus der Zeit der Knochenfunde wird berichtet, diese Tiere seien von mesopotamischen Eliten sehr geschätzt worden, weil sie stark, stämmig und schnell waren.

Dass es sich dabei um Hybriden von domestizierten und Wildtieren handelte, nahm die Forschung bereits an. Nur um welche Arten es sich dabei handelte, war unbekannt. Genetiker haben nun zeigen können, dass es sich um Kreuzungen zwischen weiblichen Hauseseln und – heute ausgestorbenen – männlichen syrischen Wildeseln handelt.

Mesopotamier waren kluge Züchter

Es zeuge von einem hochentwickelten Zucht-Management, dass weibliche Hausesel ausgewählt wurden, berichten die Forscher. Denn diese domestizierten Mütter gewährleisteten eine problemlose Aufzucht der Kungas, während die Wildesel-Väter vermutlich notorisch störrisch waren.

Obwohl die menschlichen Züchter der ersten domestizierten Tiere diese immer wieder mit ihren wilden Verwandten gekreuzt haben müssen, ist dies das erste dokumentierte Beispiel eines halb wilden, halb domestizierten Tieres. Das Maultier – eine Kreuzung aus Pferd und Esel – ist möglicherweise das nächstälteste Tier dieser Art, aber es erschien erst über 1’000 Jahre später auf die Bildfläche.

So wertvoll, dass sie ein Begräbnis erhielten

Die Fossilien wurden 2006 in der 4500 Jahre alten königlichen Begräbnisstätte Umm el-Marra in Aleppo entdeckt. Aufgrund der Anordnung und Positionierung der Gräber vermuteten die Archäologen, dass es sich bei den Kreaturen um die mythischen Kungas handeln könnte.

Sie wurden als Individuen bestattet, was in der Archäologie eine Seltenheit ist, da tierische Überreste normalerweise einfach weggeworfen werden. Viele der Tiere scheinen auch geopfert worden zu sein, vermutlich um sich ihren Menschen im Jenseits anzuschliessen. „Diese Tiere müssen etwas ganz Besonderes gewesen sein„, sagt Eva-Maria Geigl, Genetikerin am Institut Jacques Monod in Paris.

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