Wissenschaft

Rindfleischerzeugung treibt Entwaldung stärker voran

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Eine Studie ergab, dass zwei der Hauptprodukte, die für Entwaldung sorgen, Rindfleisch und Soja sind, wobei letzteres für Tierfutter verwendet wird. 

Die EU als Nettoimporteur dieser Produkte sollte sich mit den Auswirkungen solcher Einfuhren auf die Umwelt und auf Tiere befassen, um die Kohärenz zwischen der EU-Handelspolitik und dem EU-Green Deal zu gewährleisten.

Laut einer Studie von Global Forest Watch stieg der Gesamtverlust an Tropenwäldern zwischen 2019 und 2020 insgesamt um 12 %. Die Landwirtschaft ist die Hauptquelle für die weltweite Entwaldung (40 %) und unter den Haupttreibern der Entwaldung ist Rindfleisch auf dem ersten Platz. Insgesamt ist Rindfleisch für 36 % aller landwirtschaftsbezogenen Waldersatzprodukte verantwortlich. Die enorme Verantwortung der Rindfleischindustrie beruht auf der Umwandlung von Wäldern in Viehweiden, die sich zwischen 2001 und 2015 auf 45,1 Millionen Hektar abgeholztes Land beliefen – eine Rate, die fünfmal höher ist als bei allen anderen analysierten Produkten. 

Soja steht in der Studie ebenfalls an zweiter Stelle, da es für die Zerstörung von 8,2 Millionen Hektar Wald zwischen 2001 und 2015 verantwortlich ist. Soja wird in grossem Umfang als Tierfutter hergestellt, insbesondere im Geflügel- (37 %) und Schweinebereich (20 %). Daher übersteigt die Rolle der gesamten Fleischindustrie bei der weltweiten Entwaldung die Rolle des Rindfleischsektors bei weitem.

Die Ergebnisse von Global Forest Watch sind zutiefst alarmierend, da die weit verbreitete Entwaldung deutliche Auswirkungen auf wild lebende Tiere und ihre Lebensräume hat und zum Aussterben von Arten führen kann, die nur in einer bestimmten Region existieren. 80 % der terrestrischen Arten leben in Wäldern, und die Welt ist derzeit dem sechsten grossen Massensterben von Arten ausgesetzt, das laut dem Bericht von Global Forest Watch hauptsächlich auf die Landwirtschaft zurückzuführen ist. Die Entwaldung ist auch eine Quelle vieler Wohlfahrtsbedenken. Mit der Zunahme von Waldbränden leiden Tiere – Wildtiere, aber auch Haustiere – und viele schaffen es nicht zu entkommen. Für die überlebenden Wildtiere sind viele vertriebene und leiden im Allgemeinen unter Hunger und sozialen Störungen.

Während die Brennpunkte der Entwaldung je nach Sektor unterschiedlich sind, konzentriert sich die Entwaldung im Zusammenhang mit der Rindfleischindustrie stark auf den Amazonas, in dem Millionen von Arten beheimatet sind. Allein in Brasilien, wo sich der grösste Teil des Amazonas befindet, stammte in den letzten zwanzig Jahren mehr als die Hälfte der Entwaldung für Weiden. Die Verantwortung der Landwirtschaft (einschliesslich des Rindfleischsektors) für die Entwaldung des Amazonas ist viel höher als in anderen Teilen der Welt und erreicht 2020 56 %, während die Landwirtschaft im Allgemeinen für 40 % der Entwaldung verantwortlich ist. 

In Anbetracht der Tatsache, dass die durch die Landwirtschaft verursachte Entwaldung dauerhaft ist (während sich Gebiete, die unter der durch Brände verursachten Entwaldung leiden, möglicherweise regenerieren), ist es für die EU dringend erforderlich, ihre nachhaltige Agenda aufrechtzuerhalten. Der Mercosur ist bereits der grösste Rindfleischlieferant in der EU und macht 73 % der gesamten EU-Rindfleischimporte aus. Wenn das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur in seiner jetzigen Form umgesetzt würde, würden die Rindfleischimporte zwischen 30 % und 64 % steigen. Der Ambec-Bericht – die von der französischen Regierung in Auftrag gegebene Wirkungsstudie – kam zu dem Schluss, dass das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur in den sechs Jahren nach seinem Inkrafttreten nochmals 25 % der Entwaldung im Amazonasgebiet verursachen würde. 

Die im Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur vorgesehene bedingungslose Liberalisierung tierischer Erzeugnisse würde die Intensivierung der Tierhaltung fördern, was nicht nur den Tierschutz äusserst beeinträchtigt, sondern auch in hohem Masse zur Entwaldung beiträgt. 

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