Vom 28. auf den 29. Januar 2020 gerieten zwei Frischlinge in der Nähe von Prag in eine Wildschwein-Falle.

Doch nach zwei Stunden und 6 Minuten traf eine Gruppe von acht Wildschweinen unter Führung einer grossen Bache am Fangplatz ein. In einer gemeinsamen Aktion schoben die Wildtiere die Balken beiseite, die den Käfig verriegelten, und befreiten so die Frischlinge nach 29 Minuten, wobei die erste erfolgreiche Entfernung eines Baumstammes nach 6 Minuten erfolgte.

Die Falle wurde zu Beobachtungszwecken wegen der Afrikanischen Schweinepest im Nationalen Naturreservat Voděradské Bučiny aufgestellt. Die Frischlinge wurden von leckeren Maiskolben in den Verschlag gelockt. Nachdem beide in dem Käfig waren, lösten sie den Verschluss aus und waren gefangen.

Als die anderen Wildschweine eintrafen, bearbeiteten sie sofort den Verschluss, so als wäre ihnen die Funktionsweise der Käfigfalle bekannt. Die führende Bache baute sich wie zum Angriff auf und stürmte mit gebeugtem Rücken und aufgerichteter Mähne auf den ersten Balken zu. Als der sich gelockert hatte, widmete sie sich dem zweiten.

Die grosse Flucht

Von 21:00 bis 21:04 Uhr wurde laut Wildkamera die kurze Anwesenheit von vier Wildschweinen in der Nähe der Käfigfalle festgestellt. Die Wildschweine bewegten sich insgesamt 4 Minuten lang im hinteren und seitlichen Bereich der Falle und verliessen anschliessend den Fangplatz.

Die Wildkamera wurde um 23:02 Uhr erneut ausgelöst, als zwei Wildschweine unbekannten Geschlechts ausserhalb der Falle sich bewegten: ein Frischling (JWB) und ein etwas grösseres, aber nicht ausgewachsenes Individuum (SWB). Beide bewegten sich entlang der linken Seite der Falle und um 23:06 Uhr betrat JWB die Falle (Abbildung 2a). JWB wurde 15 Minuten lang beobachtet, wie er den Mais in der Falle frass, während SWB draussen blieb. Um 23:21 Uhr betrat SWB die Falle und löste den Türmechanismus aus, wodurch sowohl JWB als auch SWB in der Falle eingeschlossen wurden.

Von diesem Zeitpunkt an wurden die gefangenen SWB und JWB dabei beobachtet, wie sie rannten, sich aktiv im Käfig bewegten und sich gegen die Wände des Käfigs stemmten/lehnten (Abb. 2b) und Anzeichen von Not zeigten. Um 23:58 Uhr wurden zwei Wildschweine beobachtet, die in der Ferne an der Falle vorbeigingen.

Um 01:27 Uhr traf ein Rettungs-Kommando am Fangplatz ein, darunter eine Bache (FWB) und sieben subadulte Wildschweine unbekannten Geschlechts, die eine ähnliche Grösse wie SWB hatten. FWB und fünf subadulte Wildschweine zeigten sofort Interesse an dem Baumstamm, der die Eingangstür sicherte, betrachteten ihn und berührten ihn mit ihrer Schnauze (Abb. 2c). Anschliessend verteilte sich die Gruppe um die Falle herum und blieb maximal 2 Meter von ihr entfernt.

Um 01:31 Uhr stellte sich die FWB mit sichtbar aufgerichteter Mähne vor die Falle und zeigte deutliche Anzeichen von emotionalem Stress (Abb. 2d). Um 01:34 Uhr stürmte FWB gegen den vorderen Baumstamm, wobei sie den Kopf in einer Haltung mit gebeugtem Rücken und aufgerichteter Mähne hielt (Abb. 2e). Um 01:36 Uhr wurde das rechte Ende des vorderen Stammes ausgehebelt, während das linke Ende an seinem Platz blieb. Anschliessend bewegte sich FWB zum hinteren Baumstamm, der die hintere Tür sicherte, und wandte sich der Seite der Tür zu (Abb. 2f).

Um 01:40 Uhr war der vordere Stamm vollständig entfernt und die vordere Tür war leicht geöffnet. Die Tür kann nur geöffnet werden, wenn ein Wildschwein von innen dagegen stösst. Obwohl in Abb. 2g SWB und die JWB mit dem Gesicht zur Tür abgebildet waren und möglicherweise gegen die Tür stürmten, blieben sie für weitere 15 Minuten gefangen.

Das letzte Foto wurde um 01:56 Uhr aufgenommen, und da es keine weiteren Bewegungen vor der Kamerafalle gab und somit keine weiteren Fotos aus dieser Nacht verfügbar waren, wird die Zeit 01:56 Uhr als das Ende der Flucht betrachtet. Das letzte Foto dokumentiert den JWB im Inneren der Falle mit leicht geöffneter Vordertür, vollständig entferntem vorderen Stamm und entferntem linken Ende des hinteren Stammes (Abb. 2h). JWB und SWB waren durch den Spalt in der Tür entkommen und mit dem Rest der Rotte aus dem Blickfeld der Kamerafalle verschwunden. Die Falle wurde am Morgen leer vorgefunden (Abb. 2i).

Während der gesamten Befreiung war die Bache emotional erregt, zu erkennen an den aufgestellten Haaren. Die Forscher nehmen an, dass die Bache ihre Rotte dazu brachte, die beiden im Käfig befindlichen Ferkel zu retten, und zwar aus Empathie heraus. Ihr aufgestelltes Fell deutet auf eine physiologische Erregung des Weibchens hin, weil sie andere in Not sieht, so die Forscher in ihrer Studie. Dazu blickte sie die gefangenen Ferkel häufig an, auch ein Zeichen einer „emotionalen“ Beziehung.

Das Mitgefühl der Bache hat zu einer erstaunlichen Folge von Ereignissen geführt. Die Rotte brach zur Befreiung auf, war in der Lage arbeitsteilig die Balken zu entfernen und so ihre Artgenossen zu befreien.

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