Wissenschaft

Jäger verbreiten Krankheiten

Die sinnlosen, grausamen und gefährlichen Jagden der Hobby-Jäger müssen endlich abgeschafft werden, um Kosten, nicht nur im Gesundheitswesen, zu sparen.

Indemini – Und wieder wurde in einer Studie bewiesen: wer Angst vor Krankheiten wie der Lyme-Borreliose oder dem sogenannten Fuchsbandwurm hat, sollte sich mit aller Deutlichkeit gegen die Jagd aussprechen. Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen. Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien belegen.

Jägerinnen und Jäger helfen also nicht bei der Erkennung und Bekämpfung von Wildtierkrankheiten und Seuchen. Sie schützen somit auch keine Nutz- und Haustiere sowie Menschen, sondern bringen diese sogar in Gefahr. Hobby-Jäger sind generell in allen Bereichen immer auch die eigentlichen Mitverursacher etwaiger Probleme.

Hobby-Jäger sind eine gesellschaftliche Plage. Gerade in einem dicht besiedelten Gebiet, ist die Einführung eines zeitgemässen Wildtiermanagement erwünscht, um wieder Recht und Ordnung zu etablieren. Weniger Amateur-Jäger sind eine hohe Garantie für weniger Dichtestress (Burnout usw.) für die Wildtiere. Entstresste Wildtiere sind weniger krankheits- und verhaltensauffällig, eigentlich genau gleich wie bei den Menschen auch. 

Im flächenmässig fast doppelt so grossen Kanton Waadt (3’212 km²) sind zum Beispiel über 50 % weniger Amateur-Jäger unterwegs, als im Kanton Zürich (1’729 km²).

Mit der laufenden Verbreitung von Echinococcus multilocularis in Europa suchen Gesundheitsbehörden die effektivste Lösung, um die Bevölkerung zu schützen. Die Fuchsjagd der Hobby-Jäger ist dabei ein Werkzeug welches – angeblich laut dem Jägerlatein einen gesunden Wildtierbestand garantiert – zu einem Pseudo-Gesundheitsmanagement mutierte.

In einer Studie aus Frankreich wurde 4 Jahre lang wissenschaftlich untersucht, ob die Jagd als Massnahme gegen den Fuchsbandwurm (bzw. zum Schutz der Menschen vor einer Ansteckung) sinnvoll ist. Dafür wurde in einem knapp 700 Quadratkilometer grossen Gebiet bei der Stadt Nancy die Jagd auf Füchse deutlich intensiviert. 1700 Stunden wurden in der Nacht auch von Autos heraus Füchse beschossen, was zu einem Anstieg der Jagdstrecke um 35 % geführt hat. Dieses Gebiet wurde anschliessend mit einem anderen Gebiet ohne intensivierte Jagd verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig:

  1. Die Fuchspopulation wurde durch die drastisch intensivierte Bejagung im Testgebiet NICHT verringert.
  2. Der Fuchsbandwurm breitete sich im intensiv bejagten Testgebiet aus, anstatt reduziert zu werden: Die Befallsrate stieg sogar von 40 % auf 55 % deutlich an, während sie im Vergleichsgebiet im gleichen Zeitraum konstant blieb.
  3. Anstelle der offensichtlich nicht nur sinnlosen, sondern sogar kontraproduktiven Jagd, die laut Studie zudem sehr zeitintensiv, kostenintensiv und ökologisch sowie ethisch fragwürdig ist, wird im Bedarfsfall die Behandlung von Füchsen mit Entwurmungsködern empfohlen. Wie andere Studien (z. B. aus dem Landkreis Starnberg) eindrucksvoll gezeigt haben, können diese Entwurmungsköder die Befallsrate von Füchsen mit dem Fuchsbandwurm effektiv auf nahezu Null Prozent senken.

Abriss der Original Studie:

With the ongoing spread of Echinococcus multilocularis in Europe, sanitary authorities are looking for the most efficient ways of reducing the risk for human populations. Fox culling is one particular tool that has recently shifted from predation control to population health management. Our study aims to assess the effectiveness of this tool in limiting E. multilocularis prevalence in fox populations in France. During four years, a culling protocol by night shooting from cars was implemented around the city of Nancy (eastern France) representing ∼1700 h of night work and ∼15,000 km driven. The 776 foxes killed represented an overall increase of 35% of the pressure on the fox population over 693 km2. Despite this consequent effort of culling, not only did night shooting of foxes fail to decrease the fox population, but it resulted in an increase in E. multilocularis prevalence from 40% to 55% while remaining stable in an adjacent control area (585 km2). Though no significant change in age structure could be described, an increase in immigration and local recruitment is the best hypothesis for population resilience. The increase in prevalence is therefore considered to be linked to a higher rate of juvenile movement within the culled area shedding highly contaminated faeces. We therefore advocate managers to consider alternative methods such as anthelmintic baiting, which has been proven to be efficient elsewhere, to fight against alveolar echinococcosis.

Die Veröffentlichung der neuen Studie trägt die passende Überschrift „Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm“:

Eine ähnliche Studie hat erst vor kurzem gezeigt, dass die Bejagung von Füchsen die Ansteckungsgefahr mit der Lyme-Borreliose durch Zecken erhöht.

Mit diesen beiden Veröffentlichungen haben wir nun zwei weitere aktuelle wissenschaftliche Studien, die klar belegen, dass die Bejagung von Füchsen Krankheiten nicht bekämpft, sondern deren Ausbreitung und das Risiko einer Ansteckung (auch für Menschen) erhöht. Die Fuchsjagd dient somit keinesfalls dem Allgemeinwohl, wie Hobby-Jäger dies fälschlicherweise immer wieder behauptet, sondern stellt vielmehr eine erhebliche Gesundheitsgefahr für Menschen und Tiere dar.

Mehrwert

Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.