Das Zusammenleben der Menschen mit grossen wilden Säugetieren wie Wölfen, Hirschen oder Wildschweine war seit jeher nicht unproblematisch.

Wildtiere können eine Bedrohung für Nutztiere sein – das Verhältnis Wolf und Schaf ist ein gutes Beispiel. Oder Wildtiere wie Wildschweine: Sie fressen Felder kahl und bedrohen die Ernte. Intensive Jagd hat über Jahrhunderte zu unverhältnismässigen Eingriffen in Wildtier-Populationen geführt. Doch wie bedeutend ist der negative Einfluss der Hobby-Jäger auf das Überleben grosser Wildtiere? Welche Rolle spielen im Gegensatz dazu biologisch-physikalische Einflüsse wie Witterungsbedingungen, Krankheiten und Populationseinbrüche durch Nahrungsmangel? Dazu gab es bisher kaum wissenschaftliche Erkenntnisse.

Diesen Fragen sind Wissenschaftler in einer gross angelegten Studie nachgegangen. Die Ergebnisse wurden aktuell im renommierten wissenschaftlichen Fachjournal „iScience“ veröffentlicht.

In der Tat zeigen viele Studien auf feiner Skala, dass das Vorhandensein oder die Habitatnutzung von grossen Säugetieren hauptsächlich durch die Nähe zu menschlicher Infrastruktur wie Wegen, Strassen oder Städten negativ beeinflusst wird.

Darüber hinaus zeigen Studien, dass Arten oft gezwungen sind, sich durch zeitliche Segregation an die Nähe des Menschen anzupassen (z. B. werden die Tiere hauptsächlich nachts aktiv).

Auch wenn europäische Schutzgebiete im Durchschnitt einen geringeren menschlichen Fussabdruck aufweisen, sind sie nicht frei von menschlichen Störungen. Tatsächlich erlauben die meisten europäischen Schutzgebiete die Tötung grosser Pflanzenfresser sowie die Beweidung mit Vieh, extensive Landwirtschaft und Forstwirtschaft.

Doch wie geht es den kleinen Säugetierarten im Zusammenleben mit dem Menschen? Wie dramatisch sind Populationseinbrüche durch Habitatverluste und immer enger werdende ökologische Nischen? Während grosse charismatische Arten wie Wölfe und Luchse im Mittelpunkt des Interesses der Naturschützer stehen und Medienstars sind, leben kleine Säugetierarten wie Feldhamster und Mopsfledermaus eher im Verborgenen und werden deshalb leicht zu Verlierern. Die grossen, charismatischen Wildtiere haben es einfacher, gesehen zu werden.

Das Zusammenleben ist eine Herausforderung. Europa ist dicht besiedelt und eine durch den Menschen stark veränderte Landschaft; deshalb können wir nur gemeinsam mit Land- und Forstwirten, Flächeneignern, Praktikern und Politikern mit einem effektiven Wildtiermanagement zu positiven Ergebnissen kommen„, betont Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Studie: Coexistence of large mammals and humans is possible in Europe’s anthropogenic landscapes

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