Wildtiere

Zusammenfassung der Wolf-Situation im Kanton Schwyz

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Der Situationsbericht über den Wolf im Kanton Schwyz blickt auf das Jahr 2020 zurück.

Der vorliegende Situationsbericht blickt auf das vorangegangene Jahr zurück. Das erste Halbjahr 2020 verlief wie das Vorjahr ruhig. Im zweiten Halbjahr kam es zu zwei zeit- und gebietsnahen Übergriffen von Wölfen auf Nutztiere. Es folgten nur sporadische, nicht kontrollierbare Hinweise.

Insgesamt gingen 8 Meldungen zu angeblichen Hinweisen einer Wolfspräsenz bei der Wildhut ein. Davon konnten 2 näher untersucht werden. Über das ganze Jahr und nur im äusseren Kantonsteil wurden 5 DNA-Proben analysiert, um zwei Risse zu untersuchen und eine Wolfspräsenz nachzuweisen. Der Verdacht auf Wolf wurde in 4 Fällen damit bestätigt. Die fünfte Probe war nicht auswertbar. Dank der Individualanalyse konnte zum ersten Mal im Kanton Schwyz der Wolf M107 identifiziert werden. Der Wolfsrüde mit italienischer Abstammung wurde letztmals im August 2019 im Kanton Wallis festgestellt. Bereits Mitte August konnte die Präsenz eines Wolfes gleicher Abstammung im Gemeindegebiet Schübelbach anhand einer Kotprobe nachgewiesen werden.

Die Einsatzzentrale der Kantonspolizei Schwyz (KAPO) löste sechsmal aufgrund von 4 Wolfsichtungen und 2 Übergriffen auf Nutztiere den SMS-Alarm aus. Im Kanton Schwyz muss jederzeit und überall mit dem Auftauchen von Wölfen gerechnet werden.

Seit 1995 wandern in der Schweiz wieder einzelne Wölfe aus Italien ein, wo die Art nie ausgestorben war und sie seit 1975 unter Schutz steht. Der Wolf ist sehr mobil und anpassungsfähig und kann unterschiedliche Habitate besiedeln. Grundsätzlich bevorzugt er aber von Menschen wenig gestörte Lebensräume und hält sich vor allem dort auf, wo seine Hauptbeutetiere Rothirsch, Reh, Gämse und Wildschwein leben.

In folgenden 20 Kantonen wurden seit der Wiedereinwanderung (1995) diese Wildtiere nachgewiesen: Aarau, Appenzell Ausserrhoden, Bern, Freiburg, Glarus, Graubünden, Luzern, Neuenburg, Nidwalden, Obwalden, St. Gallen, Schwyz, Solothurn, Thurgau, Tessin, Uri, Waadt, Wallis, Zug und Zürich.

Genetische Untersuchungen in der Schweiz

Die Anwesenheit eines Wolfes in einem bestimmten Gebiet belegen vor allem genetische Proben wie Kot oder Speichel, sichergestellt an gerissenen Tieren. Die genetische Analyse erlaubt die Bestimmung der Art des Raubtieres und je nach Qualität der Probe lassen sich auch Geschlecht und Identität eines Wolfes bestimmen. Dadurch kann man die minimale Anzahl Wölfe, die in der Schweiz leben, feststellen und ihre Wanderungen dokumentieren. Genetisch individuell identifizierte Tiere sind je nach Geschlecht mit dem Buchstaben M (Männchen) oder F (Weibchen) sowie einer Laufnummer gekennzeichnet. Vom Oktober 2018 bis September 2020 wurden in der Schweiz insgesamt 87 Wölfe (37 Weibchen und 50 Männchen) genetisch individuell identifiziert.

Genetische Untersuchungen im Kanton Schwyz

Seit 2014 wurden im Kanton Schwyz 4 Wolfsrüden (M) durch die genetische Individualanalyse identifiziert. Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die Wölfe M43 und M52 aus dem Calanda Rudel stammen. Die Präsenz des hinzugekommenen M107 wurde zum ersten Mal im Juli 2019 im Wallis dokumentiert. Diese Wölfe und die übrigen Wolfsnachweise in der Schweiz sind ausschliesslich italienischer Herkunft.

Weitere DNA-Proben wurden im Sommer an einem Schafskadaver und im Zusammenhang mit einem Kotfund gesichert. Die Analyse der Probe des toten Tieres ergab kein eindeutiges Resultat. Die Kotprobe stammte von einem Wolf mit italienischer Herkunft. Das Individuum konnte nicht bestimmt werden. Die Kosten für eine genetische Analyse belaufen sich auf Fr. 550.- und werden vollumfänglich vom Bund übernommen.

Wölfe leben nomadisch in Rudel innerhalb eines festen Streifgebietes. Die Rudelgrösse schwankt im Jahresverlauf und liegt meist bei vier bis sechs Tieren, das Elternpaar und dessen Nachwuchs aus einem oder zwei Jahren. Die Reviere umfassen in Mitteleuropa, je nach Beutedichte, eine Fläche von etwa 200 km2.

Einfluss der Wölfe auf den Wildbestand

Aufgrund der durchgeführten Frühjahreszählungen im Kanton Schwyz sind einerseits keine quantifizierbaren Aussagen über den Einfluss der Wölfe auf die (Schalen-)Wildbestände möglich. Andererseits konnte im Jahr 2019 die höchste Rotwildstrecke (508 Tiere) in der Geschichte des Kantons Schwyz realisiert werden. 2020 lag die Zahl der erlegten Rothirsche auf der Jagd weiterhin auf hohem Niveau (489). Rotwild gilt als Hauptbeutetier des Wolfes. Offensichtlich führte bis anhin die Präsenz des Wolfes zu keiner Schmälerung des Wildbestandes und des Jagderfolges. Gestützt auf Raumnutzungsstudien kann die andauernde Präsenz von Wölfen in einem Gebiet zu einem anderen Raumnutzungsverhalten seiner Beutetiere führen. Das Schalenwild meidet Freifläche und verändert ihre Einstände, Setzorte und Äsungsfläche. Dieser Effekt konnte im Kanton Schwyz bis anhin nicht beobachtet werden.

Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen

Der Wolf ist ein scheues und misstrauisches Tier und lebt zurückgezogen. Angriffe auf Menschen sind extrem selten und nur unter speziellen Umständen möglich. Mit Tollwut erkrankte oder in die Enge getriebene Wölfe können gefährlich werden. Mit dem Anfüttern der Tiere geht ihr natürliches Misstrauen und die Distanz zu den Menschen verloren, was zu kritischen Situationen führen kann. Deshalb ist es sehr wichtig Wölfe in keiner Weise mit Futter zu versorgen oder anzulocken. Das Raumverhalten wird durch den Lebensraum seiner Beutetiere bestimmt. Da sich das Schalenwild im Winter mehrheitlich in den tieferen Lagen und in Siedlungsnähe aufhält, ist in diesen Gebieten mit einer vermehrten Präsenz der Beutegreifer zu rechnen. Mit Einsetzen der Vegetationsperiode verschieben sich die Einstandsgebiete von Rothirsch, Gämse und Reh in höhere Lagen und die Beutegreifer folgen nach. Bis anhin verhalten sich die im Kanton Schwyz gesichtete Wolf gegenüber Menschen unauffällig.

Schäden und Aufwand

Die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Wolf haben sich im Jahr 2020 auf 2 Vorfälle mit Nutztierrisse konzentriert. Aus diesem Grund sind die Sach- und Personalkosten des Amtes für Landwirtschaft sowie der Abteilung Jagd im Gegensatz zu 2019 (Fr. 18’202) nur leicht gestiegen. Die Entschädigungen von getöteten Nutztieren in Folge eines erwiesenen Wolfsübergriffes beliefen sich auf Fr. 1’600. Die Kosten wurden analog der vergangenen Jahre erhoben. Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren (2016: Fr. 31’637; 2017: Fr. 27’887; 2018: Fr. 31’530) sind in den letzten zwei Jahren die Sach- und Personalkosten deutlich gesunken.

An Standorten mit vermuteter Grossraubwildpräsenz oder Rissen wurde das Monitoring intensiviert. Die dafür benötigten Fotofallen wurden 2016 angeschafft. Im Jahr 2020 waren insgesamt 110 Fotofallen im Einsatz, davon etwa 80 für das Rothirschmonitoring, und wurden regelmässig überprüft. Keine Kamera erfasste 2020 einen Wolf.

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