Wildtiere

Waldbewohner: Hitze da – heimische Wildtiere bleiben cool

Wozu lange Löffel, Propeller-Flügel und ein sanftes Gemüt jetzt gut sind. Und: wie viel Liter Wasser pro Tag brauchen Wildtiere?
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Nach Gewittern und Unwettern wird es bis zu 40 Grad heiss, warnen die Meteorologen. Da stöhnen nicht nur die Menschen, auch die Wildtiere machen jetzt „gaaaaaanz langsam“. Cool bleiben – das ist nun die Devise der Waldbewohner! Dabei ziehen sie zusätzlich den einen oder anderen Evolutionstrick aus dem Nähkästchen.

Rehe legen sich ab

Rehe stehen kurz vor der anstrengenden Paarungszeit – da geht es ohnehin in die Vollen. Sie, die jetzt noch in einer sehr „chilligen“ Stimmung sind und im Wald langsam herumbummeln, legen sich bei Hitze im Schatten des Waldes faul ab. In den kühleren Abend- und Morgenstunden geht es dann gemächlich auf Futtersuche.

Rothirsch und Reh futtern saftreiche Pflanzenteile, gerne in der Morgendämmerung. Zudem wissen sie, wo Wasserquellen sind, die auch bei Hitze nicht versiegen und nutzen diese für ein kühles Bad. Dafür unternehmen Rothirsche teils weite Wanderungen. Ist die Quelle dann gefunden, wird ausgeruht.

Wildschweine belegen Naturbäder

Schwitzen wie ein Schwein? Dieser Vergleich passt nicht, denn: Wildschweine haben fast keine Schweissdrüsen. Wildschweine können nicht effektiv schwitzen und sorgen darum von aussen her für Kühlung. Statt einer Extraration Wasser brauchen sie an heissen Tagen erfrischende Bäder; und wo die besten Schlammbäder im Wald zu finden sind, wissen die Schweine.

So ein Waldbad ist herrlich erfrischend: Das sind die feuchten Suhlen und seichten Teiche, die im Wald zu finden und vom letzten Regen noch gefüllt sind. Da die Sauen immer im Familienverbund zusammen sind – Tanten, Schwestern, Nichten – treffen sich ganze Familien am kühlenden Nass. Das können bis zu 30 Tiere sein – alles hört dabei auf die Kommandos der Leitbachen, sie führen die Badegesellschaften an.

Der Fuchs und Maulwurf bleibt im Bau

Er macht’s richtig und legt eine lange Siesta ein – nachmachen, wenn möglich! Bei großer Hitze verbringen Füchse den Tag im schattigen Bau oder graben sich Erdmulden, wobei die oberste warme Erdschicht entfernt wird. Wie Hunde hecheln sie dabei die Wärme über die Zunge weg.

Das Tier des Jahres 2020 ist grosser Hitze nicht ausgesetzt: In seinem Bau bleibt es kühl. Seine Nahrung – möglichst viele Regenwürmer – ist wasserreich und die Luft im Bau sehr feucht, sodass Maulwürfe überhaupt selten etwas trinken müssen.

Hummeln werden zum „Ventilator“

Hummeln bleiben bei Hitze am Nest – die Brut darf nicht austrocknen! Ihre Flügel nutzen sie jetzt wie Propeller – und erzeugen so durch hochtouriges Flügelschlagen einen Hauch Abkühlung.

Junge Feldhasen profitieren vom inneren „Wassertank“

Feldhasen nutzen wie Elefanten ihre grossen Ohren als Klimaanlage: Wird es sehr heiss, werden die Ohren stark durchblutet, das Blut kühlt dort ab und das spart Schweiss. Deswegen sind die Ohren auch bei Hasenarten in heißen Gegenden viel grösser als bei Hasenarten in kalten Regionen. Feldhasen decken zusätzlich einen grossen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfes über die Nahrung, denn auch Pflanzen wie z.B. Kräuter spenden Flüssigkeit.

Hasen geben die Körperwärme über ihre langen Löffel ab, ruhen in einer kleinen Kuhle auf der Wiese. Bei jungen Hasen, die noch gesäugt werden, dient das Fett in der Muttermilch im Sommer als eine Art innerer „Wasserspeicher“. Da beim Abbau von 1 Gramm Fett im Tierkörper 1,1 Gramm Wasser entstehen, haben Junghasen auch in trockenen Jahreszeiten Wasser verfügbar, mit dem sie – beispielsweise durch Hecheln und Einspeicheln – eine Überhitzung vermeiden können.

Infobox: Wie viel Liter Wasser brauchen Wildtiere am Tag?

– Reh: ein bis zwei Liter; Wasser wird zum grossen Teil über pflanzliche Nahrung und das Naschen im Morgentau aufgenommen.

– Hirsch: bis zu zehn Liter am Tag; Wasseraufnahme erfolgt durch „Schöpfen“ aus Tümpeln, Wasserläufen und Teichen und durch das Fressen pflanzlicher Nahrung.

– Wildschweine um die zwei bis drei Liter. Wildschweine ziehen sich in den Wald an schattige Wasserstellen zurück. In heissen Zeiten kann das Anlegen von Suhlen Abhilfe schaffen – weniger um zu saufen, als um sich abzukühlen.

Warum die Gemeine Mücke gut ist

Bereits ihr Summen versetzt uns in Alarmstimmung: Mückenangriffe drohen im Schlafzimmer, im Wald und am Badesee. Die Quälgeister verschonen uns auch in diesem Sommer nicht. Das feucht-heisse Wetter ist für die Fortpflanzung der Gemeinen Mücke ideal! Nach den heftigen Sommergewittern finden sie überall Brutplätze. Jedes Mückenweibchen legt zwischen 200 und 400 Eier; der Nachwuchs schlüpft bereits nach wenigen Tagen. „Für Menschen ist die Gemeine Stechmücke – Culex pipiens – ein richtiges Biest. Für Wildtiere dagegen ein willkommener Snack„, sagt Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Denn bei vielen heimischen Wildtieren stehen Mücken ganz oben auf dem Speiseplan!

Mücken sind in jedem Entwicklungsstadium – vom Ei über die Larve und Puppe bis zum fertigen Insekt – eine wichtige Nahrungsquelle für Wildtiere. Im Wasser fressen kleine Fische und Libellen bereits die Mückeneier. Die etwas grösseren Larven werden gern von Vögeln aufgepickt, während Fledermäuse und anderen Insektenfresser die fertige Culex pipiens im Flug fangen und wegfuttern. Mücken erfüllen in der Natur also eine wichtige Aufgabe. „Sie sind auf der Welt, um gefressen zu werden„, so Calvi. „Der Zusatz ,gemein‘ bei der Bestimmung steht übrigens für ,gewöhnlich‘: Das Wort hat nichts damit zu tun, dass die Mücke uns sticht!

Gute Mücke, böse Mücke? Dabei spielt das Geschlecht der Insekten eine Rolle. Jenifer Calvi: „Während die Weibchen stechen, weil sie das Blut für den Nachwuchs brauchen, piksen die Männchen nicht!

Vögel hecheln wie Hunde

Auch Vögel sind für die aktuelle Wetterlage gut ausgerüstet. Da Vögel eine Körpertemperatur von 41 Grad besitzen und eine Zunahme auf bis zu 46 Grad in der Regel gut vertragen, tolerieren sie die Hitze deutlich besser als Menschen.

Anders als Menschen schwitzen sie aber nicht. So verlieren sie weniger Flüssigkeit. Dies erschwert jedoch eine Abkühlung. Deshalb hecheln Vögel wie Hunde. Durch das Ein- und Ausatmen verdunstet im Schnabel Wasser.

Waldbewohner: Hitze da - heimische Wildtiere bleiben cool
Ab ins kühle Nass! Wie wir Menschen nehmen Vögel bei diesen Temperaturen gerne ein Bad. Um die Hygiene zu gewährleisten ist es wichtig, das Wasser täglich zu wechseln. 
Foto © Beat Rüegger

So geben die gefiederten Tiere Wärme ab. Zusätzlich sind die Tiere vermehrt an den kühleren Abend- und Morgenstunden unterwegs.

Vögel beherrschen einen chemischen Wasserspartrick: Sie scheiden Abbauprodukte des Körpers als Harnsäure aus, denn diese kann viel leichter konzentriert und mit wenig Wasser ausgeschieden werden. Säugetiere scheiden stattdessen Harnstoff aus, dieser verbraucht viel mehr Wasser. Die konzentrierte Harnsäure sieht man dann als weissen Klacks im Vogelkot. Wegen solcher körpereigenen Sparmechanismen kommen Vögel mit sehr wenig Wasser aus!

Trotzdem können die Tiere jede Hilfe gebrauchen. Wer den Vögeln bei den hohen Temperaturen helfen möchte, benötigt nur eine kleine Schale oder einen Blumentopfuntersatz mit Wasser. So bietet man den Vögeln eine Trink- oder Badegelegenheit. Wichtig ist, dass das Wasser täglich gewechselt wird.

Igel: er kann eine Schale Wasser gut gebrauchen

Der Igel flüchtet vor grosser Hitze in kühle, schattige Verstecke. Er nimmt einen grossen Teil der Flüssigkeit über Nahrung auf, trinkt aber auch gerne Wasser! Achtung: Bitte nur Wasser hinstellen, keine Kuhmilch – die ist für viele Igel nicht verdaulich.

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Die Artikel auf der Website der IG Wild beim Wild sind von und mit den Mitarbeitern von der IG und weiteren Co-Autoren als auch von Dritten.

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