Die Biden-Administration sagte am Mittwoch, dem 15.9.2021, dass der Bundesschutz für graue Wölfe im Westen der USA möglicherweise wiederhergestellt werden muss.

Dies, nachdem von den Republikanern unterstützte staatliche Gesetze die Tötung der Beutegreifer wesentlich erleichtert haben.

Die anfängliche Feststellung des U.S. Fish and Wildlife Service, dass die Wölfe in der Region wieder in Gefahr sein könnten – nachdem Jahrzehnte damit verbracht wurden, Populationen wiederherzustellen – wird der Auftakt zu einer einjährigen biologischen Überprüfung sein.

Dies ist eine abrupte Kehrtwende für die Bundesbehörde für Wildtiere und führte zu einem raschen Gegenschlag des republikanischen Gouverneurs von Montana, der sagte, die Beamten in Washington sollten die Wildtierpolitik des Staates nicht in Frage stellen.

Bundesbeamte hatten ihre Entscheidungen über Wölfe jahrelang vor Gericht verteidigt, auch unter Biden und seit der Obama-Regierung, als die Wölfe in den Nördlichen Rocky Mountains in sechs Bundesstaaten wieder unter die Zuständigkeit der Bundesstaaten fielen und zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder gejagt werden durften.

Die Regierung des ehemaligen Präsidenten Donald Trump hob in den letzten Tagen seiner Amtszeit den Schutz für den grössten Teil der restlichen USA auf.

Doch die Achtung, die Bundesbeamte den staatlichen Wildtierbehörden entgegenbringen, wird nun auf die Probe gestellt. Republikanische Gesetzgeber in Montana und Idaho wollen weitere Wolfsrudel ausmerzen, die für regelmässige Angriffe auf Nutztiere und die Verringerung der von vielen Hobby-Jägern geschätzten Elch- und Hirschherden verantwortlich gemacht werden.

Die republikanischen Gouverneure der Bundesstaaten haben in den letzten Monaten Massnahmen in Kraft gesetzt, die den Zeitpunkt, den Ort und die Art und Weise, wie Wölfe getötet werden können, erweitern. Dies löste bei Demokraten, ehemaligen Tierschutzbeauftragten und Interessengruppen Alarm aus, da der erhöhte Jagddruck den Wolfsbestand auf ein unhaltbares Niveau senken könnte.

Die Humane Society of the U.S., das Center for Biological Diversity und andere Gruppen hatten juristische Petitionen eingereicht, in denen sie die Bundesbehörden aufforderten, einzugreifen.

Der Fish and Wildlife Service sagte am Mittwoch, die Petitionen lieferten glaubwürdige und substanzielle Informationen, dass die erhöhte, vom Menschen verursachte Sterblichkeit in Idaho und Montana eine Bedrohung für die Wölfe in der gesamten westlichen Region darstellen könnte.

Wildnisgebiete in Idaho, Montana und Wyoming sind Hochburgen für Wolfspopulationen und haben dazu beigetragen, dass sich diese in den letzten Jahren in Teilen von Oregon, Washington, Kalifornien und Colorado ausgebreitet haben.

Die Behörde lehnte einen Antrag auf sofortige Wiederherstellung des Schutzes ab. Sie sagte jedoch, dass die Gruppen genügend Informationen vorgelegt hätten, um eine einjährige Prüfung zu rechtfertigen, ob die Wölfe eine erneute Aufnahme in die Liste der vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten rechtfertigen.

Die Anwältin des Center for Biological Diversity, Andrea Zaccardi, begrüsste die Überprüfung, fügte aber hinzu, dass die Wölfe „jetzt unter Beschuss“ stünden und sofort geschützt werden müssten.

Wir sind besorgt, dass viele Wölfe ausgerottet werden könnten, während eine einjährige Überprüfung durchgeführt wird„, sagte sie.

Der Gouverneur von Montana, Greg Gianforte, sagte, der Staat habe seine Wölfe effektiv gemanagt und auf der Grundlage der neu erlassenen Gesetze Vorschriften erlassen, um sicherzustellen, dass die Wolfspopulationen nachhaltig bleiben.

Wir brauchen Washington nicht, um unseren wissenschaftlich fundierten Ansatz in Frage zu stellen„, sagte Gianforte in einer Erklärung.

Gianforte hatte im Februar in der Nähe des Yellowstone-Nationalparks einen Wolf gefangen und getötet. Später erhielt er eine Verwarnung von den Wildtierbehörden, weil er es versäumt hatte, einen vorgeschriebenen Fallensteller-Ausbildungskurs zu absolvieren und damit gegen die staatlichen Jagdvorschriften verstossen hatte.

Wölfe wurden in den 1930er Jahren durch von der Regierung geförderte Vergiftungs- und Fangkampagnen in den meisten Teilen der USA ausgerottet. In den 1990er Jahren wurden sie von Kanada aus in den nördlichen Rocky Mountains wieder angesiedelt und breiteten sich in den letzten zwei Jahrzehnten in Teilen von Oregon, Washington und Kalifornien aus.

2011 brachten der demokratische US-Senator Jon Tester aus Montana und der republikanische Abgeordnete Mike Simpson aus Idaho einen Haushaltszusatz durch den Kongress, der den Schutz der Wölfe aufhob, nachdem Gerichte frühere Versuche blockiert hatten.

Dutzende indianischer Stämme hatten die Regierung Biden am Dienstag gebeten, sofort einen landesweiten Notfallschutz für graue Wölfe zu erlassen, da die Staaten zu aggressiv bei der Jagd auf die Tiere geworden seien. Sie sagten, Wölfe seien für eine Reihe von Stämmen kulturell wichtig und beschuldigten die Bundesregierung, ihre Bedenken bezüglich der Aufhebung des Schutzes nicht zu berücksichtigen.

Nach der Aufhebung des Schutzes in der Region der Grossen Seen im Januar hat Wisconsin schnell gehandelt, um seinen Wolfsbestand zu reduzieren. Eine den konservativen Republikanern nahestehende Gruppe, die sich für die Jagd einsetzt, erwirkte einen Gerichtsbeschluss, der es Hobby-Jägern erlaubte, innerhalb von vier Tagen 218 Wölfe in diesem Bundesstaat zu töten.

Die jüngsten Änderungen im Wolfsmanagement spiegeln einen zunehmend parteiischen Ansatz beim Beutegreifermanagement in den von Republikanern dominierten Bundesstaaten wider.

In Idaho, wo es schätzungsweise 1’500 Wölfe gibt, wurde in diesem Jahr unter anderem ein Gesetz verabschiedet, das dem Staat Geld zur Verfügung stellt, um private Auftragnehmer mit der Tötung der Wildtiere zu beauftragen. Das Gesetz erlaubt es Hobby-Jägern auch, Nachtsichtgeräte zu benutzen, Wölfe auf Schneemobilen oder ATV’s zu jagen und sie von Hubschraubern aus zu erschiessen. Es erlaubt das ganzjährige Fangen von Wölfen auf Privatgrundstücken.

In Montana haben die staatlichen Wildtierbehörden im vergangenen Monat eine Fangquote von 450 Wölfen genehmigt, was etwa 40 % des Bestandes entspricht. Zuvor verbotene Tötungsmethoden dürfen nun angewandt werden, darunter das Fangen von Wölfen mit Schlingen, Ködern und die Nachtjagd auf Wölfe. Die Fangsaison wurde verlängert, und jeder Hobby-Jäger oder Fallensteller darf nun bis zu 10 Tiere erlegen.

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