Wildtiere

Trauriges Leben in Isolation

Nach Tod von Nashorn Tsavo bei Circus Krone fordert PETA Bundesregierung auf, Haltung von Nashörnern im Zirkus zu verbieten.
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Heute starb der 44-jährige Nashornbulle Tsavo im Circus Krone in München. Er litt bereits längere Zeit an Verdauungsproblemen und hatte in zwei Monaten 300 Kilogramm abgenommen. Das Breitmaulnashorn war das letzte seiner Art, das in einem deutschen Reisezirkus zur Schau gestellt wurde. In den vergangenen vierzig Jahren wurde er zu Unterhaltungszwecken unter mangelhaften Bedingungen gehalten. Damit anderen Tieren diese Tortur erspart bleibt, appelliert PETA an die Bundesregierung, nun zumindest die Aufnahme neuer Nashörner in Zirkusbetriebe per Rechtsverordnung zu untersagen.

Tsavo wurde aus wirtschaftlichen Gründen zu einem Leben in Einsamkeit verdammt. Wie so oft in der Zirkusbranche musste er fast bis zum letzten Atemzug in der Manege das Publikum unterhalten.


Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA

„Die Bundesregierung muss der Tierhaltung im Zirkus endlich Einhalt gebieten, um anderen Tieren den respektlosen und unvermeidbar tierschutzwidrigen Umgang zu ersparen.“

Tsavo – Stationen eines Leidenswegs

Tsavo wurde vermutlich Ende der 70er Jahre in einem südafrikanischen Nationalpark in Freiheit geboren, bevor er 1978 als Wildfang nach Deutschland kam. Seit 2008 war der Nashornbulle bei Circus Krone, zuvor wurde er Jahrzehnte im Circus Barum zur Schau gestellt. Obwohl Nashörner in der Natur Einzelgänger sind, haben sie zumindest in der Paarungszeit auch Kontakt zu Artgenossen. Tsavo wurde jedoch jahrzehntelang in kompletter Isolation gehalten und jeglichen Sozialkontakten beraubt – er starb einsam.

Nashornhaltung im Zirkus nicht gesetzlich verboten

PETAs Motto lautet in Teilen, dass Tiere nicht da sind, um uns zu unterhalten. Die Tierschutzorganisation weist darauf hin, dass die Tierhaltung in Zirkussen in Deutschland gesetzlich nicht geregelt ist. Hierzulande dürfen Zirkusse alle Tierarten mitführen. Lediglich ein Gutachten mit Empfehlungscharakter, die sogenannten Zirkusleitlinien des Landwirtschaftsministeriums (BMEL), sollen Amtstierärzten als fachliche Unterstützung zur Beurteilung der Haltung exotischer Tierarten dienen. Zwar empfiehlt das Gutachten, keine Nashörner mehr zuzulassen, weil die Tiere sehr sensibel auf Stress und Transporte reagieren und ihrem Bewegungsbedürfnis im Zirkus nicht nachkommen können. Doch viele Veterinärbehörden setzen die Leitlinien kaum durch und betonen immer wieder, dass es sich lediglich um Empfehlungen handele und nicht um eine rechtlich verbindliche Verordnung oder ein Gesetz.

Bundesrat und Mehrheit der Deutschen sprechen sich für Wildtierverbot im Zirkus aus

Der Bundesrat forderte in seiner bereits dritten Entschliessung ein Zirkusverbot für Wildtiere, dem die Bundesregierung bislang nicht nachkam. In 27 europäischen Ländern, darunter beispielsweise Belgien, Österreich, die Niederlande und Griechenland, sind bestimmte oder alle Tierarten im Zirkus nicht mehr erlaubt, während in Deutschland weiterhin Arten wie Giraffen, Primaten und sogar Flusspferde in Zirkusbetrieben auf Lkws ständigem Stress ausgesetzt werden. Einer repräsentativen forsa-Umfrage vom Mai 2014 zufolge vertreten 82 Prozent der Deutschen die Auffassung, dass Wildtiere nicht artgerecht im Zirkus gehalten werden können. Auch die Bundestierärztekammer spricht sich für ein Verbot aus.

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