Wildtiere

Tessin annulliert Jagd auf Wolf

Die Tessiner Kantonsregierung hat ihre Abschussbewilligung für einen Wolf im Zusammenhang mit einem Riss von 19 Schafen im Rovanatal aufgrund von neuen Erkenntnissen widerrufen.

Es handelte sich nicht um einen einzelnen Wolf, sondern um ein Rudel.

Der Vorfall hatte sich am 26. April in Piedipodi-Cerentino TI ereignet. Wie die Tessiner Regierung am 10.6.2022 mitteilte, haben Untersuchungen des nationalen Zentrums für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora) ergeben, dass die Schafe nicht von einem Einzeltier, sondern von einem weiblichen (F93) und einem männlichen Wolf (M149) gerissen worden sind.

Falsche Prämissen

Diese beiden Tiere gehören zum Onsernone-Rudel, von dem man bisher annahm, dass es sich in einem Gebiet weiter südlich des Ravonatals aufhält. Das Rudel streife immer wieder über die Landesgrenzen hinweg.

Die Abschussbewilligung habe sich damit auf falsche Prämissen gestützt und müsse deshalb gemäss der nationalen Gesetzgebung ausgesetzt werden, hiess es in der Mitteilung. Die kantonalen Behörden stünden in Kontakt mit dem Bundesamt für Umwelt (Bafu), um das weitere Vorgehen festzulegen.

Suche bisher erfolglos

Die bisher erfolglose Suchaktion der kantonalen Wildhüter werde bis zu einem Entscheid des Bafu ausgesetzt. Gleichzeitig würden die Mitarbeiter des kantonalen Amtes für Jagd und Fischerei die Lage im Ravonatal weiter beobachten. Namentlich gehe es darum festzustellen, ob es in diesem Rudel auch 2022 Nachwuchs gegeben hat.

Die 19 Schafe, die am 26. April dem Wolf zum Opfer fielen, wurden aufgrund der schwierigen Topografie des Gebietes als «nicht schützbar» eingestuft und konnten daher der Rissquote angerechnet werden

Schafe vor Regierungsgebäude gelegt

Ende April hatten Bauern aus dem Bezirk Maggiatal mehrere tote Schafe vor das Regierungsgebäude in Bellinzona gelegt. Sie reagierten damit auf einen Schafriss in Cerentino und forderten von der Regierung griffigere Massnahmen im Kampf gegen den Wolf.

Nun sei genug, sagte Armando Donati, Präsident der Tessiner Sektion der Vereinigung für ein Territorium ohne Grossraubtiere, damals gegenüber dem Onlineportal tio.ch. Die Vorschriften zum Schutz des Wolfes seien realitätsfern. Die Behörden müssten nun auf die Tierhalter hören. «Die Zahl der Wölfe nimmt weiter zu, während die Zahl der Betriebe laufend abnimmt. Wenn wir so weitermachen, wird es keine Bauern mehr geben, die sich um die Berglandwirtschaft kümmern wollen», machte Donati deutlich.

Bereits Ende März waren im Rovana-Tal mehrere Schafe gerissen worden. Mitte April riss ein Wolf im Südtessin bei Novazzano 13 Tiere.

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