Wildtiere

Mongolei: Eins, zwei, …, 953 Schneeleoparden gezählt

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Der WWF hat in der Mongolei die seltenen Schneeleoparden gezählt.

Der kürzlich veröffentlichte Zensus stellt nicht nur die erste landesweite Erhebung zum Bestand dar, sondern setzt zugleich neue Standards im wissenschaftlichen Tiermonitoring. Zwischen 2018 und 2020 wurden tausende Fotos aus Kamerafallen und Geländebeobachtungen ausgewertet und mit computergestützten Modellierungen kombiniert. Auf Basis dieser Daten schätzt der WWF den Gesamtbestand auf 953 erwachsene Tiere und damit als stabil ein.

„Die Schneeleoparden haben sich in der Mongolei behauptet. Das ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen, denn die Großkatzen sind nach wie vor gefährdet. Die neu gewonnenen Erkenntnisse über ihre Verbreitung werden uns künftig dabei helfen, Schutzmaßnahmen noch effektiver und konzentrierter zu planen. Gleichzeitig ist dieser Zensus in seiner Methodik der modernste weltweit.”

Markus Radday, Referent für die Region beim WWF Deutschland

Der Schneeleoparden-Zensus startete im Mai 2018 und endete im Oktober 2020. Gemeinsam mit Partnern erfasste und kartierte der WWF alle potentiellen Habitate in der Mongolei und brachte 1.475 Kamerafallen in Stellung. In 1.017 ausgewählten Stichprobengebieten im Hochgebirge wurden Geländebeobachtungen vorgenommen, um die Anwesenheit von Schneeleoparden nachzuweisen. Dazu zählen Reviermarkierungen, Rufe und Pfotenabdrücke. Auch die Beutetiere der Schneeleoparden, das Argali Wildschaf und der Sibirische Steinbock, wurden erfasst. Insgesamt nahmen die Kamerafallen 242 unterschiedliche Schneeleoparden auf. Auf Basis dieser Daten wurde der Bestand für das gesamte Verbreitungsgebiet berechnet.

Schneeleoparden-Zählung © WWF Mongolia

Zum ersten Mal wurden damit in der Mongolei die Daten von Kamerafallen – weit mehr als 500.000 Fotos und Videos – mit in den Gebieten gesammelten Spuren und Beutetierzählungen mit geografischen Computer-Modellierungen kombiniert. Daraus entstanden Millionen von Datensätzen, die nach statistischen Methoden ausgewertet werden mussten. 500 RangerInnen, andere Naturschutz-NGOs, WissenschaftlerInnen und Studierende der Nationalen Universität der Mongolei halfen dabei.

Demzufolge leben in der Mongolei aktuell 953 Schneeleoparden. Das entspricht dem Wert mit der höchsten statistischen Wahrscheinlichkeit innerhalb der 806 bis 1.127 Individuen, die dort vorkommen. „Bisher sind wir davon ausgegangen, dass die Zahl zwischen 500 bis 1.000 Individuen liegt. Der neue Wert liegt am oberen Ende dieser Schätzung. Das gibt Grund zum Optimismus”, so Radday. Darüber hinaus erbrachte die Erhebung den Nachweis, dass die Fläche des gesamten Verbreitungsgebietes mit 328,844 km2 etwa drei Mal so gross ist, wie bislang vermutet. Sie umfasst unter anderem das gesamte Altai- und Sajan-Gebirge in der Mongolei, und den Grossteil des Khangai-Gebirges.

Mit geschätzt 4.000 bis 6.400 Individuen, die in den Hochgebirgen Asiens leben, zählt der Schneeleopard zu den seltensten Grosskatzen der Welt. Insbesondere die Wilderei der Tiere selbst sowie ihrer Beutetiere setzt ihnen zu. Auf der Suchung nach Nahrung erlegen Schneeleoparden daher auch Nutztiere, die Hirt:innen in die Berge treiben. Daraus ergebenden sich immer häufiger Konflikte zwischen Tier und Mensch, die für die Großkatzen nicht selten tödlich enden. Der WWF hilft daher den Herdenhaltern:innen beim Schutz ihrer Tiere, zum Beispiel durch Zäune. „Langfristig müssen wir aber mehr Akzeptanz für die Schneeleoparden schaffen und Abmachungen mit den Herdenhalter:innen treffen”, erklärt Radday. Dazu werden die neu gewonnen Daten beitragen: „Wir können nun besser aussagen, wo genau die Grosskatzen vorkommen und wo mögliche Hotspots für solche Konflikte liegen.” Das kommt nicht nur dem Schutz des Schneeleoparden, sondern auch seiner Umwelt zugute. Denn die Großkatze ist ein Indikator für intakte Bergökosysteme. „Geht es dem Schneeleoparden gut, gilt das auch für seinen Lebensraum.”

Hintergrund:

Die Erhebung zum Bestand der Schneeleoparden erfolgte im Rahmen der Initiative Population Assessment of the World’s Snow Leopards (PAWS). Auf der zweiten Globalen Schneeleoparden-Konferenz hatten sich die zwölf Länder, in denen die gefährdete Art vorkommt, 2017 dazu bekannt, ihre Population bis 2023 zu erheben. Nach Bhutan ist die Mongolei das zweite Land, in der die Erhebung jetzt abgeschlossen wurde. Sie hat nach China den zweitgrößten Bestand an Schneeleoparden weltweit.

1 Kommentar

  1. Prima. Dann wissen ja jetzt die Wilderer, wo sie noch richtig Beute machen können.
    Ich warte jetzt eigentlich nur noch auf eine Anfrage des Jägerclubs WWF, ob man nicht ein paar von diesen Tierchen aus «Artenschutzgründen» abballern könnte.

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