Wildtiere

Luchs-Nachwuchs in den Nordvogesen

Das Monitoring des Eurasischen Luchses durch das französische Amt für biologische Vielfalt (OFB) hat bestätigt, dass das Weibchen Lycka in diesem Frühjahr zwei kleine Luchsjungen in einem Staatswald der Nordvogesen zur Welt gebracht hat.
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Dies ist die erste nachgewiesene Reproduktion der Art in den Nordvogesen seit ihrem Aussterben im 17. Jahrhundert.

Lycka wurde am 20. März 2020 in Deutschland im Pfälzerwald gemeinsam mit „Tarda„, einem anderen Weibchen, freigelassen: sie sind die zwei letzten Luchse, die im Rahmen des europäischen LIFE Luchs Wiederansiedlungsprojektes umgesiedelt wurden. Lycka stammt aus der Schweiz, ist Jahrgang 2011 und lebte im Kanton Neuenburg, bevor sie in den Pfälzerwald gebracht wurde. Bei der Freilassung wog sie gut 20 kg: sie ist ein kräftiges und erfahrenes Wildtier.

Eine erfolgreiche grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Lycka trägt einen GPS-Halsbandsender, damit ihre Bewegungen durch das kooperierende deutsch-französische Team nachvollzogen werden können. Dank dieses Monitorings wissen wir, dass Lycka durch das zusammenhängende Waldgebiet des Biosphärenreservats Pfälzerwald-Nordvogesen wanderte und Ende März 2020 französischen Boden betrat. Sie etablierte daraufhin in den Nordvogesen ein Revier. Die Einschränkung ihres Bewegungsradius Anfang Juni deutete auf eine Geburt hin. Der Wurf konnte lokalisiert und von den Umweltinspektoren des OFB überprüft werden. Zwei etwa 3 Wochen alte, gesunde Jungtiere konnten am Eingang der Höhle beobachtet werden, die Mutter war in der Nähe. Dieses wichtige Ereignis für die Zukunft des Luchses im Vogesenmassiv wurde durch das LIFE-Programm ermöglicht, das von unserem deutschen Partner, der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz koordiniert wird. Es ist ein symbolisches Zeichen für die Rückkehr des Luchses, das allen, die sich für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Region Grand-Est einsetzen, Freude bereitet und Anerkennung verdient. Es ist das Ergebnis einer langen gemeinsamen Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen vor uns, von unermüdlichen Ehrenamtlichen und unseren Partnern. Ebenso unterstreicht es die Arbeit, die heute vom „Réseau Loup-Lynx“ unter der Leitung des OFB geleistet wird, das viele Fachabteilungen und externe Mitarbeiter hat, und deren Feldforschungsarbeiten eine bessere Kenntnis der Art und ein wirksames Monitoring in den Regionen ermöglicht.

Der Erhaltungszustand in den Vogesen immer noch ungünstig

Auch wenn diese bestätigte Reproduktion des Eurasischen Luchses in den Vogesen neue Hoffnung für die Art weckt, so muss doch daran erinnert werden, dass ihr Erhaltungszustand in den Vogesen nach wie vor sehr unsicher ist. Derzeit wird nur ein Dutzend Tiere im gesamten Vogesenmassiv gezählt, wobei Lycka das einzige bekannte Weibchen ist. Die Bedrohung für die Art ist noch zu gross, um von einer dauerhaften Erhaltung dieser Leitart in den Vogesen sprechen zu können, wie der Fall der illegalen Tötung eines Tieres Anfang 2020 in den Vogesen oder Verkehrsunfälle der Luchse Lucky und Labka im Pfälzerwald zeigen. Die Realisierung einer Koexistenz des Luchses mit menschlichen Aktivitäten steht im Mittelpunkt des regionalen Aktionsplans für den Luchs in den Vogesen.

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