Wildtiere

EU: Sie haben ein Wildtier gesehen? Bitte mitteilen!

Beim Zählen von Wildtieren können Europäer mitmachen.

Ein internationales Forscherteam möchte mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern erfassen, welche und wie viele wildlebende Säugetiere es in Europa gibt. Deutschland ist eines von vier Pilotländern.

Luchse, Rehe, Wildschweine, Iltisse, Biber oder Mufflons – in Europa leben etwa 250 verschiedene Säugetierarten. Welche und wie viele in welchen Regionen leben, ist oftmals unbekannt. Mit dem Kooperationsprojekt MammalNet möchten acht europäische Forschungsinstitutionen diese Lücke gemeinsam mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern schließen. Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, die Tiere, die sie auf Wanderungen, im Alltag oder beim Spaziergang sehen, über eine mobile App oder über zwei Internetseiten mitzuteilen:

Die App iMammalia läuft auf Android und iOS und kann in den jeweiligen Stores heruntergeladen werden. Sie ermöglicht eine einfache Mitteilung der Sichtung. Für die beiden Internetseiten  www.mammalweb.org  und  www.agouti.eu ist es erforderlich, sich zu registrieren. Sie richten sich eher an fortgeschrittene Naturbeobachter. So laden Forscherinnen und Forscher auf www.agouti.eu beispielsweise auch Bilder aus Fotofallen hoch. Nutzen kann die Plattformen aber trotzdem jeder.

Das Projekt läuft über zwei Jahre und startet zunächst in den Pilotländern Deutschland, Spanien, Kroatien und Polen. Ab Mai 2020 soll es auf die übrigen Regionen Europas ausgeweitet werden. Auf deutscher Seite leitet Dr. Oliver Keuling aus dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) das Projekt, er sagt: „In allen Ländern werden Bürgerinnen und Bürger gebeten, mitzuteilen, wenn sie ein wildlebendes Säugetier gesehen haben. Über die App und die Internetseiten können sie zudem Fotos der Tiere hochladen.

Das Projekt MammalNet ergänzt das Projekt ENETWILD, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit 2017 Monitoring-Daten von Säugetieren erfassen und auswerten. Dazu zählen auch Aufnahmen, die sie mit Fotofallen erstellt haben. Um die Datenbasis zu vergrössern, hoffen sie jetzt auf die Unterstützung von Naturfreundinnen und Naturfreunden. „Wir werden mit den neuen Daten die bereits gesammelten ENETWILD-Daten ergänzen. Außerdem werden wir sie abgleichen, um zu analysieren, ob unser Vorgehen sich für die wissenschaftliche Wildtiererfassung eignet“, erklärt Keuling. 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority EFSA) fördert dieses Citizen-Science-Projekt, wie sich wissenschaftliche Projekte mit Bürgerbeteiligung nennen, insgesamt mit 200.000 Euro.

Gäbe es weniger Problemjäger, die Naturnutzungsgedanken hegen, könnten sich auch wieder mehr friedfertige Menschen dem Naturschutzgedanken widmen – Menschen, die Flora und Fauna mit Respekt, Anstand und Fairness pflegen.

IG Wild beim Wild

Das Projekt startet im Oktober 2019 und endet im Mai 2021. Neben der Datenerfassung soll das Projekt auch das Umweltbewusstsein fördern und für die vielfältige Natur um uns herum sensibilisieren. Die Forscherinnen und Forscher werden deshalb während der Projektlaufzeit kontinuierlich auf Facebook, Twitter und Instagram über das Projekt und die gesichteten Tiere informieren. Ausserdem stehen sie über diese Medien für Fragen zur Verfügung. In jedem Land werden sie zudem einmal im Monat drei der hochgeladenen Fotos zur Wahl stellen, damit die Nutzerinnen und Nutzer das „Foto des Monats“ wählen können.