Ein mysteriöses Elefantensterben im südafrikanischen Safari-Paradies Botswana stellt Tierschützer und Regierung vor Rätsel. In den vergangenen Wochen wurden laut Behördenangaben 275 tote Elefanten im nordwestlich gelegenen Okavango-Delta gezählt.

In anderen Berichten von Tierschützern ist sogar von 356 Kadavern die Rede. Wilderei wurde ausgeschlossen, da die toten Tiere mit intakten Stosszähnen gefunden wurden. Auch Vergiftung gilt laut den Behörden als unwahrscheinlich für das Elefantensterben. Sie setzen in dem sumpfigen Gelände verstärkt auf die Suche aus der Luft, da noch mehr verendete Tiere befürchtet werden.

Die Todesfälle konzentrieren sich auf eine Fläche von 8.000 Quadratkilometern, auf der etwa 18.000 Elefanten leben.

Kadaver sind mit Kot von Geiern bespritzt, die etwas Fleisch gefressen hatten, und rote Farbe von Beamten, die nachgewiesene Kadaver markierten.

Botswana hat bisher in Afrika einen guten Ruf in Sachen Natur- und Tierschutz und ist bei Touristen beliebt. Im Vorjahr hatte es jedoch international Empörung wegen der Aufhebung des Elefantenjagdverbots gegeben. Während die Zahl der Elefanten in vielen Regionen Afrikas zurückgeht, ist sie in dem Binnenstaat laut offiziellen Angaben von etwa 50’000 im Jahr 1991 auf gut 130’000 Tiere angestiegen.

„Wir können derzeit nichts ausschliessen, es könnte sich um ein Virus, eine Vegetation oder eine Überernährung nach der Dürre im letzten Jahr handeln . Wir haben die Gemeinde gebeten, nicht mit den Kadavern zu interagieren,“ sagte Mmadi Reuben, Haupttierarzt des Ministeriums für Wildtiere und Nationalparks.

Sind die Elefanten also dem Coronavirus zum Opfer gefallen? Eher nicht, glaubt Mark Hiley von der Organisation National Park Rescue. Zwar ist durch mehrere überlieferte Fälle in New York bekannt, dass etwa Tiger in Gefangenschaft an Covid-19 erkrankt sind. Dass das Virus aber auf Elefanten übertragen werden könne, sei nicht erwiesen, erklärte Hiley der «New York Times».

Chris Thouless, Forschungsleiter bei der Organisation Save the Elephants in Kenia, sagte der Zeitung, solche Massensterben – so tragisch sie auch seien– gehörten zur Natur. Durch die wachsende Elefantenpopulation würden sie in bestimmten Gebieten der Erde (wie etwa dem Okavango-Delta) in den kommenden Jahren sogar zunehmen. Thouless glaubt, die Elefanten könnten an Encephalomyocarditis erkrankt sein; einer Virusinfektion, die auch in Botswanas Nachbarland Südafrika einst wütete und Dutzende Elefanten tötete.

Die Beamten erwarten diese Woche Testergebnisse von Proben, die nach Südafrika und Kanada geschickt wurden.

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