Wildtiere

Der Ständerat spricht sich für Tierquälerei aus

Tierschützer sind enttäuscht über den Ständeratsentscheid gegen ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte.

Der Ständerat hat heute über die Motion für ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte abgestimmt und diese leider abgelehnt. Damit verpasst die Schweiz die Chance, eine Pionierstellung in Europa einzunehmen. Die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN ist über den Entscheid des Ständerates sehr enttäuscht. Gerade die Schweiz, die so stolz auf die hier geltenden hohen Tierschutzstandards ist, hätte ein internationales Zeichen für den Tierschutz setzen müssen. 

Nachdem das Votum des Nationalrates für das Pelzimportverbot im vergangenen Dezember Hoffnung aufkommen liess, bremst der Ständerat nun das für den Tierschutz essenzielle Anliegen mit 25:19 Stimmen aus. «Die Schweiz hat leider eine einmalige Gelegenheit verpasst. Echtpelz ist in der Mode schon lange nicht mehr zeitgemäss und gesellschaftlich inakzeptabel», sagt Dominik del Castillo, Campaigner für Wildtiere bei VIER PFOTEN Schweiz. Ein Grossteil (83%) der Schweizer:innen lehnt Echtpelz ab, das zeigt eine im Herbst 2020 in Auftrag gegebene Umfrage. 

Pelztiere, die auf Pelzfarmen gezüchtet werden, leiden ihr Leben lang, nur um dann einen qualvollen Tod für die Mode zu sterben. Ihre biologischen Bedürfnisse werden dabei systematisch ignoriert. «Der Nerz ist eine Marderart, die an das Leben in Feuchtgebieten angepasst ist und hervorragend schwimmen kann. Diese Tierart hat sogar Schwimmhäute zwischen den Zehen und dennoch sehen Nerze auf Pelzfarmen ihr Leben lang kein Wasser», so der Biologe. «Rotfüchse graben gerne Höhlen, auf Pelzfarmen laufen sie auf Gitterböden, die den Tieren in die Pfoten schneiden». Eine solche Haltung wäre in der Schweiz verboten, dennoch importiert die Schweiz Echtpelz aus tierquälerischer Produktion.

Pelzfarmen sind potentielle Brutstätten für Zoonosen und beinhalten Risiken für die menschliche Gesundheit. Ein Gutachten von FAO, OIE und WHO zu Sars-Cov-2 kam zum Schluss, dass auf Pelzfarmen ein hohes Risiko der Einschleppung und Ausbreitung des Virus besteht. Die Massenkeulung von Millionen Nerzen in Dänemark im Winter 2020 hat dies eindeutig bewiesen.

Von all diesen Argumenten liess sich der Ständerat nicht überzeugen. Bereits die vorberatende Kommission hatte sich mit Verweis auf die angebliche Unvereinbarkeit mit den internationalen Handelsverpflichtungen und die nachweislich schlecht funktionierende Deklarationspflicht gegen die Motion ausgesprochen. Das Votum des Ständerats zeigt einmal mehr: Die Schweiz misst mit ungleichen Ellen. Während die Produktion tierquälerisch erzeugter Pelzprodukte in der Schweiz verboten ist, scheinen bei deren Import aus dem Ausland wirtschaftliche Interessen wichtiger als das Tierwohl zu sein. Somit bleibt die Schweiz in Sachen Tierschutz ein Land mit zwei Gesichtern.

Jagdtrophäen bleiben zugelassen

Auch Jagdtrophäen von gefährdeten Tierarten sollen weiterhin in die Schweiz eingeführt werden können. Der Ständerat hat sich ebenfalls gegen das vom Nationalrat gewünschte generelle Importverbot ausgesprochen.

Die kleine Kammer lehnte eine Motion der früheren GLP-Nationalrätin Isabelle Chevalley (VD) mit 22 zu 17 Stimmen sowie zwei Enthaltungen ab. Die Motion ist damit vom Tisch.

Maya Graf (Grüne, BL) betonte, mit einer Regulierung von Beständen habe Trophäenjagd nichts zu tun. Denn die Tiere würden geschossen, um Teile von ihnen oder ganze Tiere zu konservieren und auszustellen. Davon profitierten nicht die Menschen vor Ort, sondern in erster Linie die Veranstalter der kostspieligen Jagdreisen.

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