Wildtiere

Debatten über Schutz hunderter Tierarten im August in Genf

Heftige Kontroversen stehen auf der Tagung auch zu Nashörnern bevor: Eswatini möchte das Handelsverbot für Horn zu Fall bringen, Namibia möchte Jagdtrophäen und lebende Tiere kommerziell handeln.

Elefant, Nashorn und Giraffe sind nur einige der Arten, über deren Schutz bei der kommenden 18. Vertragsstaatenkonferenz zum Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) verhandelt wird. Die Konferenz wurde aufgrund der Anschläge am Ostersonntag in Sri Lanka auf 17. bis 28. August in Genf verschoben. Im Fokus der Weltartenschutzkonferenz stehen unter anderem zahlreiche Tierarten, die als Körperteile (Elfenbein, Nashorn-Horn, Felle, Häute, Knochen) oder Jagdtrophäen gehandelt werden.

Die Konferenz hat die bisher längste Tagesordnung in der CITES-Geschichte. Kontroverse Diskussionen entfacht bereits im Vorfeld der Konferenz Botswana: Nach einer 180-Grad-Wende im Artenschutz und der Wiedereinführung der Trophäenjagd möchte das Land trotz eskalierender Wilderei gemeinsam mit vier weiteren südafrikanischen Staaten das Handelsverbot für Elfenbein zu Fall bringen.

Weltweiter Handel mit Elfenbein, Horn und Fell

„Es sind die immer gleichen Staaten, die den kommerziellen Handel mit Tierteilen wie Elfenbein oder Nashorn-Horn als Beitrag zum Artenschutz propagieren. Leider hat sich zu Südafrika, Namibia, Simbabwe und Sambia nun auch der ehemalige Musterknabe Botswana gesellt“, erklärt Daniela Freyer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife.

Die Mär vom Preisschild, das den Artenschutz vorantreibt, wenn es an einem Wildtier hängt, ist schlicht Unsinn. Im Gegenteil: Globale Nachfrage und hohe Preise für begehrte Produkte wie Elfenbein und Nashorn haben die Wilderei in die Höhe schiessen lassen.  

Die Wildereikrise hat mittlerweile auch Botswana erreicht: Aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen bestätigen, dass die Wilderei in den vergangenen fünf Jahren um knapp 600 Prozent zugenommen hat. Alleine 2017 und 2018 seien mindestens 385 Elefanten gewildert worden. „Botswana hat den grössten verbliebenen Elefantenbestand in Afrika. Anstatt dem Handel und dem Abschuss von Elefanten das Wort zu reden, muss die Regierung dringend gegen Wilderer und kriminelle Elfenbeinhändler vorgehen.“, ergänzt Freyer. Kritiker werfen dem amtierenden Präsidenten Botswanas vor, mit seinem Feldzug gegen Elefanten und andere Wildtiere vor allem auf Wählerstimmen der Landbevölkerung bei den im Oktober anstehenden Präsidentschaftswahlen abzuzielen, die angeblich Erlöse aus Elfenbeinhandel und Jagd erhalten soll. „Die Menschen vor Ort und bedrohte Wildtiere wie Elefanten werden hier gleichermaßen als politischer Spielball missbraucht. Von Tierhandel und Trophäenjagd profitieren reiche Eliten, korrupte Funktionäre und kriminelle Syndikate – nicht die Tiere und die Menschen, die mit ihnen leben“, so Freyer.

Wildtiere als politischer Spielball

32 afrikanische Staaten lehnen die Elfenbein-Handelspläne hingegen strikt ab: Sie haben sich in der „African Elephant Coalition“ zusammengeschlossen und fordern auf der Artenschutzkonferenz den strengen Schutz aller Elefanten und dauerhaftes Verbot des Elfenbeinhandels. Sie fordern zudem, erstmalig die Giraffe unter Schutz zu stellen. Der Handel mit den Tieren für Dekoartikel, Fleisch, Trophäen und Zoos ist bisher uneingeschränkt möglich, obwohl die Bestände in den vergangenen 30 Jahren um fast 40 Prozent eingebrochen sind.

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