Wildtiere

Australien: Feuer ein Wendepunkt für den Klima- und Artenschutz?

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Die verheerenden Buschbrände in Australien haben weltweit Entsetzen und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Sie dominieren zudem den Beginn eines Jahres, das eigentlich dem Erhalt der internationalen Biodiversität gewidmet ist.

„Australiens Inferno, das eine Katastrophe für die Flora und Fauna darstellt, ist der laute Weckruf für die Industrieländer, die Weiter-So-Klimapolitik zu ändern und die längst überfällige Kurskorrektur anzustossen, “ so Astrid Fuchs von Pro Wildlife. „Ohne Klimaschutz ist kein Lebensraumschutz und damit auch kein Artenschutz möglich! Klima- und Artenschutz gehören ganz oben auf die politische Agenda.“

Australien: Eine einzigartige Artenwelt verbrennt

Während Koalas derzeit die Schlagzeilen prägen, sind auch tausende weitere Arten, die nur in Australien vorkommen, von den Feuern betroffen; darunter Kängurus, Schnabeltiere, Graukopf-Flughunde, kleine Kurznasenbeutler, Nasenkakadus, Buntwarane, seltene Skinke und zahllose Insektenarten. „Australien zählt zu den Top Ten der artenreichsten Länder der Erde, mehr als 80 Prozent der Säugetiere und 90 Prozent der Reptilienarten sind endemisch und kommen nur hier vor. Die Feuer sind für zahlreiche Spezies eine ernsthafte Bedrohung, dutzende Wirbeltier- und hunderte Insekten-Arten könnten aussterben“, erklärt die Pro Wildlife-Sprecherin. Bisher ist das Ausmass der Schäden jedoch kaum absehbar. Eine Fläche von mehr als zehn Millionen Hektar fiel in den vergangenen zwei Monaten den Feuern in Australien zum Opfer, darunter auch Nationalparks und andere Schutzgebiete. Retter vor Ort sprechen von apokalyptischen Szenen, häufig kommen auf jedes lebend gefundene Tier zahllose tote.

2020: das Super-Biodiversitätsjahr

Gleich mehrere wichtige Artenschutz-Konventionen tagen in diesem Jahr, die EU will Ende Februar ihre Biodiversitätsstrategie für die kommenden zehn Jahre präsentieren. Alle diese Aktivitäten sind von den alarmierenden Berichten des Weltklimarates IPCC und des Weltbiodiversitätsrates IPBES überschattet, die 2019 veröffentlicht wurden. „Die Warnungen von IBPES und IPCC wurden von der Weltpolitik bisher kaum beachtet; die Biodiversitätsziele für 2020 werden krachend verfehlt“, ergänzt Astrid Fuchs.

Politische Kehrtwende nach der Katastrophe in Australien?

Angesichts des Ausmasses der Feuer und der internationalen Aufmerksamkeit fordert Pro Wildlife eine längst fällige politische Kehrtwende: „In Australien ist einem hochentwickelten Industrieland die Kontrolle völlig entglitten, die Regierung zeigt sich hilflos, die Weltöffentlichkeit ist geschockt. Wir hoffen, dass die katastrophalen Buschfeuer zu einem Umdenken in der internationalen Klimapolitik führen“, so die Pro Wildlife Sprecherin abschliessend. „2020 ist das richtige Jahr dafür.

Stoppt die Känguru-Jagd

Abertausende Kängurus sind in Australiens verheerenden Buschbränden gestorben. Trotzdem dürfen sie in vielen betroffenen Gebieten weiterhin massiv bejagt werden. Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife fordert, die systematische Tötung von mehr als einer Million Kängurus pro Jahr für Tierfutter, Fleisch und Leder dauerhaft zu beenden.

Jetzt wurde bekannt, dass das italienische Luxuslabel Versace aus Tierschutzgründen auf Känguruleder verzichtet. Auch einige britische Supermarktketten verkaufen kein Kängurufleisch mehr.

Deutschland ist der drittgrösste Importeur von Känguru-Produkten. Deutsche Unternehmen haben sich bisher geweigert, Fußballschuhe, Hundefutter und Steaks aus Känguru aus dem Sortiment zu nehmen. Angesichts der verheerenden Auswirkungen der Buschbrände fordern wir alle Unternehmen auf, keine Känguruprodukte mehr zu verkaufen“, so Daniela Freyer von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Führende Sportartikelhersteller wie Adidas, Puma und Nike verwenden Känguruleder (unter der Bezeichnung „K-Leather“) beispielsweise für Fußballschuhe. Das Fleisch wird von deutschen Supermarktketten wie Lidl, Aldi, Rewe oder Netto sowie von zahlreichen Tierfuttermärkten angeboten.

Der Öffentlichkeit ist bisher kaum bekannt, dass Australiens Wappentiere massenhaft und auf grausame Weise abgeschlachtet werden, um sie industriell zu Tierfutter und Fußballschuhen zu verarbeiten. Auch in von Buschfeuern besonders stark betroffenen Gebieten wie Kangaroo Island, Victoria und New South Wales werden die einzigartigen Tiere bislang massenhaft abgeschossen. Die Regierung von Victoria hatte erst vor kurzem grünes Licht für die fortgesetzte Bejagung der Tiere für die Tierfutterherstellung gegeben. Wegen der Buschbrände haben zumindest Victoria und Kangaroo Island die Jagd vorübergehend ausgesetzt – allerdings nur, bis sie die Auswirkungen der Brände auf die Tierwelt besser abschätzen können. Andere Bundesländer wie New South Wales haben bisher überhaupt keine Maßnahmen getroffen. Dort hatte die Regierung angesichts anhaltender Dürre und knapper Ressourcen Kängurus als „Plage“ bezeichnet und ihren Abschuss erleichtert.

Die australische Regierung behauptet aufgrund fragwürdiger Hochrechnungen, die Bestände für manche Arten hätten zugenommen und die Jagd sei erforderlich, weil die Wildtiere Schaden anrichten würden. Wissenschaftler und Tierschützer warnen seit langem, dass die Massen-Tötung die Bestände gefährden könnten und dass zuverlässige Bestandszahlen fehlen. Auch kommerzielle Jäger, sogenannte „Shooters“, hatten australischen Medienberichten zufolge bereits vor dem Feuer-Inferno beklagt, nicht ausreichend Tiere vorzufinden.

„Kängurus sind seit Millionen Jahren in Australien heimisch. Jetzt machen Viehhalter und Politiker sie zum Sündenbock für eine verfehlte Landwirtschaft in zunehmend von Dürre betroffenen Regionen, und degradieren sie zu Schädlingen, die millionenfach abgeschossen werden. Diese erbarmungslose Verfolgung muss gerade nach den verheerenden Bränden endlich ein Ende haben“, so die Pro Wildlife Sprecherin.

Hintergrundinformationen:

  • Zwischen 2013 und 2016 wurden 19 Prozent des aus Australien exportierten Känguru-Fleisches nach Deutschland geliefert, insgesamt mehr als 2.500 Tonnen. Fast 14 Prozent der weltweit gehandelten Häute und zehn Prozent des Leders landen in Deutschland.
  • Vier großwüchsige Känguru-Arten werden in Australien kommerziell bejagt. Weil die Jagd nachts und mit Schusswaffen stattfindet, werden viele Tiere nur verletzt. Zudem sterben Abertausende Kängurubabys in den Beuteln ihrer Mütter als Kollateralschaden der Jagd – auch wenn Tierschutzstandards dies eigentlich verhindern sollen.
  • Kängurus haben eine geringe Fortpflanzungsrate, meist überleben im Jahr nur zwei Jungtiere pro Weibchen. In Trockenperioden sterben sogar bis zu 100 Prozent der Jungtiere.
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Die Artikel auf der Website der IG Wild beim Wild sind von und mit den Mitarbeitern von der IG und weiteren Co-Autoren als auch von Dritten.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Da fällt mir noch sehr viel dazu ein. Die Brände in Australien werden bewusst gelegt! Es wurden bereits über 200 Brandstifter verhaftet. Der Hintergrund sind korrupte Politiker, welche das Land und die Wasserrechte an Frackingfirmen verkauft haben. Die Gewässer werden mit Dämmen gestoppt. Die meisten Flüsse sind aus diesem Grund ausgetrocknet. Die Bewohner sind dadurch gezwungen ihre Häuser zu verlassen und in die Städte zu ziehen. Das ist Menschgemacht und hat nichts mit dem Klimawandel zu tun! Die Umweltorganisationen sollen die korrupten Regierungsmitglieder anprangern aber dazu fehlt ihnen der Mut und möglicherweise profitieren sie noch vom Elend und dem Leid der geschundenen Natur…

  2. Avatar
    Christine Hanstein-Gruenke

    Dazu fällt mir nichts mehr ein. Überall wird auf Kosten der Tiere Profit gemacht, egal ob vom Aussterben bedroht oder durch „Naturkatastrophen“ getötet. Der Mensch ist immer die Ursache allen Übels und wird es auch bleiben. Solange die Mächtigen der Welt (Politiker, Geschäftsleute und Aktionäre) nicht bereit sind, konsequent etwas für die Natur aufzugeben, wird die Erde kurzfristig zum leeren Planeten. Da möchte ich nicht mehr leben wollen. Da helfen auch alle KLimagipfel , die ja nur eine Farce sind, null.

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