Weiterbildung für Jäger

Niederwildjagd: Schrot oder Kugeln?

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In der Schweiz werden jährlich circa 42 000 Rehe erlegt, der grössere Teil davon, primär in den Kantonen des schweizerischen Mittellands, mit Schrot. Der Grund für die Verwendung von Schrotmunition auf der Niederwildjagd liegt darin, dass das meiste Rehwild in der Schweiz während des Herbstes auf sogenannten tierquälerischen „Schrotgesellschafts- bzw. Bewegungsjagden“ erlegt wird. Das Rehwild wird meist mittels lautjagenden Jagdhunden in bewaldeten Gebieten gejagt. Und dabei das ganze Biotop in Angst und Schrecken versetzt.

In Deutschland ist es nicht waidgerecht und verboten, wenn mit Schrot auf Rehe geschossen wird. Jagdhunde jagen auf der Niederwildjagd Rehe aus deren Einständen in den Dickungen und bringen sie so in Bewegung. Dabei bewegen sich die Rehe auf sogenannten Wechseln (kleine Trampelpfade). Die Hobby-Jäger werden in den bejagten Beständen in der Nähe von diesen Rehwechseln abgestellt. Da die Rehe den jagenden Hunden ausweichen (fliehen) wollen, werden die meisten Rehe in der Bewegung auf diesen Wechseln, auf relativ kurze Distanz von 20 bis maximal 35 m, mittels Schrotschuss erlegt. Die unstete Bewegungsart von getriebenem Rehwild im Gelände lässt oft keinen sicheren Kugelschuss auf der Niederwildjagd zu. Ein weiterer Vorteil des Schrotschusses sei der wesentlich kleinere Gefahrenbereich im Raum, als bei der Verwendung von Kugelmunition.

Der optimale Schrottreffer erfolgt bei grösseren Wildtieren (Reh, Fuchs, Dachs) möglichst breitseitig, wobei sich das Zentrum des Schrotschusses (Garbe) im Bereich von Herz und Lunge (Kammer) der Tiere befinden sollte. Für die sofortige tödliche Wirkung sind beim Schrotschuss in erster Linie die Anzahl der Schrote, welche auf den Wildkörper auftreffen, sowie deren Energie massgebend. Der Schrotschuss wirkt einerseits durch die hohe Energie der auftreffenden Schrote auf den Wildkörper, der zu einem Schock führt, andererseits führt er durch direkte Organtreffer zum Tod. Entscheidend ist in jedem Fall, dass eine Distanz bis maximal 35 m eingehalten wird, da ab dieser Distanz die Durchschlagskraft der Schrote (Energie) und die Deckung der Schrotgarbe in gravierender Weise abnehmen.

Vielerorts gehen laut Medienberichten mafiöse Strukturen, Korruption und Kriminalität mit der Schiesskultur der Ökoterroristen einher.

Die Wirkungen des Schrotschusses wurden in einem Aufsatz von P. Kuhn 2004 in jagdlichen Propagande–Zeitschriften publiziert. Die untenstehenden Ausführungen basieren auf diesem Aufsatz. Der Schock eines Schrotschusses wird in der Regel als Folge von reflexiver Erregbarkeit von peripher endenden Empfindungsnerven beschrieben. Es ist also davon auszugehen, dass das fast gleichzeitige Auftreffen mehrerer Schrote auf viele Nervenenden eine Art Lähmung hervorruft. Ein mit 250 m/s auftreffendes Schrotkorn der Stärke 3.5 mm durchschlägt die Winterdecke und beide Knochenwände der Halswirbel. Die Eintrittstiefe eines Schrots der Stärke 4 mm, durchschlägt den Schädel eines Rehes problemlos und bleibt im Hirn stecken. Treffer des Schädels und der Wirbelsäule bewirken unverzüglich einen Zusammenbruch und den Tod des Tieres.

Bezüglich der Durchschlagsleistung von einzelnen Schrotkörnern wurden folgende Werte ermittelt: Treffer auf 40 m mit einer Schrotstärke von 4 mm haben eine Eindringtiefe von 11 cm, bei 30 m bereits 15 cm und bei 25 m kann es bereits Durchschüsse geben.

Man geht davon aus, dass auf eine Distanz von 25–30 m, circa 15–20 Schrote auf dem Wildkörper genügen, um eine tödliche Wirkung zu erreichen.

Für die Tötungswirkung des Schrotschusses in erster Linie die Distanz zwischen dem Hobby-Jäger und dem beschossenen Wild relevant. Wird die maximal zulässige Schussdistanz eingehalten und der Schuss auf die Breitseite des Tiers abgegeben, ist die Tötungswirkung des Schrotschusses mindestens genauso sicher wie der Schuss mit Kugelmunition, weil er schlagartig auf die peripher endenden Empfindungsnerven wirkt und die lebenswichtigen Organe zerstört. Ein weiterer bedeutender Vorteil eines Schrotschusses gegenüber dem Kugelschuss sei die Möglichkeit, Rehwild in Bewegung sicher zu erlegen. Die unstete Bewegungsart von getriebenem Rehwild im Gelände auf der Niederwildjagd lässt oft keinen sicheren Kugelschuss zu.

Wird ein Wildtier mit Schrot lediglich angeschossen, hat dies meist eine schwierige Nachsuche zur Folge. Schlechte Schüsse mit Schrot werden in erster Linie dadurch verursacht, dass die maximale Schussdistanz überschritten oder aber, dass auf zu schnell flüchtendes Wild geschossen wird. Es ist somit primär eine Frage der Selbstdisziplin der Hobby-Jäger, ob ein mit Schrot beschossenes Wildtier sicher erlegt werden kann oder aber lediglich verletzt wird. Dies wird so von den Nachsucheführern der Nachsucheorganisation sowie der kantonalen Wildhut übereinstimmend bestätigt.

Gefährlichkeit von Schrotschüssen

In der militanten Zeitschrift „Jagd & Natur“ wird bei einer Betrachtung der Gefährlichkeit von Schrotschüssen schlussgefolgert, dass „Schrote bis auf fast 150 Meter tendenziell gefährlich sein können“ da Schrote, welche das Tier nicht treffen sich kegelförmig ausbreiten und andere Hobby-Jäger, Treiber und Nichtbeteiligte auf der Niederwildjagd schädigen könnten.

Strassenbeläge, Wasseroberflächen, Steine usw. können die Flugbahn der Geschosse bis zu 90 Grad verändern. Solche Querschläger können unter Umständen noch mehrere Kilometer weit fliegen und dabei Menschen oder Tiere gefährden. Aus diesem Grund ist vor jeder Schussabgabe sicherzustellen, dass immer ein Kugelfang vorhanden ist.

Bei einer Schussabgabe befindet sich die eigentliche Gefahrenzone zwischen der Gewehrmündung und dem Kugelfang, der das Geschoss nach dem Durchschlagen des Ziels (Wildkörper) letztlich sicher aufnehmen soll. Diese muss frei sein von Hindernissen wie Büschen, hohem Gras usw.. Es darf immer nur dann geschossen werden, wenn ein wirksamer Kugelfang (gewachsener Boden) vorhanden ist. Dichte Vegetation oder Wasser sind ungenügend und gelten nie als ausreichend sicherer Kugelfang.

Qualitätsverluste des Wildfleisches

Je nach verwendeter Jagdmunition verändern sich auch die Gefährdungsdistanzen. Bei der Verwendung von Kugelmunition beträgt sie bis zu 6000 m. Im Vergleich dazu beträgt die Gefährdungsdistanz bei der Jagd auf Rehwild mit Schrot bis zu 150 m. Als Faustregel für den Schrotschuss gilt: Schrotdurchmesser in Millimeter x 100 = Gefährdungsdistanz in Metern. Bei einer Schrotgrösse von 3.5 mm ergibt das eine rechnerische Gefährdungsdistanz von 350 Metern.

Schüsse mit Schrot aus nächster Nähe haben eine verheerende Wirkung und gehen mit einem entsprechenden Wildbrettverlust einher. Schüsse aus einer Distanz zwischen 15 und 35 m führen zu einem Blutaustritt aus verletzten Blutgefässen im Körpergewebe oder zu einer Blutansammlung in einer vorbestehenden Körperhöhle (Hämatome) und lassen auch einzelne Schrotkugeln im Muskelfleisch zurück. Die Hämatome können beim Zerwirken entfernt werden. Schüsse in den Verdauungstrakt (Weichschüsse) sind mit Schrot möglich, sogar wahrscheinlich. Der Austritt von Panseninhalt durch die kleinen Löcher ist nicht vergleichbar mit einem diesbezüglichen Kugelschuss. Ein Weichschuss mit einer Kugel führt in der Regel durch den hohen Druck zu grösserer Verunreinigung und grösserem Wildbrettverlust, da der Pansen beim Durchschuss des Geschosses explosionsartig platzt.

Das kantonale Laboratorium Bern hat 2015 die Bleibelastung von Wildfleisch untersucht. Danach kann Wildfleisch bei mangelhafter Verarbeitung durch bleihaltige Munitionsrückstände verunreinigt werden. Davon betroffen ist insbesondere das Fleisch in der Nähe des Einschusskanals. Deshalb ist es beim Zerlegen wichtig, dass das Fleisch in dieser Region grosszügig herausgeschnitten wird. Gemäss den Ausführungen des Laboratoriums Bern existieren keine Grenzwerte für Blei in Wildfleisch, da der Gesetzgeber (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen) den Verzehr von Wildfleisch trotz der gelegentlichen Bleikontamination gesundheitlich als unbedenklich erachtet. Die Konsumenten dürfen aber erwarten, dass Wildfleisch nach den Regeln der guten Herstellungspraxis gewonnen wird. Aus diesem Grund haben die Kantonschemiker vor einigen Jahren beschlossen, dass ein Bleigehalt bis 2 mg/kg in Wildfleisch toleriert werden kann.

Erlegtes Wild ist grundsätzlich Aas und daher eigentlich gar nicht für den Verkauf sowie Konsum statthaft.

Blei-Schrot belastete Greifvögel

Meist werden die Innereien am Abschussort belassen und Greifvögel fressen diese dann auf. Sind die Innereien durch den Abschuss mit Schrot versetzt, können die Vögel diese aufnehmen. Die Vogelwarte Sempach informierte in den Avinews vom April 2014 über die Erkenntnisse aus einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, dem Rechtsmedizinischen Institut der Universität Zürich sowie dem Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich.

In diesem Projekt wurde die hohe Bleibelastung von Steinadler und Bartgeier in der Schweiz und die dafür verantwortlichen Gründe untersucht. Mit Fotofallen konnte gezeigt werden, dass Steinadler zurückgelassene Innereien (Aufbrüche) bei der Hoch- und Steinwildjagd systematisch nutzen. Wenn Gämsen, Rothirsche und Steinböcke auf der Jagd oder durch die Wildhut mit Bleimunition erlegt werden und sich Steinadler und Bartgeier von den liegen gebliebenen Überresten ernähren, kann Blei in die Nahrungskette gelangen. Die starke Magensäure der Greifvögel wandelt das elementare Blei so um, dass dadurch die Aufnahme im Körper beschleunigt wird, was zu einer Vergiftung und dem Tod der Tiere führen kann.

Im internationalen Vergleich stellt die Studie fest, dass die Bleibelastungen der Steinalder und Bartgeier im gesamten Schweizer Alpenraum ungewöhnlich hohe Werte erreichen und höher waren als in anderen europäischen Ländern (z. B. Spanien/Pyrenäen) und in Nordamerika.

Streif- und Jagdgebiete von Bartgeier und Steinadler befinden sich oberhalb der Waldgrenze. Das Rehwild wird im Kanton meist in bewaldeten Gebieten erlegt. Die zurückgelassenen Aufbrüche befinden sich somit im Wald, wo sich beide Arten aufgrund ihrer Lebensweise und aufgrund ihrer Flügelspannweite nicht aufhalten können. Am häufigsten werden die zurückgelassenen Aufbrüche von Füchsen genutzt.

Wahlfreiheit der Hobby-Jäger auf der Niederwildjagd

In vielen Regionen ist für die Jagd auf Rehwild sowohl der Schrot- wie auch der Kugelschuss zulässig. Eine solche Regelung ermöglicht es den Hobby-Jägern individuell zu entscheiden, mit welcher Jagdart (Ansitz, Pirsch, laute Jagd) sie das Rehwild bejagen wollen. Die Zulassung von beiden Munitionstypen hat den Vorteil, dass Hobby-Jäger denjenigen Munitionstyp für die Ausübung der Jagd und der jeweiligen Jagdart wählen können, der ihnen persönlich mehr entspricht. Dies kann auch die Sicherheit bei der Jagdausübung erhöhen. Auch aufgrund des sozialen und gesellschaftlichen Wandels kann heute nicht mehr vorausgesetzt werden, dass jeder Hobby-Jäger über einen laut jagenden Hund, den er auf der Rehwildjagd einsetzen kann, verfügt. Ohne einen brauchbaren Hund ist die Rehwildjagd kaum durchführbar.

Die zwei wichtigsten Vorteile des Schrotschusses gegenüber der Verwendung mit Kugelmunition aus dem Jägerlatein:

  1. Der Schrotschuss ermöglicht, Rehwild in Bewegung sicher zu erlegen. Die unstete Bewegungsart von getriebenem Rehwild im Gelände lässt oft keinen sicheren Kugelschuss bei der Bewegungsjagd auf getriebenes Rehwild zu.
  2. Kleinerer Gefährdungsbereich im Vergleich zu Kugelmunition.

Schweizer Tierschutz STS

Eine Studie aus Dänemark zeigt auf, dass rund 25 % der dort tot aufgefundenen und auf der Jagd erlegten Füchse einzelne Schrote im Körper stecken hatten – jeder vierte Fuchs wurde also im Lauf seines Lebens zumindest einmal von einer Schrotgarbe gestreift! Aus der Schweiz sind keine vergleichbaren Daten bekannt. Jedoch kann mit Sicherheit gesagt werden, dass jede Schussverletzung für ein Wildtier ein grosses Handicap darstellt.

Ein Problem im Zusammenhang mit Schrotschüssen ist der Umstand, dass die Wunden im Falle eines Streifschusses oft zu wenig bluten, um eine für die Nachsuche dienliche Spur zu hinterlassen. Die Gefahr, dass das angeschossene Tier nicht mehr aufgefunden wird, ist daher deutlich grösser als beim Kugelschuss!

Es versteht sich von selbst, dass es einiger Übung bedarf und dass die Gefahr, ein Tier nur zu verwunden, bei Schrotschüssen besonders gross ist.

Schüsse mit Schrot sind bezüglich Trefferlage schwieriger einzuschätzen als Kugelschüsse. Zudem «zeichnet» das beschossene Wild – etwa Feldhase, Fuchs oder Stockente – weniger deutlich und anders, als die Paarhufer. Von Schrot tödlich getroffene Füchse oder Hasen überkugeln sich meist am Boden, fliegende Enten stürzen wie ein Stein zu Boden. Wurde ein fliehendes Tier nur angeschossen, schlagen Fuchs oder Hase evtl. nur kurz im Lauf am Boden auf. Vögel «trudeln» mit hängendem Flügel, wenn nur dieser getroffen wurde. Neben allfälligen Blut- und Gewebespuren finden sich am Anschussort teilweise weitere Schussspuren wie aufgerissene Erde, abgeschossene Zweige oder Einschläge in Baumstämmen. Aus der Summe der Beobachtungen vor Ort kann ein erfahrener Hundeführer meist recht gut abschätzen, was passiert ist.

Der STS fordert seit Jahren ein Verbot von Schrot-Schüssen auf Wildschwein und Reh, weil bei diesen Wild-Arten die Gefahr nicht tödlicher Schrot-Treffer und erschwerter Nachsuchen hoch ist.

Grundsätzlich sollte auf flüchtiges, aber auch ziehendes (= schreitendes oder schnürendes) Wild kein Schuss abgegeben werden, vor allem nicht mit der Büchse. Tiere dürfen aus Sicht des STS nur im Stehen beschossen werden, wenn ein tödlicher Schuss gezielt angebracht werden kann. Dies sollte auch für Treibjagden gelten – auch hier wäre abzuwarten, bis ein Tier innehält, ehe der Schuss angebracht wird. Auch ein grundsätzliches Verbot der Vogeljagd und Baujagd wäre in diesem Zusammenhang konsequent. Den Einsatz von Schrot («Tontaubenschiessen auf lebende Tiere») müsste man grundsätzlich hinterfragen.

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