Tierschutzorganisationen haben die Aufgabe, das Tierwohl zu fördern.

Die anstehenden Initiativen wirken sich direkt und indirekt zugunsten der Tiere aus und werden deshalb von den Tierschutzorganisationen aktiv unterstützt.

Obwohl in den letzten Jahren einige Fortschritte erzielt wurden, gibt es in der Schweiz immer noch Tierhaltungen, in denen Tiere in grossen Massen unter misslichen Bedingungen gehalten werden und bis zur Schlachtung nie das Licht der Sonne erblicken.

Pestizide haben direkt und indirekt negative Auswirkungen auf das Tierwohl, insbesondere bei Wildtieren, wie Fische, Vögel, Igel, Amphibien usw. Da diese Themen im Rahmen der sistierten Agrarpolitik AP22+ nicht diskutiert werden konnten, heissen die Tierschutzorganisationen die Initiativen gut und fordern auf diesem Weg konkrete Lösungen für die Tierschutz-, Pestizid-, Antibiotika- und Nährstoffproblematik sowie die vorhandenen Vollzugsprobleme.

Die Trinkwasserinitiative wirkt bei folgenden Punkten zum Wohl der Tiere:

Tierwohl statt Antibiotikamissbrauch: Gut gehaltene Tiere sind die beste Prävention gegen Krankheiten und machen prophylaktischen Antibiotikaeinsatz unnötig. Dürfen keine prophylaktischen Antibiotika mehr eingesetzt werden, zwingt dies die Landwirtschaft, die Haltungsbedingungen zu verbessern.

Falsches Management und schlechte Haltungsbedingungen machen krank. Prophylaktische oder regelmässige Antibiotikagaben werden notwendig, um die tierfeindlichen Lebensumstände zu kaschieren.

Die Trinkwasserinitiative fördert echte Prävention durch angepasstes Management und gute Haltungsbedingungen, indem bei prophylaktischen oder regelmässigen Antibiotikagaben keine Subventionen mehr bezahlt werden.

Beispiel Kälbermast: Kühe müssen regelmässig Kälber gebären, wenn sie Milch geben sollen. Werden diese Jungtiere (sogenannte. «Tränker») dann von Kälbermästern aufgekauft, transportiert und neu zu Mastgruppen zusammengestellt werden, verursacht dies Stress. Zudem kommen mit den Tieren auch Krankheitserreger von verschiedenen Höfen zusammen. Das führt sehr oft zu Erkrankungen, denen dann wiederum mit Antibiotikagaben begegnet wird.

Beispiele wie dieses zeigen, dass Antibiotikagaben überflüssig werden, wenn das Management geändert wird (z.B. Kälber auf dem eigenen Hof aufziehen) oder Stallklima und Hygiene verbessert werden. Die Forderung der Trinkwasserinitiative, dass Bauern, die auch in 8 Jahren noch prophylaktisch Antibiotika einsetzen keine Subventionen mehr erhalten, liegt deshalb auf der Hand und ist das Mindeste, das zu verlangen ist.

Tierfeindliche Massentierhaltungen und tierschutzwidrige Managementpraktiken werden durch tiergerechte Haltungsformen ersetzt werden müssen. Damit sind keine teuren Investitionen in aufwändige Stallsysteme gemeint, vielmehr gilt: eine Vereinfachung und Rückkehr zur naturnahen Landwirtschaft hilft, diese Probleme zu überwinden.

Der Futtergrundlage angepasste Tierbestände verhindern Massentierhaltung

Die Initiative fordert, dass nur noch Betriebe Subventionen erhalten, die einen Tierbestand halten, der im Prinzip mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden kann (regionaler Austausch bleibt möglich).

Industrielle Tierhaltungen verwenden oft grosse Mengen importierter Futtermittel wie etwa Soja aus Brasilien, wofür Regenwald abgeholzt wird. In solchen Betrieben fehlt der persönliche Bezug des Tierhalters zum Tier und die Würde des Tiers wird systematisch verletzt, indem es als reines Produktionselement angesehen wird. Für solche Betriebe sollen keine Steuergelder mehr eingesetzt werden.

Tierschutzgerecht handelnde Familienbetriebe hingegen, welche Tiere in angepasster Zahl halten und denen das Tierwohl wichtig ist, können mit den freiwerdenden Subventionsgeldern besser unterstützt werden. Ein Ausstieg der Tierhalter aus den bestehenden Tierwohlprogrammen ist nicht zu befürchten.

Der Artikel 104a der Bundesverfassung erlaubt dem Bund Nachhaltigkeitskriterien für Importe einführen. Damit können Importe, die nicht unseren Vorschriften entsprechen, verhindert werden.

Die Tierschutzorganisationen sind deshalb überzeugt, dass diese Initiative den Weg zu einer tiergerechten Nutztierhaltung weist und mittelfristig die Bauernschaft stärkt, indem Schweizer Produkte in allen Punkten über dem Weltmarktniveau liegen und somit auch bei sich öffnenden Märkten einen Platz in unseren Einkaufskörben finden werden.

Pestizidinitiative: Umweltschutz ist auch Tierschutz!

Für die Zulassung von Pestiziden müssen schwerstbelastende Tierversuche durchgeführt werden, um deren Giftigkeit zu prüfen. Die auf den Feldern ausgebrachten Pestizide, namentlich Insektizide, schädigen direkt und indirekt die Tiere, die sich im Feld aufhalten, aber durch Abschwemmung und Verdriftung auch Tiere in Gewässern, im Wald und weiteren Biotopen. Besonders unter den Giftduschen leiden beispielsweise Amphibien, Igel, Vögel und Fische, da auch deren Futtertiere stark dezimiert werden.

JA zu einer nachhaltigen und tiergerechten Landwirtschaft

Aus den obgenannten Gründen empfehlen die Tierschutzorganisationen ein JA zu beiden Initiativen.

Die Tierschutzorganisationen fordern alle TierfreundInnen auf, beide zukunftsweisenden Initiativen zu unterstützen und am 13. Juni mit einem überzeugten 2xJA das Tierwohl in der Schweiz zu fördern – den Tieren und der eigenen Gesundheit zuliebe.

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