Die Initiative fördert eine ökologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen, die durch kleinere Tierbestände auch dem Tierwohl zuträglich ist.

Es besteht auch ein klarer Zusammenhang zwischen dem Tierwohl und der Qualität des Trink-, des Grundwassers und von Oberflächengewässern. Die Ziele der Trinkwasserinitiative sind daher tierschutzrelevant.

Der Schweizer Tierschutz STS setzt sich für die bäuerliche Tierhaltung ohne Tierfabriken ein. Deren Bewirtschaftung soll naturnah sein und die Biodiversität stärken. Um Flora und Fauna zu schützen und im Speziellen Fische, Vögel sowie Insekten nicht zu gefährden, ist eine drastische Reduktion der Einträge an Pestiziden nötig. Antibiotika sind hoch wirksame Stoffe, die in der heutigen Praxis viel zu häufig eingesetzt werden. Mit einer artgemässen Tierhaltung wird das Immunsystem der Tiere gestärkt und letztlich auch der Antibiotikaeinsatz reduziert.

Der STS unterstützt die Absicht, dass die Landwirtschaftsbetriebe das Futter für ihre Tiere selber produzieren oder dies allenfalls regional austauschen können. Auf dieser Futtergrundlage sollen die Nährstoffkreisläufe geschlossen und im Inland die Produktionskapazitäten ausgeschöpft werden. Damit will der STS verhindern, dass die tierische Produktion immer mehr ins Ausland verlagert wird. An die Importe sind hinsichtlich Nachhaltigkeits- und Tierwohlstandards dieselben Anforderungen zu stellen.

Der Schweizer Tierschutz STS befürwortet die Ziele der Initiative, die die Wasserqualität thematisiert und damit die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt nicht gefährden will. Da kein Gegenvorschlag zur Debatte steht und diese Themen im Rahmen der sistierten Agrarpolitik AP22+ nicht diskutiert werden konnten, heisst der STS die Initiative gut und fordert auf diesem Weg konkrete Lösungen für die Pestizid-, Antibiotika- und Nährstoffproblematik sowie die vorhandenen Vollzugsprobleme.

Mit unseren Steuergeldern wird der Klimawandel angeheizt. 82 % unserer Subventionen fliessen in die Tierproduktion und nur 18 % in den Pflanzenbau. So erreichen wir die Klimaziele nie. Und auch kein nachhaltiges Ernährungssystem.

Die Fleischproduktion in der Schweiz wird durch 1,2 Millionen Tonnen Importfutter künstlich in die Höhe getrieben. Dadurch entstehen enorme Düngerüberschüsse in Form von Gülle, Mist und Ammoniak, die unsere Böden nicht aufnehmen können. Besonders problematisch ist das stickstoffhaltige Gas Ammoniak, das beim Ausbringen der Gülle in die Luft entweicht.

Eine Reduktion des Fleischkonsums um lediglich 12 % würde zusätzliche Importe unnötig machen, die Umwelteffekte im Ausland würden entfallen. Eine solche Reduktion erfolgt allein durch die Verminderung des Foodwaste (bei Rindfleisch heute 30 %), zu der sich die Schweiz im Ernährungssicherheitsartikel 104a sowie in den Nachhaltigen Entwicklungszielen der UNO verpflichtet hat.

Ammoniak führt zur Versauerung und Überdüngung von Böden, Wäldern und Gewässern, gefährdet die Biodiversität und schädigt das Klima. Es belastet zudem die menschlichen Lungen mit FeinstaubDer Grenzwert von Ammoniak wird in der Schweiz seit Jahrzehnten um 70% überschritten!

Die Trinkwasserinitiative ist nicht nur klimatauglich, sondern sie spielt auch eine gewichtige Rolle im Klimaschutz.

Klimaforscher Thomas Stocker. 

Ex-Geschäftsführer gegen Agrarinitiativen

Kürzlich hat sich Hansuli Huber, ehemaliger Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes (STS), in einem Leserbrief wie folgt zu den beiden Agrarinitiativen geäussert: «Mit extremen Forderungen und einseitigen Schuldzuweisungen lassen Initianten und Unterstützer Respekt, Anstand und Wertschätzung gegenüber den Bauernfamilien vermissen.»

Mittlerweile weht beim STS unter dem aktuellen Geschäftsführer Stefan Flückiger ein anderer Wind. Zumindest die Trinkwasser-Initiative hat der Dachverband gutgeheissen, da sie eine ökologische und kleinbäuerliche Landwirtschaft mit geschlossenen Kreisläufen fördere, die durch kleinere Tierbestände auch dem Tierwohl zuträglich seien.

Der STS selbst beteiligt sich aber nicht aktiv im Abstimmungskampf. Man möchte die Ressourcen schonen und sich auf die Massentierhaltungsinitiative konzentrieren, deren Stellenwert für die Tiere erste Priorität hat, sagt Flückiger der Bauernzeitung. Umso mehr machen zahlreiche STS-Sektionen für die Agrarinitiativen Werbung.

«Ausstieg aus Tierwohlprogrammen nicht zu befürchten»

Sie begrüssen es, dass für solche Betriebe keine Steuergelder mehr eingesetzt werden. Tierschutzgerecht handelnde Familienbetriebe, welche Tiere in angepasster Zahl halten und denen das Tierwohl wichtig ist, könnten mit den freiwerdenden «Subventionsgeldern» besser unterstützt werden, sind sie der Ansicht. Und: «Ein Ausstieg der Tierhalter aus den bestehenden Tierwohlprogrammen ist nicht zu befürchten

In einem konkreten Beispiel nehmen sie die Kälbermast in die Zange. Ganz anderer Meinung ist die Tierärzteschaft. Grosse Landwirtschaftsbetriebe würden aus dem Direktzahlungssystem aussteigen und wären nicht mehr an die Vorgaben für eine tierfreundliche Haltung gebunden, sagen sie. Was sagt der STS dazu? Flückiger: «Wir beurteilen dies anders und sehen in der Trinkwasser-Initiative Chancen für die Transformation hin zu einem nachhaltigeren und tierwohlorientierteren Ernährungssystem und weniger Risiken für Wildtiere.»

Tierwohl im Ausland

Auch die grösste Tierschutzorganisation der Schweiz trotzt den Befürchtungen, dass die Tierhaltung vermehrt ins Ausland verlagert werden könnte und die Schweizer Bevölkerung indirekt mitverantwortlich für Tierleid in anderen Ländern würde. Im Abstimmungskampf müsste die Diskussion in die Richtung höherer Anforderungen für Importe laufen, meint Flückiger.

Man sei mit Vorstössen erfolgreich unterwegs, dass das Thema der Deklaration von in der Schweiz verbotenen Produktionsmethoden bald wieder ins Parlament kommt. «Dort müssen die Anforderungen deutlich verschärft werden, sodass die Importe hinsichtlich Tierwohlstandards dieselben Anforderungen wie die Inlandprodukte zu erfüllen haben», betont Flückiger abschliessend.

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