Unkultur

Vier Schüsse sind nicht genug

NRA-Chef Wayne LaPierre gehört zu den einflussreichsten Lobbyisten in den USA – und kämpft seit Jahren gegen strengere Waffengesetze.

Ein acht Jahre lang geheim gehaltenes Video sorgt in den USA für Empörung und Häme.

Immer wieder werden nach Massakern in den USA Forderungen nach schärferen Waffengesetzen laut. Und regelmässig bleibt von den Initiativen wenig bis gar nichts übrig. Das liegt auch an der einflussreichen National Rifle Association (NRA). Die fünf Millionen Mitglieder starke Vereinigung ist die grösste Lobbyorganisation für Schusswaffenbesitz in den USA – und verfügt über grossen politischen Einfluss.

Nun steht ihr Geschäftsführer, Wayne LaPierre, wegen eines an die Öffentlichkeit gelangten Videos einer Elefantenjagd in der Kritik. Die NRA finanzierte LaPierre 2013 einen Aufenthalt in Afrika, bei dem auch eine Promotion-Serie namens »Under Wild Skies« gedreht wurde.

Die Sendung sollte die NRA bei Jägern beliebt machen. Die Zeitschrift „The New Yorker“ und die Nichtregierungsorganisation »Trace« veröffentlichten nun ungesendetes Material, das LaPierre beim Versuch auf der Trophäenjagd zeigt, einen Elefanten in Botswana aus nächster Nähe zu töten – und dies trotz mehrerer Schüsse nicht schafft.

Das Video zeigt zunächst, wie LaPierre das Tier durch einen ersten Schuss verletzt. Aus kurzer Distanz schiesst er dann drei weitere Male auf den Elefanten – doch die Schüsse gehen alle daneben. Den tödlichen Schuss auf das Tier feuert schliesslich einer von LaPierres Jagd-Begleitern ab.

LaPierres Frau Susan: «Sieg!»

Den Berichten zufolge schoss LaPierres Frau noch am selben Tag ebenfalls einen Elefanten – auch dies ist in dem Video zu sehen. Unter anderem schneidet Susan LaPierre dem getöteten Tier die Schwanzspitze ab und hält sie wie eine Trophäe hoch. Dabei ruft sie: «Sieg!»

Die Gründerin der Organisation Moms Demand Action, Shannon Watts, schrieb im Online-Dienst Twitter, der NRA-Chef habe es geschafft, sowohl Jäger als auch Waffenbesitzer gegen sich aufzubringen, «weil dies nicht nur unmenschlich ist, sondern auch, weil er ein furchtbarer Schütze ist».

Die Rechtsdirektorin der Organisation Center for Biological Diversity, Tanya Sanerib, erklärte, sie sei «angewidert», von LaPierres «brutalem, unbeholfenem Gemetzel dieses schönen Lebewesens». «Kein Tier sollte auf diese Weise leiden», fügte sie hinzu.

Laut „The New Yorker“ seien sich LaPierre und seine Frau schon damals der möglichen Kritik an ihrer Elefantenjagd bewusst gewesen. Die Füsse des erlegten Elefanten holten beide als Trophäen in die USA, sie sollen zu Hockern verarbeitet worden sein. Um kein Aufsehen zu erregen, sei der Import jedoch heimlich erfolgt.

Die NRA steht bereits wegen Veruntreuungsvorwürfen der New Yorker Staatsanwaltschaft gegen ihre Führung unter Druck. Im Januar hatte die Lobby-Organisation Insolvenz angemeldet und Antrag auf Gläubigerschutz bei einem Konkursgericht im texanischen Dallas gestellt. Mit dem Manöver wollte die Organisation ihrer weiteren juristischen Verfolgung in New York entkommen.

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