Eine aktuelle Undercover-Recherche der Humane Society deckt die erschütternde Realität der Trophäenjagdindustrie auf.

Verdeckte Videoaufnahmen einer viertägigen Versteigerung zeigen, dass Tausende Jagdtrophäen angeboten werden, weil sie offenbar niemand mehr haben will. Die verstörenden Bilder vom Ausverkauf der Tiere machen deutlich, was Trophäenjagd wirklich bedeutet: Erst werden die Tiere zum Vergnügen getötet, dann irgendwann später verramscht.

Zu den Auktionsobjekten gehören groteske Wohnaccessoires: Tische und Lampen aus Giraffenbeinen und -füssen, Tische aus Füssen des Afrikanischen Elefanten und eine ganze Babygiraffe. Sie wurde mit der „perfekten Grösse für jedes Zimmer“ angepriesen. Die Auktion umfasste mindestens 50 Teppiche aus den Fellen von Schwarz- und Grizzlybären, Zebras, Wölfen und Pumas, Stapel von Giraffenbeinknochen, Nilpferdzähnen sowie eine verstaubte, alte Kiste mit der Aufschrift „Elefantenohren und -haut„.

Es ist unfassbar, dass in einer Zeit des globalen Artensterbens immer noch aus purem Freizeitvergnügen Jagd auf bedrohte und gefährdete Wildtiere gemacht wird. Es ist verheerend und abstossend, dass Trophäenjäger*innen für den persönlichen Kick Tiere töten und später die Jagdandenken – wie auf einem Ramschmarkt – unter den Hammer kommen oder einfach eingemottet werden. Aus moralischer und ethischer Sicht ist das verwerflich.

Sylvie Kremerskothen Gleason, Country Direktorin von HSI in Deutschland

Bei der Auktion wurde berichtet, dass die meisten Trophäen von Trophäenjäger*innen stammen, die sich daran sattgesehen haben, zu viel davon haben oder diese unerwünscht geerbt haben. Laut eines Auktionsmitarbeiters raten Immobilienmakler auch Hausbesitzern, die toten Tiere loszuwerden, bevor sie ihre Häuser zum Verkauf anbieten.

Die Videoaufnahmen aus dem Auktionshaus sind verstörend: Faszinierende Tiere wurden der Natur entrissen, um später als trostloses Dekorations- oder Lagerobjekt zu enden. Auch Deutschland ist Teil des Problems. Denn nach den USA führt unser Land weltweit die meisten Jagdtrophäen ein. Die zukünftige Bundesregierung muss die Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Tiere verbieten und damit auch dem Wunsch der Bürger*innen folgen. Andere Länder sind da bereits weiter.

Kathleen Frech, HSI/Europe Campaign Communications Manager Deutschland

Deutschland ist der größte Importeur von Jagdtrophäen in der EU. Mehr als 5’400 Jagdtrophäen international geschützter Tierarten, wie Elefant, Löwe, Zebra oder auch Eisbär, sind zwischen 2014 und 2020 nach Deutschland importiert worden. Offenbar entgegen den Wünschen der Bevölkerung, wie eine repräsentative Umfrage vom März 2021 zeigt, denn darin unterstützen 89 % der Befragten ein Importverbot von Jagdtrophäen.

Fakten:

  • Es gibt noch etwa 68’000 ausgewachsene Giraffen in freier Wildbahn. Die Population ist rückläufig. Seit der Listung der Giraffe in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens im August 2019 wurden bis Ende 2020 33 Trophäen der Giraffe nach Deutschland eingeführt.
  • Die Population der Afrikanischen Savannenelefanten ist in den letzten 50 Jahren um mindestens 60 % zurückgegangen. Allein Deutschland hat zwischen 2014 und 2020 229 Elefantentrophäen importiert – was Deutschland zum Spitzenreiter in der EU macht.
  • Deutschland unterstützt in Afrika Projekte, die ,,Berührungspunkte mit der Trophäenjagd“ aufweisen. Sieben von zehn Deutschen lehnen das ab. Eine Antwort der Bunderegierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion der Grünen im Jahr 2017 belegt, dass seit 2006 für diese und andere Projekte, die sich zur Zeit der Anfrage in Vorbereitung befanden, über 200 Mio. Euro bereitgestellt wurden.
  • Die Flusspferdpopulationen sind gefährdet. Dennoch wurden laut internationalen Handelsdaten zwischen 2014 und 2020 166 Trophäen von Flusspferden nach Deutschland importiert.
  • Deutschland führt in Europa mit 57 Importen von wilden Löwentrophäen zwischen 2014 und 2020 die beunruhigende Statistik an.
  • 85 % der Deutschen halten die Trophäenjagd auf international geschützte Tierarten für nicht vertretbar. Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet die Jagd auf Wirbeltiere nur zum Vergnügen und zum Erwerb einer Trophäe. Gleichwohl erlaubt Deutschland die Einfuhr von Trophäen geschützter Tiere. Die Jagd als Freizeitvergnügen wird somit im Ausland unterstützt.

Auszug der Auktionstrophäen:

  • Vier afrikanische Elefantenfüße, die zu Tischen mit Elefantenhautauflagen verarbeitet wurden: Nach Angaben der „International Union for the Conservation of Nature“ sind der Afrikanische Savannenelefant und der Afrikanische Waldelefant vom Aussterben bedroht. Der Afrikanische Elefant steht auf der Liste der bedrohten Tierarten des entsprechenden US-Gesetzes (Endangered Species Act).
  • Zwei ausgehöhlte Elefantenfüße, die nach Meinung der Auktionsveranstalter „einen schönen Mülleimer abgeben würden“.
  • Ein Eisbär, der von der IUCN als gefährdet eingestuft wird und in den USA nach dem Gesetz über gefährdete Arten (ESA) als bedroht gilt, erzielte gemeinsam mit einer Ringelrobbe mit 26.000 US-Dollar den höchsten Preis unter den Trophäen, die auf der Auktion verkauft wurden.
  • Vier Giraffenbeine, als Couchtisch- und Stehlampengarnitur.
  • Zwei Giraffenschädel und drei vollständige Giraffenkörper (IUCN gefährdet), darunter ein Baby; verkauft für 6.200 US-Dollar.
  • Ein Nilpferd-Schädel und zwei Nilpferd-Schulterstücke (IUCN gefährdet).
  • Ausgestopfte Babyzebras, Zebrafelle und -decken
  • Ein ausgestopfter Affe (Meerkatze), eine Bierflasche haltend
  • 49 Bären, darunter fünf Jungtiere und ein Mutter-Kind-Paar u.v.m.

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