Unkultur

Tierquäler: PETA wirft Jagdverband Heuchelei vor

PETA setzt regelmässig Belohnungen in Fällen von misshandelten oder ausgesetzten Tieren aus, um bei der Ermittlung der Täter zu helfen.
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Medienberichten zufolge wurden in den letzten drei Jahren südlich und südöstlich von Neumünster elf unter strengem Artenschutz stehende Rotmilane tot aufgefunden. Vier von ihnen wurden in den letzten zwei Monaten in den Ortschaften Rendswühren, Rickling und Daldorf entdeckt. Wer ist der Tierquäler?

Nach Angaben des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sind mindestens neun der Greifvögel nachweislich an einem seit Jahren verbotenen Insektengift gestorben. Die Polizei ermittelt.

PETA setzt Belohnung aus

Um den oder die Tierquäler zu überführen, setzt PETA nun eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro für Hinweise, die diese/n Täter überführen, aus. Zeugen werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden und können sich telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation melden – auch anonym.

PETA möchte helfen, den Tierquäler endlich zu überführen“, sagt Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Dabei sollte vor allem in lokalen Jägerkreisen ermittelt werden. In Deutschland werden immer wieder Greifvögel durch Jäger vergiftet oder erschossen, denn sie sehen die Tiere als Jagdkonkurrenten. Der Täter muss gestoppt werden, da er durch das Auslegen hochtoxischer Stoffe nicht nur streng geschützte Vögel und andere Wildtiere gefährdet, sondern auch Hunde, Katzen und Menschen. Für Kleinkinder, die unbeobachtet Dinge auf Spaziergängen in den Mund stecken, können die verbotenen Giftstoffe ebenfalls schwerwiegende Folgen haben.

Heuchelei der Jägerschaft

Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein hatte für Hinweise, die zur Aufklärung führen, eine Belohnung in Höhe von 1000 Euro ausgesetzt. PETA sieht darin einen Versuch, davon abzulenken, dass in der Vergangenheit schon Jäger und sogar Jagdfunktionäre der illegalen Greifvogeljagd überführt wurden. So wurde beispielsweise ein Jäger, der 2018 mindestens neun Greifvögel im Raum Cloppenburg vergiftet hatte, ein Jahr später zu einer Geldstrafe von insgesamt 5400 Euro verurteilt. 2016 verurteilte ein Gericht ein Mitglied des Präsidiums des Landesjagdverbandes NRW zu einer Geldstrafe. Der Jäger aus Albersloh hatte im August 2015 einen Habichtfangkorb in der Nähe seines Wohnhauses und seiner Fasanerie illegal aufgestellt. Die Richterin nannte als mögliche Motive in ihrer Urteilsbegründung, dass der Mann die Jagd auf Fasane durch Greifvögel verhindern wollte und er als Jagdaufseher ein Interesse daran habe, den Bestand der Beutegreifer zu verringern.

PETA setzt sich für ein Verbot der Hobbyjagd ein. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht geeignet ist, um Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere beispielsweise in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, wodurch sich die Geburtenrate erhöht. Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem Gebiet die Population der betreffenden Wildtiere ansteigt. Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.

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