Unkultur

Ortolane werden trotz Verbot noch immer ertränkt und verspeist

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In der Schweiz wird er, auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht (CR), aufwendig geschützt, in Frankreich einfach aufgegessen: Der Ortoloan, auch Gartenammer genannt.

Der Ortolan begann sich in Europa erst im 17. Jahrhundert auszubreiten. Heute bewohnt er fast den ganzen Kontinent, kommt jedoch über weite Strecken nur zerstreut vor und erleidet seit den Sechzigerjahren starke Bestandseinbrüche. Nach knapp fünf Monaten im Brutgebiet zieht er als einzige der sechs bei uns brütenden Ammern als ausgesprochener Zugvogel in die afrikanischen Winterquartiere.

Doch immer weniger Vögel kamen aus ihren Winterquartieren in ihre europäische Heimat zurück. Zu Tausenden wurde der Vogel in Frankreich gefangen, um ihn zur „Fettammer“ zu mästen und für teures Geld an Sterne-Restaurants zu verkaufen.

Vor dem Gesetz konnte man zwar einen Sieg erringen und ein Verbot des fragwürdigen „Gaumenschmauses“ nach vorangegangener Tierquälerei sondergleichen erzwingen, doch leider wird diese Unkultur immer noch illegal praktiziert.

Brauchtum

Die Rede ist von einer Tradition aus Frankreich, bei dem geschützte Singvögel – Ortolane oder auch Gartenammer genannt – misshandelt und gegessen werden.

Diese Tradition geht auf die Abschaffung des Feudalismus mit der Revolution 1789, in deren Zuge Vorrechte für den Adel, wie das alleinige Jagd- oder Fischereirecht verbannt wurden, zurück.

Diese niedlichen Singvögel sind Zugvögel und während ihres Herbstzugs machen sie stets Halt in Frankreich. Das wird vielen zum Verhängnis. Die gutbetuchte französische Upper-Class lässt diese Singvögel einfangen und erstmal in Dunkelheit, oder ihm die Augen aussticht, 2 Wochen lang mästen, damit die kleinen Piepmatze mit dem Hirse-Trauben-Feige-Futter Fett anlegen und zu sogenannten „Fettammer“ mutieren. Nach der Mast sind die Vögel zwei- bis dreimal so schwer.

Ortolane werden trotz Verbot noch immer ertränkt und verspeist

Danach ertränkt man sie in französischen Brandwein Armagnac, damit der Vogel viel davon aufnimmt. Anschliessend wird der Singvogel in einem speziellen Topf in Fett gegart.

Ortolane werden trotz Verbot noch immer ertränkt und verspeist

Ist er durch, wird er vom Konsumenten, der sich eine Stoffserviette über den Kopf legt, um den Geruch aus dem Mund besser zur Nase zu transportieren, am Stück verzehrt, das heisst, verkehrt in den Mund gestopft und samt Knochen und Innereien von den Zähnen zermalmt. Das Knacken der Knochen ist so scharf, dass es die Innenseite deines Mundes zerschneidet, so dass du nicht nur das Blut des Singvogels schmeckst, sondern auch dein eigenes.

Verbotene Delikatesse

An einzelnen Orten in Frankreich wird die Jagd wohl seitens der Polizei geduldet. Und geringe Geldstrafen von rund 80 bis 100 Euro schrecken kaum ab, wenn ein Ortolan auf dem Schwarzmarkt bis zu 300 Euro bringt.

Jahrelang genoss Frankreich spezielle Sondergenehmigungen für den Ortolanen-Fang und deren Verzehr, obwohl der Vogel seit über 40 Jahren besonders geschützt ist.

Seit 1980 ging der Bestand europaweit um 88 % zurück. Erst seit dem offiziellen Verbot des Fangs der Vögel konnte er sich ein Wenig erholen. Leider werden doch immer noch Ortolane illegal gefangen und auf die beschriebene Art und Weise getötet und gegessen.

Eine Klage der EU gegen Frankreich 2016 wegen Verstösse gegen die Vogelschutzrichtlinien vor dem EuGH, sowie massive Interventionen zahlreicher Tierschutzorganisationen brachte die zumindest juristische Wende. 2017 trat das Verbot in Kraft. Die Europäische Kommission hat die Klage bereits zurückgezogen. Heute ist der Fang dieser Singvögel zwar nur mehr marginal, doch trotz der Verurteilung zahlreicher Ortolanen-Jäger noch gegenwärtig mit etwas weniger als 10 % der früheren traditionellen Aktivitäten.

Ein Sieg auf ganzer Linie ist es erst, wenn jeder Vogel auf dem Herbstzug Frankreich auch wieder verlässt.

Ländlichen Identität

Die Europäische Kommission hat vor kurzem das Verbot der Bleimunition bis 2023 ratifiziert, was die mehr als eine Million französischer Hobby-Jäger zum Waffenwechsel zwingen wird.

Vor einem Monat wurde zudem die Genehmigungen für die Jagd auf Kiebitze, Goldregenpfeifer, Feldlerchen, Drosseln und Amseln verboten. Die Begründung: „Diese Genehmigungen entsprechen nicht den Anforderungen des europäischen Vogelschutzrechts„.

Die Mitglieder des Landesjagdverbandes sagen, sie seien sehr besorgt über die Zukunft und erwarten weitere Richtlinien, die „für unsere Bräuche tödlich sein werden„.

Sie haben nun beschlossen, sich nicht mehr an den Jagden zu beteiligen, die Wildschweine und Co. dezimieren. „Wir haben beschlossen, unsere Waffen niederzulegen und „Stopp“ zu sagen„, so Vanessa Maynes.

Ja, wir sind wütend, es ist unbegreiflich, was mit uns geschieht.

Vanessa Maynes, Vorsitzende des Jagdverbandes von Pissos

Die Hobby-Jäger befürchten neue Verbote und rufen die gesamte ländliche Welt im Süden von Frankreich zu einer Demonstration am 18. September auf. Die ländliche Identität mit der privilegierten Beziehung zu den Tieren stehe auf dem Spiel.

2 Kommentare

  1. magali strasser

    Wann hört der Mensch auf mit solche Barbarismus? Lernen die nie, das muss höchst bestraft werden.

  2. Rolf Hummel-Kall

    Grausamkeit, Perversion, Sadismus als alte Volksbräuche zu deklarieren ist ein Verbrechen!
    Schluss mit diesen tierquälerischen , unmenschlichen
    Sauereien!
    Bestraft endlich diese Mörder schärfer!

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