Unkultur

Niederjagd

Mehr Jagd bedeutet nicht weniger Wild, sondern mehr Geburten. Im Rahmen einer Freizeitbeschäftigung töten Schweizer Jäger jedes Jahr etwa 25’000 Füchse – ein Verbot der Fuchsjagd, wie es der Kanton Genf auch kennt, ist in der Schweiz längst überfällig.

Fuchsbandwurm

Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen. Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien belegen.

Es gibt weitaus mehr Zoonosen bei Heimtieren und Nutztieren. In der Regel stecken sich nur Jäger mit einer Zoonose wie dem Fuchsbandwurm an. Etwa 20 – 30 Personen infizieren sich in der Schweiz pro Jahr mit dieser Leberkrankheit (Echinococcus multilocularis). Dies ist nicht mehr als früher, da man weniger Füchse in den Städten vorfand. Das Immunsystem der meisten Menschen ist stark genug, um eine Infektion abzuwehren. In der Regel bilden sich die Larven des Fuchsbandwurms in der Leber von Mäusen und einigen Ratten. Frisst ein Fuchs die befallene Maus, entwickelt sich in seinem Darm wieder ein Bandwurm. Auch Katzen und Hunde, die Mäuse fressen, können so den Parasiten verbreiten, erkranken selbst aber nicht. Als einigermassen beruhigend kann die Tatsache gesehen werden, dass die Erkrankungshäufigkeit in der Schweiz sehr gering ist, dass eine direkte Übertragung vom Fuchs auf Hunde nicht möglich ist und dass kastrierte Tiere keinen Fuchsbandwurm kriegen.

Stadtfüchse haben in der Regel eine Befallsrate unter 20 %, da ihre Nahrung hauptsächlich aus Nahrungsmittelresten besteht. Landfüchse hingegen haben eine höhere Befallsrate, weil sie sich reichlich von Feldmäusen ernähren.

Das Infektionsrisiko ist für normale Waldbesucher minimal. Entgegen der vielen Gerüchte ist von keinem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch Waldbeeren angesteckt hätte. Beeren, die hoch am Strauch hängen, scheiden als Infektionsweg aus. Es ist schwer vorstellbar, wie etwa Fuchskot an hoch hängende Beeren gelangen soll.

Eine Studie im Feldversuch um Nancy über drei Jahre belegt, dass durch die Bejagung des Fuchses weder die Fuchspopulation fällt, noch der Befall der Füchse mit dem Fuchsbandwurm vermindert wird. Die Verbreitung wird eher begünstigt. Auch bei der Tollwut war die Bejagung keine Lösung. Der Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen Europas.

Abschüsse von Füchsen können sogar den Effekt haben, dass der frei gewordene Lebensraum neu von Füchse mit einem viel grösseren Anteil an Träger des Fuchsbandwurmes bewohnt wird.

Räude und Staupe

Auch in der Vergangenheit flackerte die Räude und Staupe lokal immer wieder auf und erlosch dann von selbst wieder. Vor allem dort, wo die Räude besonders stark um sich gegriffen hat, scheinen die Füchse eine zunehmende Resistenz gegen Neuinfektionen zu entwickeln. Da die Jagd den eigentlich gegebenen Überlebensvorteil für räuderesistente Füchse jedoch zunichtemacht (ein Jäger sieht einem Fuchs seine Räuderesistenz schliesslich nicht an), dürfte das Töten von Füchsen auch in dieser Hinsicht kontraproduktiv sein. Übrigens hat man bei der Staupe festgestellt, dass Wildtiere bereits Antikörper gebildet haben und die Gefahr somit marginal ist.

Räudemilben können sich in menschlicher Haut nicht weiterentwickeln und sterben ab. Eine Infektion mit der Räude (beispielsweise durch Kontakt mit infizierten Haustieren) ist daher nicht möglich. Allerdings kann Sarcoptes scabiei Menschen mit einem schwachen Immunsystem befallen und eine kurzzeitige Erkrankung mit Juckreiz und kleinen Papeln auslösen. Diese sogenannte Pseudokrätze heilt auch ohne Behandlung nach wenigen Tagen ab. Die Milben selber trägt jeder von uns immer mit sich auf der Haut herum. Es muss also noch ein weiterer Auslöser da sein. Massiver Stress, andere Infektionen, schwaches Immunsystem usw.

Räude ist somit nichts anderes, als die Krätze beim Menschen mit ähnlichen Milben.

Einen Fuchs zu töten, um vermeintlich andere Füchse zu schützen, ist Humbug: Diese würden sich nämlich nur ebenfalls “anstecken”, wenn auch sie geschwächt sind. Sie bräuchten aber dann die fremden Milben nicht, da sie diese ja eh ständig mit sich herum tragen. Intensiver Stress, z. B. durch Jäger und Jagddruck ausgelöst, kann ein solcher Auslöser sein.

Räude ist nur gefährlich bei Nicht-Behandlung. Würde man sich mehr sinnvoll um Wildtiere kümmern, gäbe es weniger von den gefährlichen Krankheiten.

Die Jagdverbände propagieren angesichts des Auftretens von Fuchsräude einmal mehr intensivere Fuchsbejagung als Allheilmittel zur Bekämpfung der Infektionen. Ähnlich wie bei Tollwut und Fuchsbandwurm gibt es jedoch keinen wissenschaftlichen Anhaltspunkt, warum die erbarmungslose Fuchsjagd die Ausbreitung von Zoonosen eindämmen soll – immerhin hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Reduktion der Fuchsdichte mit jagdlichen Mitteln nicht möglich ist. Zudem fördert die Bejagung Wanderbewegungen in Fuchspopulationen, wodurch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Erkrankung – ähnlich, wie es für die Tollwut nachgewiesen ist und für den Fuchsbandwurm vermutet wird – eher steigen als sinken dürfte. Aber vielleicht ist das von den Jägern ja so gewollt, damit sie ihren debilen Hobbys weiterhin nachgehen können. Nicht wenige Jäger haben eine akute Gehirnfäule oder -räude.

Der Fuchs als Mäusefresser verhindert zudem die Ausbreitung von Krankheiten wie Hanta oder Borreliose. So leben zum Beispiel im Stadtgebiet von Zürich rund 800 Füchse. Probleme mit der Hygiene gab es dort keine, weil einfache Massnahmen wie Händewaschen ausreichen.

Dennoch wollen uns manche Jäger glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurecht schiessen“.  Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden. Nirgendwo ist eine drastische Vermehrung des Fuchses festzustellen. Für Füchse gibt es keine rechtliche Abschussplanung und Bestandserfassung. Die Jagd auf Füchse gleicht einer Kurzschlussökologie für ungenügend ausgebildete Jäger.

Natürlich wird von den Jägern der Fuchs auch so intensiv bejagt, weil er ein Beutekonkurrent ist. Immer wieder hören wir, dass der auf der roten Liste vermerkte Feldhase in die Pfanne der Jäger gehört. Der Fuchs wird durch die Jäger zum Wegwerfartikel degradiert.

Robert Brunold, aktueller Präsident des kantonalen Patentjäger-Verbandes in Graubünden, sagt: “Nötig ist die Niederjagd nicht, aber berechtigt. So könne man sich auch fragen, ob es sinnvoll sei, Beeren und Pilze im Wald zu sammeln!” Der Dachverband der Jäger in der Schweiz schreibt am 29.8.2011: “JagdSchweiz weiss, dass sich Wildtierbestände grundsätzlich – auch in unserer Kulturlandschaft – von selber regulieren würden.”

In unserer schweizerischen „Jagdtradition“ sind die Jäger immer noch der veralteten Meinung, dass es „Schädlinge“ zu vernichten gelte. In der Jägersprache gibt es den Begriff „Raubzeug“ z. B. auch für Eichelhäher, Marder usw, was die primitive Einstellung der Jäger kristallklar aufzeigt. Es gibt keine unnützen Tiere, jede Spezies hat ihre eigene nützliche Nische in der Natur und ist Teil unserer Evolution.

Es kommt auch vor, dass Jäger die Unterscheidungskraft fehlt und sie in der Dunkelheit der Nacht geschützte Wildtiere wie Luchse oder Goldschakal erlegen.

In der Schweiz fällen besonders die Kantone Bern, Aargau, Graubünden, St.Gallen, Wallis, Luzern und Zürich negativ auf, mit einer überproportionalen Jagd auf dem Fuchs. 24’093 meist gesunde Füchse wurden 2014 einfach so massakriert. Man muss davon ausgehen, dass etwaige Probleme hausgemacht und extra herangezüchtet werden – es sich um reine Spassjagden handelt.

Es muss eine Rechtfertigung dafür geben, Leben zu vernichten. Sinnloses Töten im Rahmen einer falsch verstandenen Naturerfahrung ist entschieden abzulehnen! Soll man eine Tierart dezimieren dürfen, um eine andere zu schützen? Nein zum Teufelskreis.

Füchse sind als Gesundheitspolizisten und eifrige Mäusevertilger wichtige Mitglieder des Naturhaushalts. Sie sorgen auch für gesunde Wildbestände. Man sollte nicht hinnehmen, dass sie wie Schädlinge behandelt und jedes Jahr rein zum Vergnügen der Jäger getötet werden.

Förster müssen mit Chemie, Mechanik und Fallen Mäuse bekämpfen, welche Keimlinge und Bäume schädigen, während Jäger Füchse jagen, welche eigentlich die Mäuse unter Kontrolle halten würden. Millionen von Franken an Schäden und Mehraufwand für den Waldbau wegen der Jagd sind die Folgen. Landwirte, Obstgärtner müssen Mäusejäger engagieren, weil der Fuchs und andere Beutegreifer fehlen.

Es ist höchste Zeit, dass wir auch dem Fuchs die Ehre erweisen, die ihm gebührt.

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