Unkultur

Niederjagd

Mehr Jagd bedeutet nicht weniger Wild, sondern mehr Geburten. Im Rahmen einer Freizeitbeschäftigung töten Schweizer Jäger jedes Jahr etwa 25’000 Füchse – ein Verbot der Fuchsjagd, wie es der Kanton Genf auch kennt, ist in der Schweiz längst überfällig.

Im Umfeld von Jäger und Behörden beruht vieles auf Annahme und nicht auf Wissen sowie Gewissen. Um die erbarmungslose Verfolgung eines unseres interessantesten Beutegreifers (Vertreter der Familie der Hunde) zu rechtfertigen, behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd auf der Niederjagd sei notwendig, weil die Fuchsbestände ansonsten überhandnähmen – eine längst überholte Ansicht!

Laut Tierschutzgesetz (Art. 26 TSchG) muss ein “vernünftiger Grund” für das Töten eines Tieres vorliegen – bei der Jagd auf Füchse handelt es sich jedoch lediglich um die Befriedigung eines blutigen Hobbys. Für Füchse gibt es keine rechtliche Abschussplanung. Die Tiere dienen den Jägern als lebendige Zielscheibe, denn es besteht weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer.

Die soziale Dichtekontrolle reguliert Fuchsbestände. Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur von Fuchspopulationen dafür, dass Füchse sich nicht über Gebühr vermehren. Lässt man Füchse in Ruhe, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin (Fähe) Nachwuchs bekommt. Gleiches wurde auch bei den Wildschweinen mit der Leitbache wissenschaftlich dokumentiert. Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant. Englische Forscher um den Biologen Stephen Harris konnten aufzeigen, dass selbst ein 150-faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. England ist ein interessantes Forschungsgebiet, da es eine Insel ist. Genfs Wildtiere leben auch gut ohne die Jagd und die Fuchspopulation ist seit Jahrzehnten stabil. Gleiches gilt für Nationalparks im Engadin, Berchtesgaden, Bayerischer Wald oder Grossreviere in ganz Europa und Dünengebiete in Nordholland. Luxemburg wurde allgemein gelobt für den Entschluss der Fuchsschonung. Mit dem Jagdverbot für den Fuchs kann Luxemburg auf internationaler Ebene glaubwürdig für eine moderne Auffassung der Jagd punkten und trägt sicher auch zum Nation Branding von Luxemburg bei. In aller Regel hat die Bejagung des Fuchses fast keine Auswirkung auf die Prädation von Bodenbrütern.

Populationsschwankungen bei Räuber und Beute nach dem Lotka-Volterra-Modell. Typisch ist, dass die Kurve der Räuber der Kurve der Beute folgt.

Greift nun jedoch der Mensch mit Flinte und Falle in dieses stabile System ein, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst. Starke Bejagung führt auch zu mehr Krankheiten bei den Wildtieren. Man weiss von anderen Arten, eingeschlossen Menschen, Hunden und anderen Tieren, dass bei der Bejagung ein chronisch hohes Level von Hormonen zu Dingen führt, wie Immunsuppression, das heisst, sie sind anfälliger für Krankheiten, und sie sind nicht gewappnet, um mit den alltäglichen Herausforderungen des Lebens umzugehen.

Ein Forscherteam fand auch ein erhöhtes Niveau von Progesteron, ein Hormon das während der Schwangerschaft produziert wird, was ein Indikator für einen ungewöhnlich hohen Anteil sich fortpflanzender weiblicher Tiere ist. Normalerweise reproduziert sich im Rudel nur ein Weibchen und hat Welpen. So eine hohe Anzahl von schwangeren Fähen in einem Rudel zeigt eine gestörte Sozialstruktur, was der normale Art der Fortpflanzung widerspricht. Ein gewöhnlicher Gruppenverband hat eine sehr bedeutsame Sozialstruktur, mit einem sich reproduzierenden Paar, und all die anderen wissen, was ihre Rolle ist.

In der Schweiz findet in verschiedenen Kantonen bis tief in den Winter hinein (Ende Februar) die sogenannte Pass- und Fallenjagd statt. Bei diesen hinterlistigen Jagdformen werden Füchse, Dachse, Marder usw. auch in der winterlichen Notzeit mit Futter (Katzen- und Hundefutter, Jagdabfällen, Innereien usw.) angelockt, vertraut gemacht und getäuscht, nur um sie sinnlos und zum Spass töten zu können. Wildtiere hinterlassen oftmals einen gut sichtbaren Weg den sogenannten Pass. Davon rührt auch der Ausdruck Passjagd her, in der Jäger das Tier auf seinem Wildwechsel abpassen. Jäger verstecken sich hinterhältig und feige, gemäss der Natur der Passjagd, um verschiedene Wildtiere an den von Jägern präparierten Futterstellen (Luderplatz) zu erschiessen (wenn dann der Räuber kommt). Aus Schlafzimmern, Maiensäss, Passhüttchen ausgestattet mit einem Tarnfensterchen wird geschossen. Egal, ob es der gesunde Vaterfuchs oder sogar möglicherweise die Mutter der im Bau liegenden Jungen ist. Gejagt werden sie durchgehend bis 1. März ab dem 15. Juni. Das Motto der Jäger “Nur ein toter Fuchs ist ein guter Fuchs” ist tierverachtend. Füchse sind nicht aggressiv und greifen Menschen nicht an. Füchse sind wunderschöne Tiere. Von Jagd kann da wirklich nicht die Rede sein. Die Jäger profilieren sich einmal mehr als Naturschänder und Tierquäler. Dadurch wird Wildverbiss produziert, gegen das Tierschutzgesetz verstossen und das alles zahlt dann auch noch der Steuerzahler.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass selbst bei einem Abschuss von drei Vierteln eines Bestands im nächsten Jahr wieder die gleiche Zahl an Tieren da ist. Und so verhält es sich beispielsweise auch mit dem Waschbären. Je stärker Füchse bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine wie auch immer geartete „Regulation“ von Fuchsbeständen ist weder nötig, noch ist sie mit jägerischen Mitteln überhaupt möglich.

Die schweizerische Tollwutzentrale folgert daher, dass eine jägerische Reduktion von Fuchspopulationen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontratproduktiv sei. Wie wir heute wissen, konnten erst tierfreundliche Impfköder die terrestische Tollwut besiegen – sie gilt heute in der Schweiz seit 1998 und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

Demnach ist jede Fuchsjagd ein klarer Verstoss gegen das Tierschutzgesetz, weil es am vernünftigen Grund mangelt. Eine Abschussplanung existiert nicht. Es gibt seit mehr als 30 Jahren mindestens 18 wildbiologische Studien, die beweisen: Fuchsjagd reguliert nicht und taugt auch zur Seuchenbekämpfung nicht. Im Gegenteil!

Das sinnlose Töten von Tieren im Rahmen einer Freizeitbeschäftigung hat nichts im 21. Jahrhundert zu suchen und muss strafrechtlich geahndet werden.

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