Unkultur

Jäger und Naturschutz

Die heutige Jagd zerstört das normale soziale Zusammenleben der Wildtiere, das ökologische Gleichgewicht, ihre natürlichen Verhaltensweisen, Familienstrukturen und Sozialverbände, Benutzung von Bauten und Verstecken, Wechsel von Tag– zur Nacht­aktivität, verstärkte Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiete, unnatürliche Tierkonzentrationen in den Wäldern und Städten.
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Die Jagd hat versagt. Seit Jahrzehnten versuchen die Hobby-Jäger Wildtierpopulation zu regulieren, was ihnen bis heute auf eine zivilisierte Art und Weise nicht gelungen ist.

Landauf landab beklagen Landwirte, Rebbauern und Waldbesitzer, obwohl sie dafür entschädigt werden, grosse Schäden durch Wildtiere an den Kulturen. Die Jagd ist also wirkungslos und kontraproduktiv. Sogar Steuerzahler müssen für das Hobby der Jäger aufkommen. Jagd löst nicht die Ursache des Problems, sondern ist Teil und Verursacherin des Problems.

Heute gibt es längst nachhaltigere Formen der Schadensvermeidung, wie Elektrozäune, Gatter, optische, duftende und akustische Abwehrmassnahmen. Im Rahmen einer Vergrämung ist die Tötung von Tieren durch die Jäger zum Glück nicht erforderlich.

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Viele Betroffene sind oft von der falschen Vorstellung geleitet, der Mensch müsste die Bestände von Wildtieren wie Reh oder Rothirsch, begrenzen, weil Jäger deren natürlichen Feinde ausgerottet hätten. Dabei ist seit Jahrzehnten ebenfalls wissenschaftlich erwiesen, dass an erster Stelle die Ökofaktoren Nahrung, Raum und Klima einen Tierbestand dynamisch steuern, nicht die Beutegreifer. Beim Wildschwein ist durch eine französische Langzeitstudie unlängst bewiesen worden, dass die Jagd die Vermehrungsrate deutlich erhöht. Die Wissenschaftler um Sabrina Servanty verglichen in einem Zeitraum von 22 Jahren die Vermehrung von Wildschweinen in einem Waldgebiet im Departement Haute Marne, in dem sehr intensiv gejagt wird, mit einem wenig bejagten Gebiet in den Pyrenäen. Das Ergebnis wurde nun im renommierten „Journal of Animal Ecology“ veröffentlicht: Wenn hoher Jagddruck herrscht, ist die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen wesentlich höher als in Gebieten, in denen kaum gejagt wird. Weiterhin tritt bei intensiver Bejagung die Geschlechtsreife deutlich früher – vor Ende des ersten Lebensjahres – ein, sodass bereits Frischlingsbachen trächtig werden. Auch das Durchschnittsgewicht der erstmalig fruchtbaren Wildschweine ist bei hohem Jagddruck geringer. In Gebieten, in denen wenig Hobby-Jäger unterwegs sind, ist die Vermehrung der Wildschweine deutlich geringer, die Geschlechtsreife bei den Bachen tritt später und erst bei einem höheren Durchschnittsgewicht ein. (vgl. Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009) Mit dieser Studie ist bewiesen, dass die starke Vermehrung bei Wildschweinen nicht nur vom Futterangebot abhängt, sondern auch von der intensiven Bejagung. In nicht oder wenig bejagten Gebieten gibt es viel weniger Wildtiere als in bejagten. Unnatürlich zu grosse oder kleine Wildtierpopulationen sind durch falsche Jagdplanung und Jägereien hausgemacht und herangezüchtet.

Jedes Jahr werden zum Beispiel in der Schweiz über 24’000 Rotfüchse sinnlos erschossen. Dabei ist die Tollwut längst durch Impfung ausgerottet worden. Die Jagd hatte dabei auch komplett versagt.

Es gibt wenige Hobby-Jäger die verstehen, dass sich die Bestandsdichte von Wildtieren auch dynamisch aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima, Krankheiten, Ressourcen sowie sozialen und physiologischen Faktoren usw. ohne menschliches Zutun regelt, wenn sie nicht zerschossen wird. Der Jagddruck sowie andere Faktoren hingegen erhöhen die Reproduktionsraten bei betroffenen Tierpopulationen, was man nicht nur bei den Wildschweinen, Füchse, Rehen, Hirschen, Tauben, sondern bei jeder Spezies (Arterhaltung, Überlebensinstinkt, Geburtenausgleich usw.) beobachten kann. Die meisten Hobby-Jäger akzeptieren die mitessenden Beutegreifer nicht. Sie hegen Rehe, Hirsche und Gämsen ähnlich wie Haustiere und wollen dann möglichst viel ernten. Sie denken, die Wildtiere gehörten ihnen und sie hätten ein Recht auf Beute und Tiermord. Hobby-Jäger haben die Verachtung von Tieren perfektioniert.

Tausende Tonnen Schrotkörner liegen in der Schweiz verstreut. Hobby-Jäger vergiften mit ihrer Bleimunition Tiere, Wildbret, Boden und Grundwasser. Durch die Jagd nimmt die biologische und natürliche Vielfalt ab. So ist die häufigste Todesursache bei den unter Naturschutz stehenden Vögeln die Bleivergiftung durch verseuchtes Aas.

Die von Hobby-Jägern häufig geäusserte Behauptung, sie könnten durch den Abschuss von Tieren deren Populationen regulieren, ist aus ökologischer Sicht falsch, sie dezimieren nur. Der Hobby-Jäger ist nur ein schlechter Ersatz für ausgerottete Beutegreifer, weil er oftmals nicht kranke und schwache Tiere schiesst, sondern irrational oder nur Männchen, um eine Trophäe zu erhalten. Wenn Hobby-Jäger wirklich Naturschutz betreiben, tun sie es unabhängig von ihren jagdlichen Aktivitäten. Jagd war schon immer ein barbarisches Ausnutzen der Natur.

Es braucht nachhaltige Ansätze

Wildtiere, ob frei lebenden oder in Gefangenschaft, können Probleme verursachen, ähnlich einer menschlichen Überbevölkerung. Die Natur militant zurecht zu schiessen, wie dies bis anhin die Hobby-Jäger praktizieren, ist nicht ethisch, weise, sicher und wird von der Öffentlichkeit immer weniger akzeptiert. Oftmals werken Jäger auch illegal.

Eine nachhaltige Populationskontrolle ist gefragt, um das Abschiessen von Tieren zu verhindern. Eine einfache und preiswerte Möglichkeit ist die Immunokontrazeption.

Die Immunokontrazeption wird heute angewendet, um Tierbestände in freier Wildbahn oder in Zoos zu begrenzen. Die Immunokontrazeption hat im Gegensatz zu hormonellen Methoden praktisch keine Nebenwirkungen. Bisher sind die immunokontrazeptiven Anwendungen bei über 100 verschiedenen Tierarten erfolgreich getestet worden. Darunter bei wild lebenden Pferden, Hirsche, Wildschweine, Bisons, Eichhörnchen, Hunden, Katzen, afrikanischen Elefanten usw. Studien haben gezeigt, dass so behandelte Hirsche z.b. bis 5 Jahre unfruchtbar sind.

Immunokontrazeption unterbindet den normalen Fortpflanzungszyklus der Tiere durch eine Impfung. Der Impfstoff enthält bestimmte Proteinbausteine des sogenannten Gonadotropin Realising Hormons (GNRH). Dieses Hormon des Hypothalamus brauchen Säugetiere, um Sexualhormone herzustellen. Mit dem Impfstoff behandelte Schweine bilden Antikörper, die das GNRH abfangen und unwirksam machen. Daraufhin produzieren die Schweine kaum noch Sexualhormone wie Östrogen oder Testosteron. Sowohl männliche als auch weibliche Tiere werden dadurch unfruchtbar.

Australische Schweinezüchter setzen schon seit einiger Zeit auf die Impfmethode, um das Fleisch ihrer Hausschweine schmackhafter zu machen. Nach etwa vier Monaten zeigen die damit behandelten Eber keinerlei Fortpflanzungszyklus mehr. Untersuchungen belegen, dass die Impfungen keine gesundheitlich bedenklichen Rückstände im Fleisch hinterlassen. Und die Methode ist schonender als das Kastrieren der Eber. Es würde also nichts dagegen sprechen, auch Wildschweine damit zu behandeln.

Eine erfolgreiche Demonstration der Immunokontrazeption wurde z.b. in New York im Fire Island Nationalpark zwischen 1993 und 2010 bei den Hirschen erreicht. Mehrere hundert Hirsche wurden dort erfolgreich mit PZP (Porcine Zona Pellucida Impfung) behandelt und die Geburtenrate um rund 70 % gesenkt.

PZP ist eine sehr effektive Geburtenkontrolle, reversibel, sicher bei schwangeren Tieren, ohne nennenswerte (kurz- oder Langzeit) gesundheitliche Nebenwirkungen und der Impfstoff passiert nicht durch die Nahrungsmittelkette. Besonders vorteilhaft ist die Anwendung, da man die Tiere nicht fangen und betäuben muss. Die Wildtiere werden über das Futter geimpft.

Feldversuche, aufgrund der Misserfolge durch die Jagd, in anderen Gebieten brachten eine Halbierung der Tierbestände bei den Hirschen innerhalb von 5 Jahren. Die Gesundheit der Hirschpopulation verbesserte sich dabei, weil die Hirschdichte abnahm und jeder Hirsch qualitativ mehr Futtermittel zur Verfügung hatte. Die Weibchen müssen nicht jährlich durch eine kräftezehrende Schwangerschaft.

Da sich die Menschen immer mehr in Gebiete ausdehnen, wo Wildtiere heimisch sind, wäre der Idealzustand, dass man die Tiere respektiert und sich nicht in die natürlichen Faktoren der Bestandsregulierung einmischt. Da Jäger aber dieser Respekt fehlt, ist die militante Form und Waffengewalt heute die Realität. Jagd ist immer eine Form von Krieg.

Die meisten Jäger sind anachronistisch und leben bei einer genaueren Analyse Gedankengut der puren Gewalt. Jäger sind militant. Sie eliminieren in ihren Augen minderwertige Lebewesen und blasen gerne Tieren für eine Trophäe das Lebenslicht aus. Das ganze wird mit primitiven und sektiererischen Ritualen sowie Alkohol beglückwünscht. Jäger manipulieren, stören, quälen und zerstören. Ihre Taten und Jagdmethoden sind zum Teil so brutal und bestialisch, dass sich Jäger selbst nicht getrauen, darüber in der Öffentlichkeit zu reden, aus Angst vor Repressalien aus den eigenen Reihen.

Immunokontrazeption ist ein wissenschaftliches Werkzeug, zu einem ethischen Umgang mit Lebewesen.

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Interessen-Gemeinschaft

Wild beim Wild


Die IG Wild beim Wild ist eine gemeinnützige Interessen-Gemeinschaft, die sich für die nachhaltige und gewaltfreie Verbesserung der Mensch-Tier-Beziehung einsetzt, wobei die IG sich auch auf die rechtlichen Aspekte des Wildtierschutzes spezialisiert hat. Eines unser Hauptanliegen ist, in der Kulturlandschaft ein zeitgemässes und seriöses Wildtiermanagement nach dem Vorbild vom Kanton Genf einzuführen – ohne Hobby-Jäger aber mit integren Wildhütern. Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates und nicht an Hobby-Jäger-Banden delegiert.

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