Spanien wird zum wichtigsten Schweinefleischerzeuger in der Europäischen Union.

Deutschland war früher der grösste Schweinefleischerzeuger in der EU, hat aber nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen China als Kunden verloren.

Bisher gingen 56 % des Absatzes von EU-Schweineprodukten nach China, was das Land zum grössten Exportkunden macht, wie aus Daten der Europäischen Kommission hervorgeht.

Die EU hat im vergangenen Jahr 3,3 Milliarden Kilogramm Schweinefleisch nach China geliefert, fast dreimal so viel wie 2018.

Chinas Wunsch nach importiertem Schweinefleisch stieg nach seinem eigenen ASP-Ausbruch, bei dem mehr als 100 Millionen Schweine getötet wurden.

Die Tatsache, dass China in den letzten Jahren von der Afrikanischen Schweinepest betroffen war, hat die Nachfrage in die Höhe schnellen lassen„, sagte Ramon Soler Ciurana, Exportleiter von Faccsa-Prolongo, einem spanischen Schweinefleischproduzenten in Málaga.

Spanien produzierte in der ersten Jahreshälfte 2021 2,6 Milliarden Kilogramm Schweinefleisch, 4,1 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie die Europäische Kommission mitteilte.

Deutscher Schlachthof in Spanien

Da in Spanien weniger strenge Tierschutzvorschriften gelten als in Deutschland, baut Tönnies, Deutschlands grösster Schlachtbetrieb, einen Schweineschlachthof und eine Fleischverpackungsanlage in Calamocha in Spanien.

Die strengeren Tierschutz- und Umweltvorschriften in Deutschland haben laut Tönnies zum Rückgang der Schweinehaltung beigetragen.

Selbst wenn deutsche Landwirte in neue Schweineställe investieren wollen, erhalten sie oft keine Baugenehmigung von den lokalen Behörden„, sagte Andre Vielstädte, ein Sprecher von Tönnies.

Tönnies geriet im Juni letzten Jahres in die Schlagzeilen, nachdem Hunderte von Mitarbeitern positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Bei einer Protestaktion im Juli letzten Jahres kletterten Aktivisten auf das Dach des Tönnies-Schlachthofs und trugen Transparente mit der Aufschrift „Stoppt die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur„, um Änderungen an den derzeitigen Praktiken der Fleischindustrie zu fordern.

Wir müssen die Kontrolle über unsere Lebensmittelproduktion zurückgewinnen. Ersetzen wir die profitorientierten Fleischkonzerne durch demokratisch kontrollierte, ökologische und schadstofffreie Produktionsstätten.

Aktivistin Maya Keller

Der neue Tönnies-Schlachthof soll 2023 in Spanien in Betrieb genommen werden und 10’000 Schweine pro Tag töten. „Der spanische Schweinemarkt ist attraktiv, und die politischen Rahmenbedingungen sind positiv„, so Vielstädte.

Unsere neue spanische Anlage wird ausschliesslich für den Export in Märkte wie Schweinerippchen nach Nordamerika, Schweinebäuche nach Japan und andere Produkte wie Schweinefüsse und -ohren nach China und anderen asiatischen Ländern bestimmt sein„, sagte Vielstädte.

Er bezeichnete die deutschen Tierschutzvorschriften als „einseitig„, weil andere europäische Länder von den Landwirten nicht das Gleiche verlangen, so dass es in Spanien billiger und einfacher ist, in die Schweinehaltung zu investieren als in Deutschland.

Chinas Schweinefleischimport

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen. Die Krankheit kann zum Tod führen, aber die Tiere können sich auch davon erholen. Bislang töten die Behörden weltweit ganze Schweinebestände, wenn die Afrikanische Schweinepest festgestellt wird.

China hat auch in diesem Jahr Ausbrüche der ASP gemeldet, unter anderem in drei der fünf grössten Schweinefleischproduktionsgebiete, Henan, Sichuan und Shandong, was bedeutet, dass man sich weiterhin nach anderen Ländern umsehen wird, um Schweinefleisch zu importieren.

Und die europäischen Regierungen sind begeistert von den Schweinehandelsabkommen, die sie mit China abschliessen. Irland hat kürzlich stolz verkündet, dass es lebende Zuchtschweine nach China schicken wird.

Der Foreign Agricultural Service des US-Landwirtschaftsministeriums erklärte Anfang des Jahres, dass China im Jahr 2022 insgesamt 5,1 Milliarden Kilogramm Schweinefleisch importieren wird. Im Jahr 2020 wurden 5,3 Milliarden Kilogramm (11,7 Milliarden Pfund) an Schweinefleisch eingeführt.

Industrielle Landwirtschaft und Klimawandel

Der im Februar vom englischen Politikinstitut Chatham House veröffentlichte Bericht Food system impacts on biodiversity loss (Auswirkungen des Lebensmittelsystems auf den Verlust der biologischen Vielfalt) erläutert, wie die industrielle Tierhaltung die Natur zerstört und zum Artensterben beiträgt.

Das Papier enthält drei Empfehlungen für politische Entscheidungsträger: Förderung einer stärker pflanzlich orientierten Ernährung, Bereitstellung von Ackerland für die Natur und Umstellung auf eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft mit Respekt für Natur und Tiere.

In der Studie heisst es, dass sich die politischen Entscheidungsträger bei künftigen internationalen Konferenzen über Lebensmittelsysteme, Klimawandel, biologische Vielfalt und Gesundheitsversorgung auf alle drei Empfehlungen konzentrieren müssen.

Die grösste bevorstehende Klimakonferenz COP26 findet in den ersten beiden Novemberwochen in Glasgow statt, wo Tierschutzorganisationen und Tierpolitiker hoffen, dass die industrielle Tierhaltung Teil der Diskussionen über den Klimawandel sein wird.

9 Kommentare

  1. Daß Tönnies auch in Spanien schlachten will, ist schon längere Zeit bekannt. Er wollte auch in Rußland nach dem Aufbau der Schweine“produktion“ in die Schlachtbranche einsteigen, hat dieses Vorhaben aber inzwischen dem Vernehmen nach aufgegeben:
    https://www.susonline.de/markt/toennies-verlaesst-russland-12677012.html
    Es gibt Leute, die den Hals nicht voll kriegen können. Dafür bietet Spanien gute Möglichkeiten nach dem Motto „Was die gemüsebranche kann, das kann ich schon lange!“.
    dazu schrieb ich einen Kommentar, der hier gelesen werden kann:
    https://www.topagrar.com/schwein/news/toennies-will-schlachthof-in-spanien-bauen-12360669.html

  2. Gut, das wir in Deutschland wenigstens eine gute Tierhaltung mit einem hohen Standard an Tierwohl und Tierschutz.

    • Über 90% der sogenannten Nutztiere vor allem Schweine und Geflügel werden in Massentierhaltungen „produziert“ und bis zu ihrem bitteren Ende gehalten, wo ist da der hohe Standard an Tierwohl???

      • Massentierhaltung sagt doch noch nichts über Tierwohl und Tierschutz aus. Da gibt es keinen Zusammenhang. Auch in einer großen Massentierhaltung kann der Tierwohlstandard besser sein als in einer „nicht Massentierhaltung“. Z.B. würde ich bei Geflügel lieber Eier von einer Massentierhaltung kaufen, wo 2000 Hühner den ganzen Tag auslauf bekommen. Und keine Eier von einem kleinen Betrieb in Polen, wo vll 100 Hühner in Käfige untergebracht sind.
        So leben in Polen im Grunde immer noch sehr viele Hühner in Käfige. In Deutschland hingegen fast gar nicht. https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2019-002939_DE.html#def1

        Und außerdem behauptet ich mal, dass es mir in der Stadt auch nicht schlecht geht als Menschen, die auf dem Land wohnen. Nur weil da halt viele Menschen sind.

        • Gerade Geflügeltiere und Schweine in Massentierhaltung auch in Deutschland leiden sehr. Schweine haben wegen der Spaltenböden und der Güllegase fast immer chronische Lungenentzündung oder Lungenschäden, oft auch Gelenkschäden, Puten, oft auch Masthühner (sog. Hähnchen) fast immer kaputte oder entzündete Füsse vom Stehen in der eigenen Kacke!

      • Aber auch in dem Fall hat das doch immer noch nichts mit der „Masse“ zu tun. Wenn jemand 10 Schweine auf Spaltenboden hält und es denen dabei schlecht geht, dann finde ich sollte man auch das verurteilen. Auch wenn das keine Massentierhaltung ist. Aber Sie finden das in Ordnung und erst wenn jemand z.B. 1000 Tiere so hält schlecht inakzeptabel?

        Was für ein Schmarn. Dieser Begriff „Massentierhaltung“ ist völlig irreführend. Gibt es dafür überhaupt eine Definition; ab wie viele Tiere ist es den „Massentierhaltung“?

        Ich lebe in einer „Massenmenschenhaltung“ und ich muss sagen, dass ich mich hier wohl fühle. Ich finde man sollte jedes Individuum einzeln betrachten. Die Masse/Menge ist dabei doch völlig irrelevant.

    • Es mag ja sein, dass es Länder mit niedrigeren Standards als bei uns gibt, aber die Eichelmast für Schweine in Spanien ist allemal besser und auch die freiwilligen besseren Haltungsbedingungen nach Bio-Richtlinien und besonders die nach Neuland sind deutlich angemessener als die enge Aufstallung auf Spaltenböden, die keineswegs paarhufergerecht sind. Und was haben 3,5m² Stallfläche für Mastbullen mit über 650kg mit Tierwohl zu tun??? Ich wiege bei 171 cm Körpergröße 70 kg. Ich stelle mir gerade vor, wie „wohl“ ich mich mit noch weiteren 7 Männern meiner Statur auf 3,5 m² fühlen würde. Einfach mal ausrechnen. Ich bekomme etwas mehr als 0,4 m² für jeden von uns 8 raus, also knapp 2 Gehwegplatten á 50cm x 50 cm. Freiheit, die ich meine???

      • Oh ja, die Biorichlinien sind schon echt gut. Da kann man sicher sein, dass die Tiere gut gehalten werden. Hoffentlich setzt sich das auch mal bei immer mehr Verbraucher durch. Weg von der Masse, hin zu Klasse.

        Zum Thema Eichelmast… das ist in Deutschland leider rechtlich fast unmöglich…

  3. Alles Kriminelle, die so mit Tieren umgehen und das Leben auf unseren Planeten gefährden, nur nur damit eine Mehrheit einfach gestrickter Zeitgenossen der Spezies Homo sapiens sich billiges Fleisch in ihre dummen Köpfe stopfen kann!
    Die sich darüber keine Gedanken machen, sollten sich schämen und die, die diese Tierleid verursachen, gehören eingesperrt!

Antwort auf Elisabeth Lösche Antwort