Unkultur

Brutale Trophäenjagd in Schweden

Die legalisierte Trophäenjagd hat das schwedische Jagdmanagement in einem Masse korrumpiert, dass das schwedische Umweltbundesamt den Zweck des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten (CITES) aktiv untergräbt, indem es Ausfuhrgenehmigungen für alle Trophäen erteilt, um ausländische Hobby-Jäger anzuziehen.
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Ab dem 21. August sollen mehr als 500 Braunbären vor ihrem jährlichen Winterschlaf getötet werden.

Die Europäische Kommission und die internationale Tierschutzgemeinschaft müssen sich mit Schwedens wiederholtem Verstoss gegen die Habitat-Richtlinie befassen und die unethische Trophäenjagd auf grosse Beutegreifer, die in Schweden eskaliert, verbieten.

Die Trophäenjagd nimmt weltweit zu, so auch in Schweden. Die Jagd gefährdet ernsthaft das Überleben grosser Beutegreifer. Trotzdem erhöht die schwedische Umweltschutzbehörde (EPA) jedes Jahr die Quote für die legale Trophäenjagd. Seit dem Jahr 2000 sind fast 7’000 Bären, Luchse, Wölfe und Vielfrasse legal getötet worden. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2021 wurden in Schweden bereits Genehmigungen für die Tötung von mehr als 720 Beutegreifern erteilt.

Die grausame und unethische Trophäenjagd, mit der das schwedische Umweltbundesamt die Populationen regulieren will, verstösst jedoch gegen Ziel und Zweck der EU-Arten- und Habitatrichtlinie (92/43/EWG). Schweden missbraucht diese strengen Schutzgesetze in eklatanter Weise, indem es seine eigenen nationalen Schlupflöcher anpasst und die Ausnahmeregeln für die begrenzte Jagd ungehemmt auslegt, um die Trophäenjagdindustrie zu unterhalten.

Die schwedische Bärenpopulation zählt derzeit weniger als 2’900 Wildtiere

In diesem Monat werden in sieben schwedischen Bezirken mehr als 500 Bären für die Trophäenjagd ins Visier genommen, obwohl in diesem Frühjahr bereits 107 Bären, darunter Weibchen und Jungtiere, bei Hubschrauberjagden getötet wurden. Bären, die aus dem Winterschlaf erwachen und sich zu nahe an Rentieren aufhalten, werden von den Rentierbesitzern im Voraus verurteilt. Trotzdem erhält die Rentierindustrie erhebliche staatliche Subventionen, um die Beutegreifer zu akzeptieren. Die kriegerischen und in der Regel illegalen Methoden wie die Verfolgung mit Schneemobilen, die 24-Stunden-Jagd und der Abschuss aus Hubschraubern werden von der Bezirksverwaltung gebilligt. Sogar die Verfolgung von Weibchen mit Jungtieren sowie von Weibchen mit Jungtieren in ihren Höhlen ist möglich. Diese brutalen Praktiken gegen Beutegreifer nehmen in Nordschweden jedes Jahr zu. Eine Region, in der die illegale Jagd weit verbreitet ist, teilweise mit extrem sadistischen Methoden, wie der Jagdskandal in Norrbotten im Jahr 2017 zeigte: Das Quälen von Luchsen in Fallen, das Strangulieren von Luchsen und Bären an Metalldrähten in Bäumen, die Provokation von Hunden an gefangenen und verletzten Tieren. Dies beweist, dass die legalisierte Trophäenjagd weder Respekt vor Wildtieren schafft noch Konflikte reduziert.

Tödliche Störungen im Spätsommer und Herbst sind für alle Bären kritisch, wenn sie sich auf einen gesunden Winterschlaf im Oktober vorbereiten müssen. Im Allgemeinen beziehen Bären den Grossteil ihrer Kalorien aus Pflanzen und Beeren, und sie müssen genügend Fett ansammeln, um den langen skandinavischen Winterschlaf von 5 – 7 Monaten zu überleben. Diese lebenswichtige Fütterungsperiode wird als „Hyperphagie“ bezeichnet. Bären müssen jeden Tag beträchtlich an Gewicht zulegen, wobei sie bis zu 12-20 Stunden pro Tag aktiv sind und essen. Für weibliche Bären ist der Druck sogar noch grösser, da sie während des Winterschlafs in ihren Höhlen gebären und die Mütter in der Lage sein müssen, ihre Jungen mit fettreicher Milch zu ernähren.

Das Vorsorgeprinzip wird von der Regierung in Schweden nie zum Schutz von Wildtieren angewandt. Die verheerenden Waldbrände im Jahr 2018, während der Hyperphagie-Phase der Bären, haben die Trophäenjagd auf 300 Bären nicht gestoppt. Zwei Tierschutzorganisationen – The Hunting Critics und Djurens Rätt – appellierten an den Generaldirektor der schwedischen EPA und an die lokalen Gouverneure, die Bärenjagd zu stoppen. Der Appell wurde überall mit dem Hinweis ignoriert, dass sie im Urlaub seien.

Die Schwere der menschlichen Störung von Fleischfressern, die für eine gefährdete Art wie den Braunbären während dieser lebenswichtigen und hektischen Fütterungszeit viele andere unvorhersehbare Folgen haben kann, wird in den Jagdgenehmigungen der Bezirksverwaltungen völlig ignoriert und von der obersten zuständigen Behörde, der schwedischen Umweltbehörde, nie in Frage gestellt.

Die Jagdentscheidungen für Braunbären beruhen auf fiktiven Wachstumsraten, die biologisch unrealistisch sind; Bären sind aufgrund sozialer und reproduktiver Faktoren wie Kindstötung, Unterdrückung der Fortpflanzung, langsames Bevölkerungswachstum und lange Zeiträume der Abhängigkeit von Jungtieren besonders gefährdet. Die Jagd während der Hyperphagieperiode verursacht eine Art von Störung und Stress, die sich von anderen menschlichen Aktivitäten unterscheidet, da sie in grösseren und unzugänglicheren Gebieten stattfindet, in denen die Anwesenheit von Menschen und Jagdhunden sonst unüblich ist. Da Bären sehr stressempfindlich sind und an Überhitzung sterben können, ist die schwedische Methode, jeden Bären mit zwei grossen Hunden zu jagen, äusserst grausam. Die Kollateralschäden an allen Bären und Jungtieren, selbst wenn sie nicht getötet werden, werden von den Jagdmanagern offen ignoriert. Jedes Jahr werden viele kleine Bären und Jährlinge, die weniger wiegen als ein kleines Kind, im Rausch der Trophäenjagd „versehentlich“ getötet. Die Hobby-Jäger werden nie zur Verantwortung gezogen.

Im Jahr 2000 durften nur 56 Bären gejagt werden, und heute im Jahr 2021 ist die Zahl der zu erlegenden Bären auf 501 gestiegen. Der Landkreis Jämtland (in dem sich auch die Jagdhütte des berühmten Fußballspielers und Jägers Zlatan Ibrahimovic befindet), der für die Diskriminierung und Tötung von Beutegreifern berüchtigt ist, führt die diesjährigen Tötungsspiele an, indem er Jagderlaubnisse für das gesamte Gebiet ausstellt, diesmal für die Tötung von 200 Bären in einer Saison!

In Schweden werden Bären auf grausame Art und Weise mit Ködern angelockt, um sie aus nächster Nähe mit Hunden zu jagen und zu erschiessen. Diese unethische Methode wird auch angewandt, um die Bären im Voraus mit installierten Kameras live zu verfolgen, denn die Köder werden bereits Mitte Juli ausgelegt. Hobby-Jäger zahlen hohe Summen und können sich so schon im Voraus ihre Trophäenbären aussuchen. Sie setzen dann halbautomatische Waffen und aggressive Raubtierhunde ein. Nicht selten werden Bären von Hobby-Jägern verwundet und dann als „verschollen“ gemeldet, obwohl sie schwer verletzt sind.

Die Bärenjagd ist die beliebteste Form der Grosswildjagd auf dem Planeten„, schreibt der Trophäenjagd-Kampagnenleiter und Journalist Eduardo Gonçalves in seinem Buch Killing Game, The Extinction industry. „Safari Club International (SCI) ist eine von mehreren Jagdorganisationen, die Preise an die Jäger vergibt, die die meisten Tiere für den „Sport“ töten. Das SCI-Rekordbuch enthält Arten wie Braunbären, Luchse und Wölfe, die alle in Schweden gejagt werden dürfen.

Die Mehrheit der befragten europäischen Bürgerinnen und Bürger ist gegen die Trophäenjagd, wie aus dem jüngsten Bericht „Trophy Hunting by the Numbers: Die Rolle der Europäischen Union bei der weltweiten Trophäenjagd“, von Humane Society International Europe. Der Bericht enthüllt auch die Kehrseite des schwedischen Verrats: Schweden steht an der Spitze der EU-Länder, die zwischen 2014 und 2018 CITES-gelistete Arten ein- und ausführen, was zu einem Anstieg der Importzahlen in die EU um fast 40 % beigetragen hat.

Aufschlussreich genug: 2017 wurde der Vorschlag, die Einfuhr von Löwentrophäen aus der Löwenjagd in Gefangenschaft zu verbieten, vom Parlament abgelehnt. Die meisten Schweden haben wenig Ahnung von der inländischen Trophäenjagd im grossen Stil innerhalb ihrer eigenen Grenzen, sind aber schockiert, wenn Prominente wie Zlatan Ibrahimovic und Politiker wie der ehemalige Finanzminister Anders Borg dabei erwischt werden, wie sie ihre Jagdtrophäen aus afrikanischen Ländern einführen.

Schweden hat erhebliche Probleme mit der illegalen Jagd, und Wildtiere sind nicht vor Grausamkeiten geschützt, da sie nicht unter die Tierschutzgesetze fallen. In Schweden, dem Ursprungsland des „Ombudsmanns„, gibt es keinen Ombudsmann oder Beauftragten für Tiere, weder für wilde noch für zahme.

Dennoch fördert die schwedische Umweltbehörde die Perfidität des Tötens grosser Fleischfresser zu Sport- und Freizeitzwecken und erteilt immer wieder Lizenzen für die teuflische Praxis der Trophäenjagd in grossem Umfang. Dies ist der ultimative Verrat an empfindungsfähigen und gefährdeten Lebewesen wie Braunbären, Luchsen und Wölfen.

Die Einsprüche der NRO gegen die Trophäenjagd werden vor Gericht wiederholt ignoriert

Der WWF-Schweden schweigt zur Trophäenjagd, obwohl er 2019 von einem einzigen Erblasser ein Vermächtnis im Wert von mehr als 10 Millionen Euro erhalten hat, das ausdrücklich dem Schutz schwedischer Beutegreifer diente. Die Ironie dabei ist, dass sein Nachlass aus Wäldern in Bezirken bestand, in denen Bären, Luchse, Wölfe und Vielfrasse am stärksten verfolgt werden. Was hätte er wohl getan, wenn er gewusst hätte, dass die Grundstücke u. a. an die kompromittierte schwedische Umweltschutzbehörde verkauft werden sollten? Oder dass die Finanzierung eines umstrittenen Projekts in Namibia, bei dem es um Trophäenjagd geht, auch von WWF-Niederlassungen in Europa – unter anderem in Schweden – stammt.

Die Trophäenjagd ist absolut grausam, absolut unnötig und aus Sicht des Naturschutzes absolut katastrophal. Sie fügt den Tieren Schmerzen und Leiden zu, und zwar aus keinem anderen Grund als dem, sich mit irgendwelchen vergänglichen ‚Fähigkeiten‘ zu brüsten. Es wird kein materielles menschliches Bedürfnis damit befriedigt; es ist ein reines Hobby, und ein zutiefst falsches noch dazu.

Jane Godall

Autorin:

<strong>Eva Stjernswärd</strong>
Eva Stjernswärd

Artist and designer
Former diplomat in the Swedish Foreign Service
www.stjernsward.com

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