Tierwelt

Nach dem Tod des Westerwälder Wisents – Erlösung oder Umgehung der Schonzeit?

Der bereits seit über einem Jahr im Westerwald lebende Wisentbulle wurde, laut Medien, vergangene Woche scheinbar entkräftet und verletzt bei Selters aufgefunden und von einem Jäger erschossen.

Da es sich bei dem Tier um eine streng geschützte Art handelt, ist eine Aufklärung des Abschusses zwingend notwendig, zumal die Entnahme des Tieres schon häufiger von Forst und Jagd in der Vergangenheit gefordert wurde.

Das Wildtier hatte sich nach Angaben vermutlich mehrere Beine gebrochen, auch Madenbefall war bereits festgestellt worden. Er habe vermutlich schon längere Zeit an Ort und Stelle im Wald bei Selters gelegen.

Der Westerwälder Wisentbulle wanderte von einem Ansiedlungsprojekt in Nordrhein-Westfalen aus dem Rothaargebirge nach Rheinland-Pfalz und lebte bereits seit über einem Jahr im Kreis Neuwied.

Wisente gelten laut Roter Liste Deutschland bereits seit 2009 als ausgestorben. „Da Wisente nach § 7 Abs. 2 Nr. 14 des Bundesnaturschutzgesetzes streng geschützt sind und eine ganzjährige Schonzeit geniessen, ist es uns wichtig, dass der Fall lückenlos aufgeklärt wird„, sagt Cosima Lindemann, Vorsitzende des NABU Rheinland-Pfalz. „Vor allem vor dem Hintergrund des schon häufiger geäusserten Wunschs das für zahlreiche Schäden in Forst und an jagdlichen Einrichtungen verantwortlich gemachte Tier zu entnehmen, stellt sich die Frage, warum das Tier in einem so schlechten Zustand vorgefunden und vermeintlich erlöst werden musste.“

Durch die vom NABU geforderte Aufklärung soll gezeigt werden, dass hier kein Versuch getätigt wurde, die ganzjährige Schonzeit des Tieres zu umgehen. „Die Sicherung des getöteten Tieres und die geplante Untersuchung im Landesuntersuchungsamt begrüssen wir und sehen es als wichtige Schritte hier Klarheit zu schaffen„, so Lindemann.

Der Wisent-Bulle hat in den vergangenen Wochen angeblich Hochsitze beim Kratzen zerstört, Bäume angefressen und einen Unfall verursacht.

Wild beim Wild

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