Tierwelt

Italien: Der versteckte Tigerhandel

Italien ist in Europa führend im Handel und in der Zucht von Tigern.

Längst gibt es auf der Welt mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn. Schätzungsweise 85 % der in Europa vorhandenen Grosskatzen sind in Italien nicht artgerecht angesiedelt.

Tiger sind stark gefährdet, derzeit gibt es weltweit nur noch etwa 12’000 Exemplare. Davon leben nur noch 3’900 in ihrer natürlichen Umgebung, während die restlichen 8’100 in Gefangenschaft gehalten werden.

Jagd, Lebensraumzerstörung, Angst, Aberglaube: Seit Jahrhunderten ist die grösste Katze der Welt ständig vom Menschen bedroht. Einigen Kulturen zufolge machen ihre gehackten Knochen sie stärker, während für andere die Geschlechtsorgane die Männlichkeit steigern können und die Augen in der Lage sind, Sehstörungen zu heilen. Pelz gilt immer noch als wertvolles Gut, als Symbol für Luxus und Macht. Sowie die verschiedenen „Trophäen„. Während Welpen als Haustiere verkauft werden.

Die Zahlen sprechen für sich: In Indien – wo 75 % der weltweiten Tigerpopulation in freier Wildbahn leben – lebten 1947 40.000 Exemplare. Im Jahr 2018 waren noch 2’967 übrig, eine sehr niedrige Zahl, die jedoch von Premierminister Narendra Modi als „historisch“ definiert wurde.

In Italien gibt es keine Beschränkungen für die Vermehrung von Tigern und anderen Grosskatzen. Der Mangel an zuverlässigen Daten erlaubt es den Behörden nicht, den illegalen Handel und die kommerzielle Ausbeutung dieser gefährdeten Art angemessen zu kontrollieren.

Italien ist eines der Länder mit der grössten Präsenz von Zirkusunternehmen, die berechtigt sind, Tiger zu halten und zu züchten. Es sind richtige Produktionszentren von diesen Wildtieren. In diesem Fall können die Tiger legal an andere Zirkusse verkauft werden. Das Problem ist, dass man keine Ahnung hat, wie viele es gibt und oft, wo sie landen. Es gibt keine einheitlichen Register sowie Datenbank exotischer Tiere. Es ist praktisch unmöglich, seriöse Kontrollen durchzuführen.

Das derzeitige Regulierungssystem lässt Zirkus- und Unterhaltungsunternehmen die Möglichkeit, fast jede Art von Tier zu züchten, zu vermieten, zu verkaufen, zu verleihen, in Käfigen zu halten und vieles mehr. In Italien sind nach offiziellen Angaben 24 Tiger deklariert. Aber die wirkliche Zahl beträgt mindestens 400, laut Tierschützern.

Ein beispielhafter Fall aus jüngster Zeit sind zehn Tiger, die von Latina nach Russland transportiert wurden. Das Ende dieser verkauften und gehandelten Tiere ist leider, dass sie für die traditionelle chinesische Medizin getötet und zerstückelt wurden. Ein lebender Tiger ist zwischen 3’000 und 5’000 Euro wert. Der Gewinn für einen toten Tiger liegt zwischen 15’000 und 20’000 Euro.

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