Tierrechte

Wolf im Rovana-Tal zum Abschuss freigegeben

Nach mehreren Schafrissen und einem Protest von Bauern hat die Tessiner Regierung den Wolf im Rovana-Tal zum Abschuss freigegeben.

Die Abschussgenehmigung gelte während 60 Tagen, heisst es im am Mittwoch verschickten Communiqué weiter. Der Vollzug werde den Wildhütern des Amtes für Jagd und Fischerei übertragen.

Nicht nur für die Wölfe, sondern auch für Artenschützer beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Der WWF Tessin teilt mit, „dass er den genauen Sachverhalt analysieren wird“ und seinerseits „innerhalb der nächsten Woche“ eine Entscheidung treffen werde. Aus Sicht der Tierrechte besteht das Risiko darin, dass der Wolf während des eventuellen Gerichtsverfahrens getötet wird. Es ist in der Vergangenheit schon öfters passiert, vor Gericht Recht zu bekommen, nachdem der Beutegreifer bereits getötet wurde.

In seinem Schreiben erinnert der Regierungsrat daran, dass der Wolf geschützt sei. Das Bundesgesetz erlaube jedoch den Abschuss einzelner Wölfe, die „erhebliche Schäden“ am Viehbestand verursachen. Die Jagdverordnung macht die Tötungsanordnung von der Überschreitung einer bestimmten Anzahl von Beutetieren – in diesem Fall zehn – abhängig.

Gerissene Tiere waren „nicht schützbar“

Die im Rovana-Tal getöteten Tiere entsprächen zwar nicht der Definition von „gerissenen Schafen“ schreibt der Regierungsrat weiter. Der Grund: Um als „gerissenes Tier“ zu gelten, muss das Tier durch Elektrozäune und Schutzhunde vor Wolfsattacken geschützt werden.

Diese Schutzmassnahmen seien in Cerentino im Rovana-Tal angeblich aufgrund der steilen Hänge, der Terrassierung, der extremen Parzellierung und Streuung der Flächen sowie der geringen Grösse der Grundstücke weder technisch durchführbar noch wirtschaftlich rentabel.

Die 19 Schafe, die am 26. April dem Wolf zum Opfer fielen, seien als „nicht schützbar“ zu betrachten und könnten daher auf die Rissquote angerechnet werden, hält der Regierungsrat abschliessend fest.

Ende April hatten Bauern aus dem Bezirk Maggiatal mehrere tote Schafe vor das Regierungsgebäude in Bellinzona gelegt. Sie reagierten damit auf einen Schafsriss in Cerentino und forderten von der Regierung griffigere Massnahmen im Kampf gegen den Wolf.

Bereits Ende März waren im Rovana-Tal mehrere Schafe gerissen worden. Mitte April riss ein Wolf im Südtessin bei Novazzano 13 Tiere.

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