Tierrechte

Verhütungsmittel für Wildschweine

Obwohl Jahr für Jahr mehr Wildschweine geschossen werden, steigt ihre Anzahl weiter. Ist die Lösung des »Wildschweinproblems«, noch mehr Tiere zu schiessen? Oder ist gerade die intensive Jagd auf Wildschweine das Problem?

Forscher in Texas haben ein neuartiges Verhütungsmittel für Keiler entwickelt, das die Spermienaktivität und damit die Fruchtbarkeit der Wildschweine verringern soll.

Steigende Wildschweinpopulationen stellen aufgrund des Jagddrucks ein Problem dar. Durch falsche Bejagung insbesondere der Abschuss der Leitbachen, werden schon junge Sauen trächtig und werfen das ganze Jahr über Frischlinge. Lässt man Wildschweine in Ruhe, so leben sie in stabilen Gemeinschaften zusammen, in denen in der Regel nur die Leitbache Nachwuchs bekommt. Pheromone – chemische Signalstoffe, die Informationen unter Artgenossen übermitteln – sind im Tierreich allgegenwärtig. Beim Hausschwein ist in vielen Studien nachgewiesen, dass neben Pheromonen die soziale Hierarchie die Regulation der Reproduktion beeinflusst. Zerstört man durch die Jagd dieses sensible Sozialgefüge, kann es zur explosionsartigen Vermehrung führen.

Wildschweine verursachen Ernteschäden, Verkehrsunfälle und spielen eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Im US-amerikanischen Bundesstaat Texas haben Wissenschaftler Anfang Juni 2021 nun eine neue Methode zur Kontrolle der Wildschweinpopulation eingeführt. Das Verhütungsmittel namens „HogStop“ soll helfen, die Schwarzkittelbestände begrenzen.

Reduzierte Spermienaktivität

Laut der Website von HogStop wirkt das Futter als männliche Empfängnisverhütung bei Wildschweinen, senkt die Spermienzahl bei Wildschweinen und ist „kein Gift, das die Schweine tötet“. Das Verhütungsmittel wurde vom US-Ernährungsbiochemiker Dr. Dan C. Loper und seinem Team entwickelt. Die Entwickler beschreiben das Produkt als eine „Mischung aus natürlichen Futtermitteln“. Es enthalte keine Hormone oder endokrinen Disruptoren (Substanzen, die die natürliche biochemische Wirkweise von Hormonen stören) und wirke auch nicht auf die körpereigenen Hormone der Tiere ein. Das Mittel befinde sich ausschliesslich in den Hoden der Keiler und wandere nicht durch den Rest des Körpers.

Erste Tests an Wildschweinen begannen vor drei Jahren. Die Wissenschaftler ermittelten daraus eine um 60 % verringerte Beweglichkeit der Spermien. Daneben stellten sie weitere Veränderungen in der Morphologie fest, die in Kombination die Fruchtbarkeit der Keiler deutlich reduzierten. Diese Ergebnisse liessen sich bereits nach einer fünftägigen Einnahme des Produkts durch die männlichen Wildschweine feststellen.

Angebot über Futterautomaten

Futterautomat

Die Entwickler empfehlen für die Verabreichung des Verhütungsmittels spezielle Futterautomaten. Diese sollen lediglich Wildschweinen das Fressen daran ermöglichen, anderen Wildtieren soll der Zugang versperrt bleiben, um Schäden zu vermeiden. Aktuell sei noch schwer abzuschätzen, wie stark die Wildschweinpopulation durch den Einsatz des Mittels verringert werden könne. Die grossen Säugetiere wurden erstmals im 16. Jahrhundert in den Staaten eingeführt, als frühe Einwanderer begannen, das Land zu besiedeln.

“HogStop“ soll nun in ganz Texas eingeführt werden. Die Population der Wildschweine ist in Texas auf mehr als 2,6 Millionen angewachsen, und die Schweine sollen Schäden in Höhe von Hunderten von Millionen Dollar verursacht haben. Die durchschnittliche Tragzeit der Schweine beträgt 114 Tage, also etwa alle drei Monate, drei Wochen und drei Tage können sich die Wildschweine in Würfen von durchschnittlich sechs bis zwölf Ferkeln fortpflanzen. Im Süden der USA können Würfe bis zu 20 Ferkel erreichen. Die US-Umweltschutzbehörde habe das mineralstoffähnliche Mittel als Schädlingsbekämpfungsmittel zugelassen. Die Zulassung in anderen Ländern werde aktuell beantragt. Durch eine Kooperation mit dem US-Futtermittelhersteller und -vertreiber Hipro soll der Einsatz des Mittels weiter ausgedehnt werden.

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