Tierrechte

Skandal im Saarland: Jagd-Lobbyismus im Amt des Tierschutzbeauftragten

Im Saarland zeigt sich, wie unzureichend mit Tierschutz in Deutschland politisch umgegangen wird:

Am 12.10.2022 wurde Dr. Arnold Ludes vom saarländischen Landtag trotz starker Kritik als Landestierschutzbeauftragter gewählt. Das Amt soll Landesregierung und Tierschutzbehörden bei der Gesetzgebung und bei Beschwerden und Verstößen gegen das Tierschutzrecht beraten, Vorschläge zur Verbesserung des TIerschutzes im Saarland machen und dient Bürger*innen und Tierschutzorganisationen als Anlaufstelle.

Diese Wahl ist in vielerlei Hinsicht äußerst problematisch und widerspricht der politischen Verantwortung, die wir Tieren gegenüber als Teil unserer Gesellschaft haben:

Lobbyismus:

Herr Ludes ist nicht nur Tierarzt, sondern auch leidenschaftlicher Hobby-Jäger. Aussagen von Herrn Ludes legen offen, dass sein Verständnis von Tierschutz nicht allen Tieren gleichermaßen gilt.

Es zeigt jedoch außerdem auf, wie das wichtige Amt des*der Tierschutzbeauftragten politisch fehlinterpretiert wird. Nur weil eine Person viel mit Tieren zu tun hat, bedeutet das noch lange nicht, dass diese Person auch im Interesse von Tieren handelt.

Dass der neue Tierschutzbeauftragte eng mit der Jagdszene verbunden ist, bedeutet, dass das Amt im Saarland auf diesem Auge blind sein wird. Das Amt des Tierschutzbeauftragten sollte eine echte Vertretung von Tieren sicherstellen. Tiere sind ohnehin bisher kaum politisch repräsentiert. Es kann nicht sein, dass eine Person dieses Amt wahrnimmt, für die das Einschläfern eines Hundes berührend und emotional ist, während das Töten eines Wildtieres mit Faszination für die Organe des frisch erlegten Tieres einhergeht.

Bei zahlreichen Problemen, die im Bereich Tierschutz auf die Agenda zu setzen wären, entscheidet sich Ludes hingegen nicht die Tiere in den Vordergrund zu stellen, sondern erklärt es als Ziel für sein neues Amt, das Image der Jäger*innen als Feindbild in der Gesellschaft zu beseitigen. Imagepflege für Menschen, statt Interessenvertretung für Tiere ist sein Motto.

Herr Ludes ist zudem Vorsitzender des Ausschusses für Wildbretvermarktung in der Vereinigung der Jäger*innen des Saarlandes. Seine Ehefrau Dr. Marion Ludes ist ebenfalls Mitglied und als Beauftragte für Waidgerechtigkeit, Tierschutz, Fallenjagd und Wildkrankheiten tätig. Dies stellt einen eindeutigen Interessenkonflikt dar. Ein Tierschutzbeauftragter sollte ausschließlich im Interesse der Tiere handeln und nicht im Interesse von Jäger*innen.

Herr Ludes sieht beispielsweise grundsätzlich kein Problem mit einer geplanten Schliefenanlage in Neunkirchen, in der Jagdhunde an in Gefangenschaft lebenden Füchsen auf die Jagd trainiert werden. Er kenne solche Anlagen mit Wildschweinen und ist der Auffassung, dass die inszenierte Jagdsituation für die Tiere keinen Stress bedeute, sondern amüsant sei.

Bereits vor seiner Wahl wurde Kritik durch Tierschutzverbände geäußert. Auf die Pläne für das Amt angesprochen, äußert er “alle an einen Tisch” setzen zu wollen, um die Wogen glatt zu halten. Im Klartext heißt das, berechtigte Kritik klein halten zu wollen.

Zudem liegt ein weiterer Interessenkonflikt nahe, da Herr Ludes jahrelang im Umweltministerium des Saarlandes für den Bereich Landwirtschaft tätig war. Landwirtschaft und Tierschutz gehören politisch voneinander getrennt, da sich hier unterschiedliche Interessen gegenüberstehen, die objektiv in Ausgleich gebracht werden müssen.

Voreingenommene Wahl:

Arnold Ludes war zudem die einzige Person, die für das Amt zur Wahl stand. Von einer echten Wahl kann damit eigentlich schon nicht die Rede sein. Alle anwesenden Abgeordneten des saarländischen Landtags stimmten für den Tierarzt und Jäger. Bereits lange vor der Wahl allerdings schien für viele festzustehen, dass Herr Ludes Tierschutzbeauftragter wird.

Über ein solch wichtiges Amt darf nicht in beinahe undemokratischer Weise abgestimmt werden, indem ein Amt so unattraktiv gestaltet wird, dass es lediglich einen Bewerber mit einem klar zu erkennenden Eigeninteresse an der Amtsführung gibt.

Tierschutzbeauftragte*r darf kein Ehrenamt sein: 

Problematisch ist außerdem, dass das Amt im Saarland lediglich ein Ehrenamt ist. Dies führte dazu, dass es keine anderen Bewerber*innen auf das Amt gab, da dieses als “zahnloser Tiger” angesehen wird.

Tiere sind ständig von politischen Entscheidungen betroffen. Der Schutz der Tiere ist als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Dass die Wahrung dieser Aufgabe lediglich ehrenamtlich ausgeführt werden soll, wird der Wichtigkeit und Tragweite in keiner Weise gerecht.

Animal Society startet daher eine Petition für eine echte Interessenvertretung von Tieren und die Abberufung des neuen Tierschutzbeauftragten des Saarlandes Dr. Arnold Ludes:

https://www.change.org/p/nein-zu-jagd-lobbyismus-im-amt-des-tierschutzbeauftragten

2 Kommentare

  1. Ulrich Dittmann Reply

    Diesen Arnold Ludes in den Stand eines „Tierschutzbeauftragten“ zu erheben, ist an Idiotie nicht zu übertreffen.
    Ein Hobbyjäger als „Tierschützer“ – noch überflüssiger als ein Kropf!
    Da kann man auch gleich einen Metzger zum Präsidenten des Vegetarierverreins ernennen.

  2. Es ist immer die gleiche Masche, sie kriechen in alle wichtigen Gremien und verantwortungsvollen Positionen, die Jäger, um damit weiter ihre Pfründe sichern zu können. Sie rufen dazu auf ihren Webseiten sogar völlig unverhohlen auf in bestimmte Positionen zu kriechen. Sie hocken dann in völlig überrepräsentativem Anteil in solchen Positionen und können somit stets ihre Mehrheitspfründe sichern obwohl sie qunatitativ nur einen winzigen Anteil der Gesamtgesellschaft ausmachen (Beispiele: Nabu-Präsident, Jäger, C. Lindner, FDP, Jäger, Volker Bouffier, CDU, Jäger, Hendrik Wüst, CDU, Jäger, Philipp, Amthor, CDU, Jäger, etc.pp.). Alle Amtsträger in solchen Positionen sollten offenlegen ob sie Jäger sind oder nicht, und sie sollten aus solchen Ämtern entsprechend entfernt werden, insbesondere wenn ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in diesen Positionen nicht mehr deren eigentliche demokratische Verteilung wiedergibt, ihre Interessen sollten somit auf das Maß runtergebrochen werden auf welchem sie beruhen, nämlich auf lediglich 0.3% der Gesamtbevölkerung, dann hätte sich das Thema Jagd ganz schnell erledigt!

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