Mit geschlossenen Augen steht das Küken im Stall.

Es atmet schwer. Der Bauer hebt es prüfend in die Luft und merkt: Dieses Küken ist den Strapazen der Mast nicht gewachsen. Er tötet es kurzerhand per Genickbruch, indem er seinen Hals gewaltsam über die Tränke abdrückt. Das Küken strampelt noch minutenlang bei vollem Bewusstsein. Das zeigen verdeckte Aufnahmen der Schweizer Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF). 

Der Betrieb ist kein Einzelfall: Die Aufnahmen zeigen mehrere Bauern, die ihre kranken Tiere widerrechtlich töten. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) liefert eigentlich präzise Vorschriften, wie kranke Tiere zu töten sind: Zuerst muss das Tier mit einem stumpfen Schlag auf den Hinterkopf betäubt werden. Anschliessend muss es per Genickbruch getötet werden, etwa mit einer speziellen Zange. Manchen Bauern ist das wohl zu umständlich. 

Kranke und verletzte Hühner gehören in der Hühnermast zum Alltag: Masthühner werden seit Jahrzehnten auf Hochleistung gezüchtet. Unterdessen ist ihr Körper nicht mehr überlebensfähig, viele Hühner leiden an Beinschäden und Herz-Kreislauf-Problemen. Am Ende der Mast können die meisten Hühner kaum noch gehen. Laut Branchen-eigenen Angaben sterben bis zu 4 Prozent der Masthühner vorzeitig. Das sind gemäss Berechnungen von Tier im Fokus (TIF) über 1.5 Millionen Tiere pro Jahr – alleine in der Schweiz. 

Mit einer Petition gegen Qualzucht

«Die Massentierhaltung zeigt sich einmal mehr von ihrer hässlichen Seite», sagt TIF-Präsident Tobias Sennhauser. Der qualvolle Tod gehöre in der Hühnermast zum Geschäft. «Den Preis für billiges Fleisch bezahlen die Hühner», so Sennhauser. 

Strengere Kontrollen würden gegen illegale Tötungen nicht helfen. Hühnerhalter durchsuchen ihren Stall zweimal täglich nach verletzten und toten Hühner – so oft kann keine Kontrollstelle ausrücken. «Wir müssen das Problem deshalb an der Wurzel packen und schauen, dass die Hühner gar nicht erst erkranken», sagt Sennhauser. Tier im Fokus (TIF) fordert deshalb in einer Petition ein Verbot von Qualzuchten

Schweizer Studien belegen, dass langsam wachsende Masthühner gesünder sind. Diese leben doppelt so lange wie intensive Rassen und bleiben in dieser Zeit agil: Ihr Brustmuskel wächst normal, sodass sich die Hühner bis zum Schluss ohne Schmerzen bewegen können. Die Kehrseite ist ein höherer ökologischer Fussabdruck, da die Hühner mehr Nahrung verschlingen. 

Für die Branche ist das ein Zielkonflikt, für Tier im Fokus (TIF) liegt der Fehler in der Massenproduktion: «Mit tieferen Tierbeständen können wir nicht nur das Leiden der Hühner reduzieren, sondern auch die Umweltbelastung», so Sennhauser. 

Mit ihrer Petition will Tier im Fokus (TIF) die Politik zum Handeln animieren. Dort rennt die Tierrechtsorganisation offene Türen ein: Die grüne Nationalrätin Meret Schneider forderte unlängst in einer Motion, «Qualzuchten in der Hühnermast zu verbieten».

Weitere Infos

Schweizer Hühner leiden. Viele sind krank, verletzt oder sterben vorzeitig. Schuld daran ist die Qualzucht, die Tier im Fokus (TIF) mit einer Petition verbieten will.

Diskussion